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Blockchain wird seit Jahren als eine Technologie angesehen, die das Potenzial hat, den Finanzsektor grundlegend zu verändern. Laut Jenny Johnson, CEO des Vermögensverwalters Franklin Templeton, ist genau das der Grund, warum viele große Finanzinstitute nach wie vor zögerlich sind. Auf einer Konferenz in Paris erklärte sie, dass Blockchain eine direkte Bedrohung für die Gewinnmodelle darstellt, auf denen traditionelle Banken und Finanzintermediäre seit Jahrzehnten fußen.
Die Aussage kommt zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt. Während einige Akteure noch zögern, investiert die Wall Street mittlerweile Milliarden Dollar in Blockchain, Tokenisierung und digitale Vermögenswerte. Dadurch entsteht ein immer größerer Kontrast zwischen Institutionen, die den Wandel annehmen, und solchen, die ihr bestehendes Geschäftsmodell schützen wollen.
Beim Proof of Talk-Event in Paris sprach Johnson bemerkenswert offen über den Widerstand innerhalb der Finanzbranche.
„Diese Technologie gefährdet eine Vielzahl von Geschäftsmodellen, die heute in der traditionellen Finanzwelt existieren“, sagte sie.
Ihren Angaben zufolge verdienen Banken, Broker und andere Finanzakteure noch immer erheblich als Vermittler bei Transaktionen. Blockchain kann einen Großteil dieser Rolle automatisieren. Wenn ein Smart Contract in einem Blockchain-Netzwerk die Abwicklung einer Transaktion direkt übernimmt, entfällt die Notwendigkeit für mehrere Zwischenschritte im Prozess.
Johnson beschrieb diese Akteure als die „Zöllner“ des Finanzsystems. Genau darin liege ihrer Meinung nach der Grund, warum einige große Akteure zögern, öffentliche Blockchains zu nutzen.
Zur Untermauerung ihres Arguments verwies Johnson auf Benji, den tokenisierten Geldmarktfonds von Franklin Templeton.
Der Fonds läuft unter anderem auf dem Stellar-Netzwerk und brachte laut der CEO signifikante Kostenvorteile. Während Transaktionen über die traditionelle Infrastruktur im Durchschnitt etwa 1,30 Dollar pro Transaktion kosteten, sank dieser Wert bei Blockchain auf etwa 1,13 Dollar.
Dieser Unterschied mag gering erscheinen, aber bei Millionen von Transaktionen pro Jahr kann es um enorme Beträge gehen.
Franklin Templeton erweitert unterdessen seine digitale Strategie weiter. Kurz vor Johnsons Auftritt gab das Unternehmen die Zusammenarbeit mit MoonPay bekannt. Institutionelle Anleger können dadurch einfacher zwischen Stablecoins und tokenisierten Geldmarktfonds über einen vollständig onchain Prozess wechseln.
Obwohl Johnson von Zurückhaltung spricht, bewegt sich ein großer Teil der Wall Street mittlerweile in Richtung Blockchain.
BlackRock hat mit seinem Tokenisierungsfonds BUIDL mittlerweile Milliarden Dollar an Vermögenswerten auf die Blockchain gebracht. JPMorgan verarbeitet über seine Kinexys-Plattform täglich Milliarden Dollar an tokenisierten Transaktionen. Auch Goldman Sachs, Citi, State Street und UBS experimentieren aktiv mit der Tokenisierung von Anleihen, Fonds und anderen Finanzprodukten.
Das große Versprechen ist klar: Finanzmärkte, die 24 Stunden am Tag offen sind, nahezu unmittelbare Abwicklung von Transaktionen und deutlich niedrigere Kosten.
Immer mehr Analysten sehen in der Tokenisierung daher einen der größten Wachstumsmärkte im Finanzsektor. Beratungsunternehmen schätzen, dass der Markt für tokenisierte Vermögenswerte im kommenden Jahrzehnt auf mehrere Billionen Dollar anwachsen könnte.
Dennoch erwartet Johnson nicht, dass Banken vollständig verschwinden werden.
Laut ihr wollen die meisten Anleger ihr Vermögen nicht selbst über private Wallets verwalten. Institutionelle und private Investoren haben weiterhin Bedarf an regulierten Parteien, die Vermögenswerte verwahren, Risiken managen und gesetzliche Vorgaben erfüllen.
Blockstream-Gründer Adam Back wies im selben Panel darauf hin, dass Bitcoin (BTC) den Nutzern gerade die Möglichkeit bietet, die volle Kontrolle über ihr Vermögen zu behalten. Johnson glaubt jedoch, dass die Mehrheit der Anleger auf Bequemlichkeit, Regulierung und professionelle Verwahrung setzen wird.
Damit scheint der Streit innerhalb der Wall Street nicht mehr über die Frage zu gehen, ob Blockchain genutzt wird, sondern wer letztendlich von der neuen Infrastruktur profitiert.
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