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Die chinesische Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal stärker abgekühlt als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 Prozent, wie aus Daten des nationalen Statistikamts hervorgeht. Damit liegt das Wachstum erstmals unter dem offiziellen Zielkorridor von 4,5 bis 5 Prozent.
Die enttäuschenden Zahlen erhöhen den Druck auf die chinesische Regierung, die Konjunktur zusätzlich zu stützen. Anleger richten den Blick deshalb verstärkt auf die Sitzung des Politbüros später in diesem Monat, bei der neue Maßnahmen angekündigt werden könnten.
Ökonomen hatten im Vorfeld mit einem Wachstum von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gerechnet, nachdem die Wirtschaft im ersten Quartal noch um 5 Prozent auf Jahressicht zugelegt hatte. Gegenüber dem Vorquartal lag das Plus bei 0,9 Prozent. Das ist das langsamste Quartalstempo seit mehr als zwei Jahren.
Ganz negativ fällt das Bild dennoch nicht aus. In den ersten sechs Monaten des Jahres wuchs die chinesische Wirtschaft um 4,7 Prozent. Damit bewegt sich das Land weiterhin innerhalb der eigenen Zielspanne.
Nach Einschätzung von Mao Shengyong, stellvertretender Leiter des chinesischen Statistikamts, geht die Abschwächung vor allem auf vorübergehende und externe Faktoren zurück. Er verwies unter anderem auf Störungen im Kohlesektor und betonte, dass die wirtschaftlichen Fundamentaldaten aus Sicht Pekings intakt blieben.
Auch die übrigen Konjunkturdaten zeigen ein gemischtes Bild. Die Einzelhandelsumsätze stiegen überraschend um 1 Prozent, nachdem sie im Mai noch zurückgegangen waren. Die Industrieproduktion legte um 5,3 Prozent zu und übertraf ebenfalls die Erwartungen. Zudem sank die Arbeitslosenquote in den Städten leicht auf 5 Prozent.
Der größte Rückschlag zeigte sich bei den Investitionen. Die Anlageinvestitionen sanken in der ersten Jahreshälfte um 5,7 Prozent. Das war schwächer als von Ökonomen erwartet und markiert eine weitere Verschlechterung gegenüber dem Rückgang von 4,1 Prozent in den ersten fünf Monaten. Die Zahlen nähren die Erwartung, dass Peking in den kommenden Monaten die Staatsausgaben und Infrastrukturinvestitionen ausweiten wird, um das Wirtschaftswachstum zu stützen.
Später in diesem Monat kommt das Politbüro der Kommunistischen Partei zusammen. Im Mittelpunkt dürfte dabei die konjunkturelle Abschwächung stehen.
Viele Ökonomen rechnen nicht unmittelbar mit einem großen neuen Stimuluspaket. Sie erwarten jedoch, dass Peking bereits angekündigte Ausgaben schneller umsetzt, vor allem bei Infrastrukturprojekten.
„Es gibt Spielraum, die Haushaltsausgaben zu beschleunigen und damit Infrastrukturinvestitionen zu unterstützen“, sagt Ding Shuang, Chefökonom für Greater China bei Standard Chartered. Seiner Einschätzung nach wird sich die Regierung vor allem auf die Umsetzung bestehender Pläne konzentrieren.
Ministerpräsident Li Qiang hatte zusätzliche Stützungsmaßnahmen Anfang der Woche nicht ausgeschlossen. Er forderte politische Entscheidungsträger auf, neue wirtschaftspolitische Schritte „vorzubereiten und zu prüfen“, falls die Lage dies erforderlich mache.
Die chinesische Wirtschaft spielt eine zentrale Rolle für die Weltkonjunktur. Schwächeres Wachstum kann Folgen für die Rohstoffnachfrage, den internationalen Handel und die Gewinnaussichten großer Unternehmen haben.
Auch für die Chipbranche sind die Zahlen relevant. China ist ein wichtiger Absatzmarkt für Halbleiterhersteller und Technologieunternehmen. Enttäuschende Investitionsdaten können sich daher auf die weltweite Nachfrage nach Chips auswirken.
Für den Kryptomarkt kann die Nachricht in beide Richtungen wirken. Eine Abkühlung der chinesischen Wirtschaft führt in der Regel zu mehr Zurückhaltung unter Anlegern. Zugleich haben frühere Konjunkturmaßnahmen aus Peking wiederholt zusätzliche Liquidität an den Finanzmärkten geschaffen, wovon letztlich auch risikoreiche Anlagen wie Kryptowährungen profitieren können.
Damit schauen Anleger inzwischen nicht mehr nur auf die nächste Zinssitzung der US-Notenbank Federal Reserve, sondern auch auf die Sitzung des chinesischen Politbüros Ende Juli. Beide Termine könnten für die weltweite Börsenstimmung entscheidend werden.
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