Die Finanzmärkte stehen diese Woche ganz im Zeichen neuer Importzölle, die Donald Trump gegen mehrere europäische Länder angekündigt hat. Die Maßnahme markiert eine neue Phase im globalen Handelskrieg, in der Europa plötzlich im Mittelpunkt steht.

Auffällig ist das geopolitische Ziel, das Trump mit den Zöllen verfolgt: die Übernahme Grönlands. Diese Ankündigung passt nahtlos in ein Muster, das Anleger inzwischen nur zu gut kennen.

Handelskrieg verlagert sich von China nach Europa

Trump kündigte Importzölle von zehn Prozent auf Produkte aus unter anderem Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden und Finnland an. Die Zölle sollen Anfang Februar in Kraft treten und einige Monate später auf fünfundzwanzig Prozent erhöht werden, es sei denn, es wird eine Einigung über den Verkauf Grönlands an die Vereinigten Staaten erzielt.

Laut Trump soll es sich dabei um einen vollständigen und endgültigen Kauf handeln. Damit verlagert sich der Handelskrieg, der zuvor vor allem auf China fokussiert war, nun deutlich Richtung Europa. Der Zeitpunkt der Ankündigung ist alles andere als zufällig. Trump verkündete die Neuigkeiten am Wochenende, zu einem Zeitpunkt, an dem die Finanzmärkte geschlossen sind. Dies verstärkt den psychologischen Effekt auf Anleger und setzt Länder unter Druck, schnell zu reagieren, bevor die Märkte wieder öffnen.

Das vorhersehbare Zoll-Playbook von Trump

Laut einer ausführlichen Analyse des Kobeissi Briefs folgt Trump damit einem festen Muster, das inzwischen als Zoll-Playbook bekannt ist.

Dieses Muster beginnt oft mit einer Drohung gegen Ende der Woche, gefolgt von einer offiziellen Ankündigung am Wochenende. Sobald die Futures-Märkte am Sonntagabend öffnen, reagieren Anleger emotional und die Kurse fallen. In den folgenden Tagen erholt sich der Markt meist, sobald klar wird, dass die Zölle erst später in Kraft treten und Spielraum für Verhandlungen bleibt.

Oft folgt Mitte der Woche eine Erholungsrally, wenn Schnäppchenjäger einsteigen und professionelle Anleger ihre Positionen einnehmen. Am darauffolgenden Wochenende tauchen Berichte über diplomatische Gespräche auf, die erneut für Optimismus sorgen, sobald die Futures öffnen. Doch dieser Optimismus verfliegt regelmäßig bei der Eröffnung der regulären Börsen am Montag.

Analysten weisen darauf hin, dass diese Struktur seit 2025 auffallend häufig aufgetreten ist, stets mit ähnlichen Marktbewegungen.

Frühere Erfolge machen Strategie glaubwürdig

Trump wandte diese Taktik zuvor im Handelskonflikt mit China an. Im Oktober letzten Jahres kündigte er einen Importzoll von hundert Prozent auf chinesische Produkte an. Die Märkte reagierten erschrocken, aber letztlich kam es zu einer Einigung, bei der China Exportbeschränkungen auf seltene Erden aufhob. Die Zölle wurden nie tatsächlich eingeführt.

Dieser Ansatz erwies sich als effektiv. Durch maximalen Druck ohne sofortige Umsetzung konnte Trump wirtschaftliche und politische Zugeständnisse erzwingen. Laut Marktkennern ist das auch jetzt das Ziel. Die Zölle sind das Mittel, nicht das Endziel.

Grönland erhöht Risiko eines langwierigen Konflikts

Dennoch ist der Einsatz dieses Mal anders. Die Übernahme Grönlands ist geopolitisch weitreichender als frühere Forderungen zu Handelsbeschränkungen oder Marktzugang. Dadurch besteht die Möglichkeit, dass dieser Konflikt länger dauert als frühere Handelsstreitigkeiten.

Gleichzeitig werden Anleger immer besser darin, das Muster zu erkennen. Wer das Playbook versteht, kann laut Analysten besser auf die Volatilität reagieren, die solche Ankündigungen verursachen.

Steigende Anleiherenditen erhöhen Druck auf Märkte

Inzwischen sind die Renditen der zehnjährigen US-Anleihen auf das höchste Niveau seit September gestiegen. Für Trump sind das schlechte Nachrichten. Höhere Renditen bedeuten weniger Liquidität für Finanzmärkte und risikoreiche Anlagen.

Das macht es umso wahrscheinlicher, dass Trump die Märkte bewusst unter Druck setzt, um Bewegung zu erzwingen. Die kommenden Wochen werden voraussichtlich von erhöhter Volatilität, öffentlichen Drohungen und diplomatischen Signalen geprägt sein, die dem Zoll-Playbook erneut folgen.

Für Anleger bleibt eines zentral: Wer den Prozess rational verfolgt und sich nicht von Emotionen leiten lässt, kann gerade in dieser unruhigen Phase Chancen erkennen.

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