Vertreter rund um Donald Trumps sogenanntes „Board of Peace“ prüfen die Möglichkeit, einen an den Dollar gekoppelten Stablecoin in Gaza einzuführen. Dies berichten mehrere an den Gesprächen Beteiligte.

Der Plan befindet sich noch in einer frühen Phase, wird jedoch als potenzielle Möglichkeit angesehen, der stark beeinträchtigten Wirtschaft des palästinensischen Gebiets neues Leben einzuhauchen.

Die digitale Währung wäre an den US-Dollar gekoppelt und soll Zahlungen in Gaza einfacher und sicherer machen. Insider betonen, dass es sich dabei ausdrücklich nicht um eine neue palästinensische Währung handelt, sondern um ein digitales Zahlungsmittel, das Transaktionen ermöglicht, da das traditionelle Bankensystem weitgehend ausgefallen ist.

Stablecoin als Alternative für zusammengebrochenes Bezahlsystem

Seit Beginn des Krieges zwischen Israel und Hamas im Jahr 2023 ist die wirtschaftliche Infrastruktur in Gaza stark beschädigt. Geldautomaten wurden zerstört oder sind außer Betrieb, und der Nachschub an neuem Bargeld ist stark eingeschränkt. Dadurch ist die Verfügbarkeit physischer Schekel gesunken.

Obwohl die Palestine Monetary Authority als Zentralbank sowohl für das Westjordanland als auch für Gaza fungiert, hat sie nicht die Befugnis, eine eigene Währung herauszugeben. In der Praxis ist der israelische Schekel das wichtigste Zahlungsmittel. Aufgrund des Bargeldmangels erhielten Händler und Zwischenpersonen zunehmend die Kontrolle über die Verteilung von Bargeld, oft gegen hohe Gebühren.

Eine digitale Lösung soll dieses Problem umgehen. Der angestrebte Stablecoin, eine Art Kryptowährung, deren Wert an eine traditionelle Währung gekoppelt ist, würde Transaktionen ohne Abhängigkeit von physischem Geld ermöglichen. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann sich mit der Funktionsweise von Stablecoins auseinandersetzen.

Board of Peace und internationale Beteiligung

Das Projekt wird von dem israelischen Technologieunternehmer Liran Tancman geleitet, der als unbezahlter Berater beim Board of Peace tätig ist. Auch Mitglieder der neuen palästinensischen technokratischen Verwaltungsstruktur in Gaza, dem National Committee for the Administration of Gaza, sind in die Gespräche eingebunden. Darüber hinaus spielt das Büro des Hohen Vertreters für Gaza eine Rolle im breiteren Wiederaufbauplan.

Bei einem Treffen in Washington sprach Tancman über die Entwicklung eines „sicheren digitalen Rückgrats“ für Gaza. Diese Plattform soll elektronische Zahlungen, Finanzdienstleistungen, E-Learning und Gesundheitsversorgung unterstützen und den Nutzern die Kontrolle über ihre eigenen Daten ermöglichen.

Laut einem US-amerikanischen Funktionär werden alle Optionen geprüft, um die Wirtschaft in Gaza schnell zu beleben. Die USA haben bereits zuvor auf eine breitere Nutzung von dollar-gestützten Stablecoins gedrängt.

Bedenken über politische und technische Folgen

Nicht alle sind überzeugt. Einige Beteiligte befürchten, dass ein separater Stablecoin für Gaza die wirtschaftlichen Beziehungen zum Westjordanland erschweren könnte. Wenn beide Gebiete unterschiedliche Bezahlsysteme nutzen, könnte dies eine zukünftige Integration komplizierter machen.

Es gibt auch praktische Hindernisse. Gaza hat regelmäßig mit Stromausfällen zu kämpfen und verfügt größtenteils über ein veraltetes 2G-Netzwerk. Tancman zufolge muss dieses Netzwerk bis Juli mit schnellem Zugang zu essentiellen digitalen Diensten aufgerüstet werden.

Eine andere Quelle gibt an, dass die Reduzierung von Bargeld auch dazu dienen soll, den finanziellen Spielraum für Hamas einzuschränken. Digitale Transaktionen über einen Stablecoin sind für Nutzer anonym, bleiben jedoch prinzipiell für Aufsichtsbehörden nachvollziehbar.

Über die genaue Regulierung, den Zugang und die technische Umsetzung ist noch nichts endgültig entschieden. Die kommende Zeit muss zeigen, ob der Plan tatsächlich als Teil des Wiederaufbaus von Gaza umgesetzt wird.

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