Die Zentralbank der Russischen Föderation prüft Berichten zufolge, ob die strengen Kryptovorschriften gelockert werden können. Aufgrund der harten Sanktionen, die das Land seit der Invasion in die Ukraine 2022 treffen, wird es für Russland zunehmend schwieriger, internationale Zahlungen in traditionellen Währungen abzuwickeln. Kryptowährungen rücken damit wieder als mögliches Alternativinstrument in den Fokus.

Russland sucht Alternativen für internationale Zahlungen

Erster Vize-Gouverneur Wladimir Tschistoekhin erklärte im Gespräch mit dem russischen Wirtschaftsmagazin Kommersant, die Zentralbank prüfe aktiv einen flexibleren Umgang mit Kryptowährungen. Dies sei insbesondere deshalb relevant, weil Russland und russische Staatsbürger weltweit beim Einsatz von Währungen wie Euro und US‑Dollar zunehmend eingeschränkt würden.

Russland hatte die Nutzung von Kryptowährungen für Zahlungen bereits 2020 verboten, doch die wirtschaftliche Isolation führt nun dazu, dass die Regierung ihre bislang strikte Haltung überdenkt.

Krypto-Kauf derzeit nur für sehr wohlhabende Russen

Derzeit dürfen nur sogenannte superqualifizierte Anleger Kryptowährungen kaufen und verkaufen, bei denen tatsächlich Coins geliefert werden. Um diesen Status zu erlangen, muss eine Person über ein Vermögen von mehr als 100 Millionen Rubel oder ein Jahreseinkommen von mindestens 50 Millionen Rubel verfügen. Dadurch hat nur eine kleine, wohlhabende Gruppe Zugang zu diesem Markt.

Die Zentralbank stimmt nun mit dem Finanzministerium ab, ob diese Hürden gesenkt oder ganz abgeschafft werden sollen. Mit einer Einigung wird voraussichtlich noch im Laufe dieses Monats gerechnet.

Russland lockert, während USA und EU die Schrauben anziehen

Auffällig ist, dass Russland seine Kryptoregeln ausgerechnet in einer Phase lockern könnte, in der westliche Staaten sie verschärfen. Dort ist die Sorge groß, Russland könne Kryptowährungen zur Umgehung von Sanktionen einsetzen.

Die Europäische Union verschärfte im Oktober die Auflagen für Kryptoplattformen und belegte zudem den rubelgedeckten Stablecoin A7A5 mit Sanktionen, der nach Brüsseler Einschätzung zur Finanzierung kriegsbezogener Aktivitäten genutzt wird. A7A5 war Anfang dieses Jahres noch der größte nicht‑amerikanische Stablecoin der Welt.

Auch die Vereinigten Staaten gehen härter vor. Im August setzte das Finanzministerium die Kryptobörse Garantex Europe erneut auf die Sanktionsliste.

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