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Die südkoreanische Börse steht kurz davor, den weltweiten Rekordgewinn von 76 Prozent aus dem Jahr 2025 zu übertreffen. Und das, obwohl 2026 noch keine fünf Monate alt ist.

Der Kospi, der wichtigste Börsenindex Südkoreas, stieg am Mittwoch um 6,5 Prozent. Damit beläuft sich der Gewinn seit Jahresbeginn inzwischen auf 75 Prozent. Es war zudem bereits der achte Handelstag im Jahr 2026, an dem der Index um mehr als 5 Prozent höher schloss. Im gesamten Jahr 2025 geschah dies nur einmal.

Auch ausländische Investoren steigen weiterhin massiv ein. Allein am Mittwoch wurden südkoreanische Aktien im Wert von über 2 Milliarden Dollar gekauft. Damit näherte sich das Handelsvolumen dem Rekordniveau, das im Oktober erreicht wurde.

Die enorme Börsenrally dreht sich vor allem um ein Thema: Künstliche Intelligenz. Südkoreanische Tech-Unternehmen wurden jahrelang von internationalen Investoren unterschätzt, erfahren nun jedoch eine deutliche Neubewertung. Ihre entscheidende Rolle innerhalb der globalen AI-Lieferkette macht sowohl ihre Technologie als auch ihre Aktien plötzlich äußerst begehrt.

AI-Hype treibt südkoreanische Chiphersteller auf Rekordhöhen

„In diesem Markt steckt noch immer enorm viel Kraft“, sagt Chan H. Lee, Partner beim Hedgefonds Petra Capital Management in Seoul. „Es ist nicht mehr nur eine südkoreanische Geschichte, sondern ein globaler AI-Zyklus. Der wahre Wert von Unternehmen wie Samsung Electronics wird endlich anerkannt.“

Vor allem Hersteller von Speicherchips gehören derzeit zu den begehrtesten Aktien weltweit. Aufgrund des begrenzten Angebots und der explosiven Nachfrage nach AI-Technologie erwarten Investoren, dass diese Unternehmen weiter wachsen, selbst wenn die Weltwirtschaft sich verlangsamt. Die Aktien von Samsung Electronics und SK Hynix haben sich in diesem Jahr mehr als verdoppelt und bereits mehrere Rekordstände erreicht. Dennoch glauben Analysten, dass weitere Kursanstiege möglich sind, auch dank der anhaltend starken Nachfrage nach Chips und relativ niedrigen Bewertungen.

Präsident Lee will Aktienmarkt attraktiver machen

Die Rally an der südkoreanischen Börse erhält zudem Unterstützung von Präsident Lee Jae Myung. Er will Aktien eine viel größere Rolle im Vermögen südkoreanischer Haushalte einräumen und setzt daher auf Reformen, die die Unternehmensführung verbessern und den Aktionären mehr Rendite bringen sollen.

Auch die steigenden Spannungen im Iran beeinflussen den Markt. Die höheren Ölpreise bergen zwar zusätzliche Risiken für einige Sektoren, doch das Konflikt lenkt gleichzeitig erneut die Aufmerksamkeit auf die starke internationale Position südkoreanischer Schiffsbauer und Rüstungsunternehmen. Diese Unternehmen haben in den letzten Jahren relativ unbemerkt einen wichtigen Wettbewerbsvorsprung erarbeitet.

Zweifel nach explosiver Börsenrally nehmen zu

Obwohl sich mehrere positive Entwicklungen überschneiden, wachsen zugleich die Zweifel, wie lange die Rally noch anhalten kann. Der Kospi schloss am Mittwoch bei 7.384,56 Punkten und liegt damit deutlich über der 5.000-Punkte-Marke, die Präsident Lee letztes Jahr während seiner Wahlkampagne noch als ehrgeiziges Ziel bezeichnete. Mittlerweile rückt sogar das Kursziel von 8.000 Punkten, das die Investmentbank Goldman Sachs für Ende 2026 prognostizierte, schnell näher.

Doch nicht die gesamte Börse profitiert von der Aufwärtsbewegung. Von den 835 Aktien im Kospi schlossen am Mittwoch mehr als 600 im Minus. Dies zeigt, wie schmal die Rally in Wirklichkeit ist: Nur eine kleine Anzahl großer Unternehmen zieht den Index nach oben.

Auch Leerverkäufer, Investoren, die auf Kursrückgänge setzen, werden zunehmend aktiver. Laut Ihor Dusaniwsky, Leiter der prognostischen Analysen bei S3 Partners, rechnen sie damit, dass nach dem außerordentlich schnellen Anstieg der letzten Monate eine Korrektur nahezu unvermeidlich ist.

Analysten warnen vor steigenden Risiken

„Von diesem Niveau aus würde ich vorsichtig werden, da die makroökonomische Umgebung die Rally nicht mehr vollständig unterstützt“, sagt Jung In Yun, CEO von Fibonacci Asset Management Global. „Der Markt stützt sich zunehmend auf das Gewinnwachstum einer kleinen Anzahl von Halbleiterunternehmen. Wenn die weltweite Liquidität weiter abnimmt oder die Erwartungen an AI-Investitionen abkühlen, könnte die Volatilität schnell zurückkehren. Besonders jetzt, da die Rally so stark konzentriert ist.“

Dennoch sehen viele Analysten weiterhin ausreichend Gründe für weitere Kursanstiege. Für Unternehmen im Kospi-Index wird in den kommenden zwölf Monaten ein Gewinnwachstum von über 200 Prozent erwartet. Dabei bleiben die Bewertungen relativ niedrig. Samsung Electronics wird derzeit zu etwa sechsfachen erwarteten Jahresgewinnen gehandelt, während SK Hynix bei 5,3-fach notiert. Zum Vergleich: Das amerikanische Nvidia wird zu etwa 22-fachen erwarteten Gewinnen gehandelt.

Laut Stanley Tang, leitender Portfoliomanager bei Sumitomo Mitsui DS Asset Management, profitiert der südkoreanische Markt derzeit von mehreren starken Trends gleichzeitig. „Die Gewinne der Speicherchip-Hersteller erreichen Rekordniveaus dank der enormen Nachfrage nach AI-Technologie“, sagt er. „Darüber hinaus profitieren südkoreanische Schiffsbauer von einem starken Branchenzyklus und relativ niedrigen Stahlpreisen.“

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