Ist der jüngste Rückgang von Bitcoin (BTC) der Beginn eines neuen, tiefen Bärenmarktes? Laut Tom Lee, Gründer von Fundstrat, ist das zu kurz gedacht. Was wir derzeit erleben, bezeichnet er nicht als strukturellen Einbruch, sondern als „crypto squall“: einen vorübergehenden Sturm, ausgelöst durch makroökonomische Schocks statt durch fundamentale Schwächen.

Makroökonomische Unruhen belasten die Märkte

Die jüngste Volatilität fiel mit einem Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA zusammen, das einen Großteil der Notzölle von Präsident Donald Trump für ungültig erklärte. Zunächst sorgte das für Erleichterung an den Märkten. Investoren sahen Grenzen der Exekutivmacht und eine mögliche Verringerung der Handelsrisiken.

Diese Erleichterung war jedoch nur von kurzer Dauer. Trump reagierte mit neuen Importzöllen von 15 Prozent auf einer anderen rechtlichen Grundlage. Das schürte erneut Unsicherheit und führte zu einer klassischen Risk-off-Bewegung.

Sichere Häfen profitierten. Der Goldpreis stieg auf über 5.160 Dollar je Feinunze, während Silber in Richtung 88 Dollar zulegte. Bitcoin hingegen fiel unter 65.000 Dollar und der gesamte Kryptomarkt verlor innerhalb eines Tages mehr als 100 Milliarden Dollar an Marktwert.

Fünfzigprozentiger Rückgang: historisch nicht einzigartig

Lee, gleichzeitig Vorsitzender des weltweit größten Ethereum-Reserveunternehmens Bitmine, weist darauf hin, dass Bitcoin in der Vergangenheit häufiger Korrekturen von etwa 50 Prozent durchlaufen hat. In einigen Fällen folgte darauf ein tiefer Bärenmarkt, in anderen Situationen war es eine Zwischenphase innerhalb eines längeren Bullenmarktes.

Ihm zufolge unterscheidet sich diese Phase von früheren Hochs. Es gab keine überschwängliche Euphorie an der Spitze, sondern vielmehr eine schrittweise Abkühlung. Das führt in der Regel nicht zu einem plötzlichen Einbruch von 70 Prozent, sondern zu einem langsameren, psychologisch belastenden Prozess sinkender Kurse.

„Wir befinden uns im klassischen Bärenmarkt-Blues,“ sagt Lee. Keine Panikexplosion, sondern ein langwieriger Erholungsprozess.

Laut Lee bleiben die Fundamentaldaten intakt

Was Lee optimistisch stimmt, sind die zugrunde liegenden Entwicklungen. Er verweist auf das starke Wachstum der täglichen Aktivität auf Ethereum, die Beschleunigung der Tokenisierung und die weitere Integration von Krypto in die Strukturen der Wall Street.

Ihm zufolge wird Krypto derzeit teilweise von der starken Performance von Gold überschattet. Kapital, das normalerweise spekulativere Anlagen suchen würde, fließt derzeit in Edelmetalle. Dennoch sieht er darin keinen Beweis für strukturelle Schwäche bei Bitcoin und Krypto.

Zudem könnte die Geldpolitik eine Rolle spielen. Sollten höhere Zinsen das Wirtschaftswachstum bremsen und der Arbeitsmarkt schwächer werden, könnte die Federal Reserve mehr Spielraum für Zinssenkungen haben. Niedrigere Zinsen schaffen traditionell ein günstiges Umfeld für risikoreiche Anlagen, einschließlich Bitcoin.

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