Die Weltwirtschaft steht unter Druck, seit US-Präsident Donald Trump eine Reihe drastischer Importzölle angekündigt hat. Laut Klaas Knot, Präsident der niederländischen Zentralbank (De Nederlandsche Bank), ist dieser Schritt der Beginn eines Handelskriegs, in dem es keine Gewinner gibt – aber Europa durchaus etwas zu gewinnen hat.
Trumps Handelskrieg entbehrt jeder ökonomischen Grundlage
Was Trump als Sieg für die amerikanische Industrie präsentiert, sehen Ökonomen eher als Schlag gegen das weltweite Vertrauen. Der Umfang der Maßnahmen kam überraschend, und laut Knot fehlt jede wirtschaftliche Logik. „Wenn es nicht so ernst wäre, würde ich es fast komisch finden.“
Die USA betrachten das Handelsdefizit pro Land und setzen die Hälfte dieses Betrags in Importzölle um. Knot hält diesen Ansatz für „erschreckend simplistisch“. Die Vorstellung, dass jedes Handelsüberschussproblematisch sei, sei ein Irrtum, den kein Ökonom teile. Handelsbilanzen spiegeln lediglich das Entwicklungsstadium eines Landes wider – Überschüsse oder Defizite sind dabei völlig normal.
Besonders besorgniserregend ist, wer letztlich die Rechnung bezahlt. „Während Trumps erster Amtszeit zeigte sich, dass es der amerikanische Verbraucher war, der die Zeche zahlte.“ „Diesmal wird es nicht anders sein.“ Und da die Inflation in den USA weiterhin hoch ist, prognostiziert Knot, dass die neuen Zölle den Druck nur noch verstärken werden.
Niederländische Wirtschaft spürt den Schlag
Für die Niederlande sind die genauen Folgen noch unklar, da noch nicht bekannt ist, welche Produkte ausgenommen werden. Laut Berechnungen der DNB könnte der wirtschaftliche Schaden in diesem Jahr jedoch einige Zehntelprozentpunkte des Wachstums kosten. Im nächsten Jahr könnte der Verlust sogar bis zu einem ganzen Prozentpunkt betragen. Besonders betroffen wären Branchen wie Stahl, Chemie und Lebensmittelproduktion.
Dennoch sieht Knot in der aktuellen Lage auch strategische Chancen. Der europäische Binnenmarkt ist seiner Meinung nach noch lange nicht optimal. „Der IWF hat errechnet, dass die Hürden zwischen EU-Ländern einem internen Zollsatz von 45 Prozent entsprechen.“ Das ist doppelt so hoch wie die amerikanischen Zölle.
Wenn Europa diese Barrieren abbauen kann, könnte das allein den Niederlanden 70 Milliarden Euro an zusätzlicher wirtschaftlicher Aktivität einbringen. Darin liegt laut Knot die eigentliche Antwort.
Trotzdem ruft er die Europäische Kommission dazu auf, das Gespräch mit Washington zu suchen – nicht mit harten Worten, sondern mit strategischer Geduld. „Zählen Sie bis zehn, halten Sie den Dialog offen.“ „Nur so lässt sich verhindern, dass die Situation weiter eskaliert.“
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