Sechs Tage nach dem Hack von Cetus liegt ein kontroverser Vorschlag auf dem Tisch: Darf ein Blockchain-Protokoll geändert werden, um ohne Erlaubnis Mittel von einem Hacker zurückzuholen? Die Sui-Gemeinschaft (SUI) entscheidet in einer Abstimmung, die nicht nur über 162 Millionen Dollar an Mitteln geht, sondern auch über die Grundlagen der Dezentralisierung.
Abstimmung über Protokoll-Upgrade
Der vorgeschlagene Plan erfordert ein Protokoll-Upgrade, das nur durchgeführt werden kann, wenn die Gemeinschaft zustimmt. Dieses Upgrade würde zwei spezifische Transaktionen erlauben, bei denen Mittel vom Hacker in eine Multisig-Wallet verschoben werden, verwaltet von Cetus, OtterSec (ein Sicherheitsunternehmen) und der Sui Foundation.
Die Abstimmung begann am 27. Mai um 13:00 PT und kann maximal sieben Tage dauern. Der Vorschlag wird nur angenommen, wenn mehr als 50% aller stimmberechtigten Tokens eingesetzt werden und die Mehrheit davon dafür stimmt. Die Sui Foundation selbst nimmt nicht an der Abstimmung teil, um neutral zu bleiben.
Am Mittwochmorgen hatten 37,3% der Tokens dafür gestimmt, ohne Gegenstimme. Die restlichen 62,7% sind noch nicht eingesetzt. Sollte es innerhalb von 48 Stunden eine klare Mehrheit geben, könnte die Abstimmung vorzeitig geschlossen werden.
SUI-Token erholt sich leicht
Trotz des Schocks hat der SUI-Token eine vorsichtige Erholung begonnen. Der Kurs stieg um 6,9% in 24 Stunden auf 3,70 Dollar. Das ist immer noch niedriger als die 4,18 Dollar vor dem Hack, aber höher als das Tief von 3,60 Dollar, das nach dem Hack folgte.
Vollständige Entschädigung möglich
Laut Cetus ermöglicht ein Darlehen der Sui Foundation, alle betroffenen Nutzer vollständig zu entschädigen. Sowohl Bargeld als auch Tokens aus den eigenen Reserven werden eingesetzt, um den Verlust von 162 Millionen Dollar an eingefrorenen Mitteln zu decken. Cetus sprach von „einer vollständigen Deckung aller off-chain Verluste“.
Der Angriff war das Ergebnis einer Schwachstelle im Überlaufschutz. Hacker konnten die Liquidität manipulieren durch einen Fehler in einem Kontrollmechanismus. Das wurde in einer Analyse von Dedaub bestätigt. PeckShield berichtete später, dass 61,5 Millionen Dollar mittlerweile über USDC nach Ethereum verlagert wurden, während der Rest auf Sui feststeht.
Ob die Mittel zurückgeholt werden, hängt nun vollständig von der Stimme der Gemeinschaft ab. In einem Ökosystem, in dem Dezentralisierung oft über allem steht, könnte dieser Vorschlag die Regeln für die Zukunft ändern. Das Ergebnis kann nicht nur die Erholung von Cetus bestimmen, sondern auch zukünftige Ansätze bei Exploits in anderen Netzwerken beeinflussen.
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