Die Diskussion über den digitalen Euro erreicht einen neuen Höhepunkt in Europa. Einerseits macht die EU große Schritte in Richtung Einführung. Gleichzeitig nehmen die Bedenken über mögliche negative Auswirkungen auf das bestehende Finanzsystem zu, wie massive „Bankruns“.

EU-Minister erreichen Einigung über Grenzen

Während eines Treffens in Kopenhagen erzielten europäische Finanzminister letzte Woche eine Einigung über die Einführung von Grenzen für den Besitz des digitalen Euros. Nach der vorläufigen Vereinbarung dürfen Bürger nicht unbegrenzt diese „E-Euros“ besitzen. Die Europäische Zentralbank (EZB) schlägt eine Obergrenze von 3.000 Euro vor, um Risiken für kommerzielle Banken zu begrenzen.

Dennoch bleibt die genaue Ausgestaltung dieser Grenzen offen. Es wurde vereinbart, dass einzelne Mitgliedstaaten Mitspracherecht bei der Festlegung der endgültigen Höhe haben. Das Abkommen scheint vor allem dazu gedacht, die Märkte zu beruhigen, denn unter der Oberfläche bleiben die Meinungsverschiedenheiten groß.

Digitaler Euro als politische Bruchlinie

In Brüssel wird der digitale Euro als strategisches Projekt präsentiert, um europäische Unabhängigkeit zu erreichen. Dennoch gibt es innerhalb der EU auch heftige Kritik. Der spanische EU-Parlamentarier Fernando Navarrete warnt beispielsweise vor einer Destabilisierung des Finanzsystems und Eingriffen in die Privatsphäre.

Laut Navarrete ist unklar, wie die EZB digitale Zahlungen anonymisieren will und ob Banken nicht massenhaft Kunden an die digitale Währung verlieren. Der Politiker warnt daher vor „digitalen Bankruns“. Damit meint er eine plötzliche Verschiebung von Spareinlagen von kommerziellen Banken zu digitalen Euros. Dies könnte die Liquidität der Banken belasten und im schlimmsten Fall zu Insolvenzen führen.

Strategischer Wettlauf mit China und den USA

Die Frage ist, ob Europa überhaupt noch die Wahl hat, sich nicht an dieser digitalen Revolution zu beteiligen. Der Vormarsch von Dollar-basierten Stablecoins zwingt die EU, eine eigene Alternative zu entwickeln. Die EZB möchte in den kommenden Jahren Schritte unternehmen: Bis 2026 soll die Gesetzgebung rund um den digitalen Euro abgeschlossen sein, mit einer möglichen Einführung im Jahr 2029.

Inzwischen unternimmt auch China Schritte in Richtung monetärer Unabhängigkeit mit der Entwicklung von Yuan-Stablecoins. Das bedeutet eine drastische Kursänderung im Vergleich zum früheren Verbot von Kryptowährungen im Jahr 2021.

Auch Russland arbeitet an einem digitalen Rubel und erwägt die Gründung einer nationalen Kryptobank. Damit kommt auch eine Schattenseite dieser Technologie zum Vorschein. Eine digitale Währung ermöglicht es Regierungen, Transaktionen vollständig zu verfolgen und zu kontrollieren. Im Falle Russlands könnte Putin damit beispiellose Kontrolle über das finanzielle Verhalten von Bürgern und Unternehmen erlangen, ein mächtiges Instrument zur Unterdrückung.

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