Innerhalb weniger Stunden sind rund 140 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung am Kryptomarkt vernichtet worden. Bitcoin (BTC) brach deutlich ein und riss den Rest des Marktes mit nach unten. Anleger fragen sich, was diesen plötzlichen Absturz ausgelöst hat. Analysten verweisen auf mehrere mögliche Ursachen.

Darum ist der Kryptomarkt derzeit besonders anfällig

Auslöser des jüngsten Crashs ist nach Ansicht des Analysten Sykodelic die einseitige Positionierung an den Derivatemärkten, an denen Händler auf Kursbewegungen spekulieren. Das Open Interest (OI), also die Summe aller offenen Kontrakte, liegt auffallend hoch, während immer mehr Marktteilnehmer auf fallende Kurse setzen.

Diese Entwicklung sorgt für einen angespannten Markt, in dem Kursbewegungen schneller verstärkt werden können. Laut dem Analysten könnte dies zur „Mutter aller Short Squeezes“ führen.

Ein Short Squeeze entsteht, wenn der Kurs eines Vermögenswerts unerwartet steigt, während viele Händler auf einen Rückgang gewettet haben. Diese Short-Seller sind dann gezwungen, ihre Positionen einzudecken, was zusätzliche Kaufnachfrage auslöst und den Preis in kurzer Zeit stark nach oben treiben kann.

Massive Liquidationen drücken den Ethereum-Kurs

Die Abwärtsbewegung wird dadurch verstärkt, dass eine große Zahl an Long-Positionen liquidiert wurde. Bei fallenden Kursen werden diese Positionen automatisch geschlossen, was weiteren Verkaufsdruck erzeugt. Laut Daten der Analyseplattform Coinglass entfielen in den vergangenen 24 Stunden die meisten Liquidationen auf Ethereum (ETH).

Bei ETH wurden Long-Positionen im Wert von 207 Millionen Dollar liquidiert, gegenüber lediglich 21 Millionen Dollar auf der Short-Seite. Bei Bitcoin zeigt sich ein ähnliches Bild: Insgesamt wurden Longs im Umfang von 188 Millionen Dollar ausgelöst, während Short-Positionen von 18,3 Millionen Dollar betroffen waren.

Die große Zahl liquidierter Ethereum-Longs spiegelt sich auch in der Kursentwicklung wider. ETH verlor in den vergangenen 24 Stunden 6,2 Prozent und damit deutlich mehr als Bitcoin, das im gleichen Zeitraum 2,5 Prozent einbüßte.

Fehlende Liquidität schürt die Volatilität

Analyst Daan Crypto Trades warnt auf X, der Markt sei derzeit richtungslos und leide unter einem Mangel an Liquidität. Das begünstigt abrupte Kursbewegungen, die immer häufiger auftreten und auch als „Bart Moves“ bezeichnet werden. 

Bart Moves sind plötzliche Kursausschläge, bei denen der Preis schnell steigt oder fällt und anschließend ebenso rasch in die Ausgangszone zurückkehrt. Nach Einschätzung des Analysten nutzen große Marktteilnehmer diese Situation aus, um schwache Positionen aus dem Markt zu drängen und den Kurs künstlich zu beeinflussen.

Auf der anderen Seite verweist Analyst NoLimit auf neue Maßnahmen in China, wo erneut strengere Regeln für das Bitcoin-Mining eingeführt wurden. In der Region Xinjiang seien seinen Angaben nach rund 400.000 Miner gleichzeitig vom Netz gegangen, was zu einem Rückgang der Netzwerk-Hashrate geführt habe. Laut NoLimit sorgte dies für unmittelbaren Verkaufsdruck, da Miner Reserven veräußern mussten, um ihre Kosten zu decken.

Stehen wir vor einem Bärenmarkt?

Nach Einschätzung des erfahrenen Analysten Peter Brandt wird es nicht bei dem aktuellen Rückgang bleiben. Er verweist darauf, dass Bitcoin seinen parabolischen Aufwärtstrend gebrochen hat – ein Signal, das in früheren Zyklen stets zu Korrekturen von mehr als 80 Prozent führte.

Brandt warnt, die Geschichte könne sich wiederholen und der Kurs noch deutlich weiter fallen. Ein Rückgang um 20 Prozent vom aktuellen Hoch würde den Bitcoin-Preis bereits in Richtung 25.000 Dollar drücken, so seine Einschätzung.

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