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Der Silberpreis hat erstmals in der Geschichte die Marke von 90 Dollar pro Unze überschritten. Damit entbrennt die Debatte über einen möglichen weiteren Anstieg in Richtung 100 Dollar. Analysen zufolge sind nicht Spekulationen, sondern strukturelle Engpässe und strategische Nachfrage die treibenden Kräfte hinter der Rally.
Diese Woche wurden die Spannungen sichtbar, als die United States Mint unerwartet entschied, den Verkauf von Sammlersilbermünzen vorübergehend einzustellen. Der Grund: extreme Volatilität und die Unfähigkeit, Produkte zuverlässig zu bewerten. Auf dem Markt wird dies als klares Anzeichen dafür gesehen, dass die physische Silbermarktlage unter erheblichem Druck steht.
Händler und Analysten betonen, dass keine klassische spekulative Blase vorliegt. Vielmehr stockt gerade die Verfügbarkeit von physischem Silber. Die Prämien auf Silbercoins und Barren sind stark angestiegen, während die Lieferung zunehmend schwieriger wird.
Marktanalysten machen darauf aufmerksam, dass das Papier-Futures-Geschäft, in dem deutlich mehr Silber gehandelt wird als physisch verfügbar ist, sich zunehmend von der echten Marktlage entfernt. Anpassungen der Margin-Anforderungen durch die Chicago Mercantile Exchange haben den Anstieg nicht gebremst, sondern vielmehr zusätzlichen Druck auf Short-Positionen ausgeübt. Höhere Margins verteuern das Halten von Hebelpositionen und zwingen zu einer schnelleren Reduzierung.
Sowohl Silberproduzenten als auch langfristige Investoren sehen die aktuelle Situation nicht als überraschend. Über Jahrzehnte hinweg war der Markt von einem strukturellen Mangel an physischem Metall geprägt, dem riesige Mengen an Papieransprüchen gegenüberstehen. Schätzungen zufolge zirkulieren Milliarden Unzen an Versprechen, während nur ein Bruchteil an tatsächlich verfügbarem Silber existiert.
Dieses Ungleichgewicht wird durch die steigende industrielle Nachfrage verstärkt. Silber ist unverzichtbar in Bereichen wie Solarenergie, Verteidigung, Halbleiter und KI-Infrastruktur. Gleichzeitig wächst das Interesse strategischer Akteure, darunter Regierungen und große institutionelle Investoren.
Analysten, darunter von Citigroup, halten es für möglich, dass der Silberpreis in den kommenden Monaten die 100-Dollar-Marke erreicht. Auch innerhalb der Branche wird diese Meinung geteilt. Keith Neumeyer, CEO von First Majestic Silver, sieht eine weitere Beschleunigung als realistisch an, da das Angebot strukturell hinter der Nachfrage zurückbleibt.
Der jüngste Kurssprung fällt mit breiteren Anzeichen finanzieller Spannungen zusammen. So wies JPMorgan Chase kürzlich auf verschobene Anleiheemissionen, einen abkühlenden Arbeitsmarkt und wachsende Unternehmensschulden hin. Entwicklungen, die historisch oft mit einem Fluchtverhalten in harte Vermögenswerte wie Silber einhergehen.
Laut Analysten ist die Silberrally daher nicht lediglich eine Preisexplosion, sondern ein Symptom tieferliegender Spannungen. Die Kombination aus physischer Knappheit, strategischer Nachfrage und einem stark aus dem Gleichgewicht geratenen Papiermarkt macht die Lage anfällig.
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