Laut Informanten hat der chinesische Präsident Xi Jinping in seinem Gespräch mit Donald Trump gesagt, dass Wladimir Putin seine Invasion in die Ukraine letztlich bereuen könnte. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf Personen, die mit der amerikanischen Bewertung des Gipfels in Peking vertraut sind.
Die Aussage ist bemerkenswert, da sich China seit Kriegsbeginn gegenüber Russland vorsichtig verhält. Peking hat die Invasion nie deutlich verurteilt und präsentiert sich oft als neutraler Akteur, während es gleichzeitig wirtschaftlich und diplomatisch Moskau nahe bleibt.
Xi geht offenbar weiter als zuvor
Laut Beteiligten ging Xi mit seiner Bemerkung weiter als in früheren Gesprächen mit Joe Biden. Damals sprachen die Führer laut Quellen zwar „offen und direkt“ über Russland und die Ukraine, Xi gab jedoch keine klare Einschätzung zu Putin oder dessen Krieg.
Das macht diese Aussage interessant. China hat ein Interesse daran, Russland nicht offen zu kritisieren, möchte aber auch verhindern, dass es völlig in die Kosten von Putins Krieg hineingezogen wird.
Der Zeitpunkt ist zudem heikel. Putin reist diese Woche nach China für Gespräche mit Xi. Das geschieht vier Tage, nachdem Xi Trump in Peking empfing.
“No-limits”-Beziehung unter Druck
Putin begann seine groß angelegte Invasion in die Ukraine im Februar 2022, nur wenige Wochen nachdem Russland und China ihre sogenannte „No-limits“-Partnerschaft angekündigt hatten.
Seitdem ist die Beziehung zwischen China und Russland wichtiger, aber auch komplizierter geworden. Russland ist abhängiger von China geworden, während Peking vorsichtig balanciert. China möchte von billiger russischer Energie und geopolitischer Zusammenarbeit profitieren, will aber gleichzeitig westliche Sanktionen und Reputationsschäden vermeiden.
Falls Xi tatsächlich gesagt hat, dass Putin bereuen könnte, kann das als Signal gelesen werden, dass Peking den Krieg zunehmend als strategische Belastung sieht.
Trump strebt Zusammenarbeit gegen den IStGH an
Im selben Gespräch soll Trump vorgeschlagen haben, dass die Vereinigten Staaten, China und Russland gegen den Internationalen Strafgerichtshof zusammenarbeiten. Laut Informanten sagte Trump, dass die drei Länder in diesem Punkt gemeinsame Interessen hätten.
Die Regierung Trump hat sich vehement gegen den IStGH gestellt. Washington wirft dem Gericht Politisierung, Machtmissbrauch und eine Beeinträchtigung der amerikanischen Souveränität vor.
Dieser Teil des Gesprächs zeigt, wie ungewöhnlich die geopolitischen Verhältnisse geworden sind. Während die USA mit China über Russland und die Ukraine sprechen, sucht Trump in einigen Punkten gerade nach gemeinsamen Interessen mit Peking und Moskau.
Ukraine verändert Kriegsführung
Der Krieg in der Ukraine steckt mittlerweile seit Jahren in einem Abnutzungskampf fest. Laut amerikanischen und europäischen Politikern hat die Ukraine die moderne Kriegsführung durch den großflächigen Einsatz von Drohnen grundlegend verändert.
Diese Drohnen ermöglichen es Kiew, russische Truppen, Infrastruktur und Ziele weit hinter der Frontlinie anzugreifen. Am vergangenen Wochenende führte die Ukraine erneut Drohnenangriffe auf Ziele bei Moskau durch, nachdem Russland zuvor einen großen Luftangriff auf Kiew ausgeführt hatte.
China blickt auf die Kosten eines langen Krieges
Für China dreht sich der Krieg nicht nur um Russland und die Ukraine, sondern auch um die breitere Weltordnung. Ein langwieriger Krieg beschäftigt Europa und die USA, sorgt aber auch für wirtschaftliche Unsicherheit, höhere Verteidigungsausgaben, Energieprobleme und Druck auf den Welthandel.
Xis angebliche Bemerkung passt daher in ein größeres Bild. China unterstützt Russland weiterhin dort, wo es strategisch sinnvoll ist, scheint aber auch zu erkennen, dass Putins Krieg immer teurer und riskanter wird.
Die Botschaft ist subtil, aber bedeutend. Peking möchte nicht offen mit Moskau brechen, scheint aber zu begreifen, dass die Invasion in die Ukraine für Putin letztlich eine historische Fehlentscheidung sein könnte.
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