Ethereum hat erstmals seit Monaten eine klare technische Verbesserung gezeigt. Der Kurs ist innerhalb einer Woche um fast 4 Prozent gestiegen und hat damit einen längerfristigen Abwärtstrend durchbrochen. Doch die Arbeit ist noch nicht erledigt. Solange Ethereum nicht überzeugend ausbricht, bleibt das Risiko eines erneuten Rückfalls bestehen.
Der Ethereum-Kurs befindet sich an einem Wendepunkt: Wird dies der Beginn einer Erholung oder nur ein vorübergehendes Aufleben innerhalb eines breiteren schwachen Trends?
Trendbruch ist erfolgt, Bestätigung fehlt noch
Seit Anfang Oktober bewegte sich Ethereum in einem absteigenden Kanal, wobei jede Erholung tiefer endete als die vorherige. Diese Struktur wurde diese Woche durchbrochen. Das ist technisch gesehen ein wichtiger Schritt, da es auf nachlassenden Verkaufsdruck hinweist.
Dem Ausbruch ging eine klassische positive Divergenz voraus: Während der Kurs zwischen Oktober und Dezember tiefere Tiefs bildete, zeigte der RSI höhere Tiefs. Dieses Signal weist häufig auf eine bevorstehende Trendwende hin.

Dennoch ist das Bild noch nicht völlig klar. In den vergangenen Wochen zeichnet sich eine verborgene negative Divergenz ab: Der Kurs erreicht ein niedrigeres Hoch, während der RSI steigt. Dieses Muster deutet eher auf eine Konsolidierung oder eine vorübergehende Korrektur als auf einen starken Durchbruch hin. Ein Tagesschluss unter 3.220 Dollar würde dieses Risiko bestätigen.

Hebelpositionen sind größtes kurzfristiges Risiko
Die größte Verwundbarkeit liegt derzeit nicht im Spotmarkt, sondern in Derivaten. Auf Binance dominieren Long-Positionen extrem. Das Volumen potenzieller Long-Liquidationen beläuft sich auf etwa 2,2 Milliarden Dollar, im Vergleich zu nur rund 300 Millionen Dollar an Short-Liquidationen.
Der Derivatemarkt ist ein Markt, in dem Händler auf Preisbewegungen wetten, ohne die zugrunde liegende Währung tatsächlich zu besitzen. Mit einer Long-Position wettet man auf einen steigenden Kurs, und mit einer Short-Position auf einen fallenden. Wenn viele Händler dies gleichzeitig tun, oft mit geliehenem Geld, wird der Markt anfällig: Bei einem kleinen Rückgang werden Positionen zwangsweise geschlossen, was den Kurs weiter nach unten drücken kann.

Das macht den Markt empfindlich: Selbst ein begrenzter Rückgang kann eine Kettenreaktion von Liquidationen auslösen. Die stärkste Liquidationszone liegt zwischen 3.150 und 2.850 Dollar. Dieser Bereich dient seit Wochen als Unterstützung, aber bei steigendem Druck könnte diese Unterstützung schnell brechen.
Große Investoren bieten Ausgleich, beseitigen Risiko aber nicht
Dem steht gegenüber, dass große Investoren derzeit akkumulieren. Innerhalb eines Wochenendes fügten Ethereum-Wale etwa 320.000 ETH zu ihren Positionen hinzu, im Wert von circa einer Milliarde Dollar. Das deutet auf Vertrauen in höhere Preise auf mittlere Sicht hin.

Dennoch ist die Akkumulation durch Wale keine Garantie gegen Volatilität. Sie dämpft den Verkaufsdruck, verhindert aber keine liquidationsbedingten Korrekturen, solange die Hebelpositionen so einseitig sind.
Diese Niveaus bestimmen den weiteren Verlauf
In den kommenden Tagen dreht sich alles um ein Niveau: 3.470 Dollar. Ein Durchbruch über diesen Punkt, etwa 10 Prozent über dem aktuellen Kurs, würde die verborgene bearish Divergenz ungültig machen und den Trendwechsel bestätigen.

Oberhalb dieses Niveaus entsteht Raum in Richtung 3.910 Dollar und später möglicherweise 4.250 Dollar. Auf der Unterseite gilt, dass ein Rückgang unter 2.850 Dollar das positive Szenario stark schwächt und die Tür zu niedrigeren Niveaus wieder öffnet.
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