Die russische Regierung will die Gesetzgebung für Kryptowährungen beschleunigen. Laut dem Finanzministerium und der Zentralbank geben russische Bürger täglich etwa 50 Milliarden Rubel für digitale Coins aus. Das entspricht rund 648 Millionen Dollar pro Tag und mehr als 10 Billionen Rubel (etwa 129 Milliarden Dollar) pro Jahr.

Diese Zahlen wurden von Vizefinanzminister Iwan Tschebeskow während der Alfa Talk-Konferenz über digitale Vermögenswerte geteilt. Ihm zufolge ist der Kryptomarkt in Russland mittlerweile so groß, dass eine Regulierung nicht länger aufgeschoben werden kann.

Millionen Russen aktiv im Kryptobereich

Tschebeskow betonte, dass Millionen russische Bürger in den Handel mit Kryptowährungen involviert sind. Dabei handelt es sich um beträchtliche Ersparnisse, die größtenteils außerhalb der offiziellen Finanzaufsicht liegen.

Dem Vizefinanzminister zufolge erfolgt der jährliche Kryptoumsatz von mehr als 10 Billionen Rubel derzeit außerhalb des regulierten Bereichs. Das bedeutet, dass Transaktionen über nicht regulierte Plattformen abgewickelt werden und außerhalb der direkten Sicht der Aufsichtsbehörden bleiben.

Kryptowährungen, wie Bitcoin, sind digitale Zahlungsmittel, die ohne Zwischenhändler wie Banken gehandelt werden können. Gerade diese dezentrale Struktur erschwert es den Regierungen, die Kontrolle zu behalten.

Sanktionen und internationaler Druck

Die wachsende Nutzung von Kryptowährungen in Russland findet vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Sanktionen der USA und der Europäischen Union statt. Brüssel hat kürzlich Bedenken geäußert, dass Krypto genutzt werden könnte, um Sanktionen zu umgehen.

Laut Berichten der Financial Times will die Europäische Union sogar prüfen, ob alle Kryptowährungstransaktionen mit Russland im Rahmen eines neuen Sanktionspakets verboten werden können. Ob Krypto tatsächlich im großen Stil zur Umgehung von Sanktionen eingesetzt wird, bleibt umstritten.

Vom Verbot zum regulierten Markt

Bemerkenswert ist, dass die russische Zentralbank früher ein vollständiges Verbot von Kryptowährungen befürwortete. Ende Dezember stellte die Bank jedoch einen neuen Vorschlag vor, der regulierten Kryptohandel ermöglicht.

Im Vorschlag wird zwischen professionellen (qualifizierten) und nicht-professionellen Anlegern unterschieden:

  • Nicht-professionelle Anleger dürfen maximal 300.000 Rubel pro Jahr (etwa 3.800 Dollar) in Kryptowährungen halten.
  • Professionellen Anlegern wird ein breiterer Zugang zum Markt gewährt, mit Ausnahme sogenannter Privacy-Coins, die zusätzliche Anonymität bieten.

Mit diesem Ansatz will die russische Regierung den Kryptomarkt legalisieren, während die Risiken für Privatanleger begrenzt und die Aufsicht verstärkt werden sollen.

Gesetzgebung möglicherweise während der Frühjahrssitzung

Wladimir Tschistjuchin, erster stellvertretender Vorsitzender der russischen Zentralbank, äußerte die Hoffnung, dass die neue Kryptogesetzgebung während der Frühjahrssitzung der Staatsduma verabschiedet wird. Dies ist die erste der beiden jährlichen parlamentarischen Sitzungsperioden in Russland.

Laut Tschistjuchin würde die Verabschiedung des Gesetzes eine Übergangsphase einleiten, in der Marktteilnehmer Lizenzen beantragen und interne Verfahren anpassen können. Damit würde ein wesentlicher Teil des russischen Kryptomarktes offiziell reguliert.

Krypto in Russland erreicht neue Phase

Mit einem täglichen Umsatz von Hunderten Millionen Dollar hat sich Kryptowährung in Russland zu einem festen Bestandteil des Finanzwesens entwickelt. Die jüngsten Zahlen unterstreichen, dass digitale Vermögenswerte keine Nischenmärkte mehr sind.

In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob es Russland gelingt, durch neue Regulierung mehr Kontrolle über den schnell wachsenden Kryptosektor zu erlangen, während internationaler Druck und Sanktionen zunehmen.

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