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Broadcom erlitt am Mittwoch nach Börsenschluss einen herben Rückschlag an der Wall Street. Die Aktie fiel um über 15 Prozent, nachdem der Chiphersteller mit einer Umsatzprognose kam, die die Anleger nicht ausreichend überzeugte.

Das klingt merkwürdig, denn die Prognose übertraf die durchschnittlichen Analystenschätzungen. Broadcom rechnet im laufenden Quartal mit einem Umsatz von 29,4 Milliarden Dollar, während Analysten im Durchschnitt von 28,2 Milliarden Dollar ausgingen. Offenbar war das der Markt nicht genug.
Die Reaktion zeigt, wie hoch die Erwartungen an KI-Aktien mittlerweile sind. Broadcom ist ein wichtiger Akteur in der KI-Infrastruktur und profitiert von der Nachfrage nach speziellen KI-Chips für große Technologieunternehmen.
Das Unternehmen liefert unter anderem maßgeschneiderte KI-Chips an Kunden wie Google, Meta, OpenAI und Anthropic. So hat sich Broadcom neben Nvidia und AMD zu einem der bedeutendsten Namen entwickelt.
Aber nach den enormen Kursanstiegen der letzten Monate war „gut“ einfach nicht mehr genug. Die Anleger wollten eine noch stärkere Anhebung der KI-Erwartungen sehen.
Am Montag notierte Broadcom noch auf einem Rekordhoch von 481,57 Dollar je Aktie. Der gesamte Marktwert des Unternehmens lag damals über 2,3 Billionen Dollar. Die Aktie war innerhalb einer Woche um mehr als 14 Prozent gestiegen und hatte sich stark von der Schwäche Ende März erholt.
Viel Optimismus war damit bereits eingepreist.
Laut Daniel Newman von der Futurum Group legte Broadcom eigentlich ein weiteres starkes Quartal vor. Doch die Marktteilnehmer hatten die Aktie im Vorfeld so stark gekauft, dass Anleger nach den Zahlen Gewinne mitnahmen.
Das ist ein klassisches Beispiel für „buy the rumor, sell the news“. Die Erwartungen lagen weit über der Realität.
Sollte der Kursrückgang nachbörslich Bestand haben, würden etwa 349 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren gehen. Damit würde Broadcom einen der größten eintägigen Wertverluste eines US-Unternehmens verzeichnen.

Das sagt nicht nur etwas über Broadcom aus, sondern vor allem über das Ausmaß der KI-Rally. Große Chipunternehmen sind inzwischen so riesig geworden, dass ein Kursrückgang von 10 bis 15 Prozent sofort Hunderte Milliarden an Marktwert vernichtet.
Der Philadelphia Semiconductor Index, der dreißig große Chipunternehmen verfolgt, gewann in den letzten zwei Monaten mehr als 5 Billionen Dollar an Marktwert. Das zeigt, wie extrem viel Kapital in den Sektor geflossen ist.
Broadcom bekräftigte, dass es für 2027 einen Umsatz von über 100 Milliarden Dollar mit KI-Chips erwartet. Das ist an sich beeindruckend. Dennoch hofften Anleger offenbar, dass CEO Hock Tan diesen Betrag mittlerweile höher einschätzen würde.
Alphabet sammelte diese Woche noch 85 Milliarden Dollar durch eine Rekordemission ein, um seine KI-Pläne zu finanzieren. Das zeigt, dass die Investitionswelle gewaltig ist, aber auch, dass selbst die größten Unternehmen immer mehr Kapital benötigen.
Der Rückgang bei Broadcom ist daher ein wichtiges Warnsignal. Nicht, weil der KI-Trend vorbei ist, sondern weil die Erwartungen an einige Aktien extrem hoch geworden sind.
Wenn Unternehmen nur noch für enorme Aufwärtsüberraschungen belohnt werden, wird der Markt anfällig. Dann kann ein gutes Quartal dennoch zu starken Kursverlusten führen, wenn die Anleger auf noch bessere Ergebnisse gehofft hatten. Das haben wir jetzt bei Broadcom gesehen.
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