LVMH prüft den Verkauf mehrerer Marken aus seinem Portfolio, darunter Marc Jacobs, ein Anteil an Fenty Beauty und der US-Weinproduzent Joseph Phelps Vineyards. Damit könnte der Luxuskonzern von Bernard Arnault einen der größten strategischen Rückzüge in seiner fast vierzigjährigen Geschichte einleiten.
Das ist bemerkenswert, zumal LVMH gerade durch Übernahmen groß geworden ist. Seit 2000 tätigte der Konzern mehr als 200 Akquisitionen, darunter Tiffany, Bvlgari und Loro Piana. Nun scheint der Luxusgigant vor allem damit beschäftigt zu sein, zu entrümpeln.

Schwache Nachfrage erzwingt Entscheidungen
Der Grund ist die schwächere Nachfrage nach Luxusprodukten. Nach den starken Pandemiejahren hat sich das Wachstum seit 2023 verlangsamt. Besonders die sogenannten aspirational luxury consumers, die zwar Luxus kaufen, aber nicht zu den Ultrareichen gehören, stehen unter Druck.
Höhere Preise, Inflation und weniger verfügbares Einkommen haben die Nachfrage belastet. Daher prüft LVMH genauer, welche Marken zu wenig zum Gewinn und den Margen beitragen.
Analysten zufolge will sich der Konzern wieder auf die großen Gewinnmotoren wie Louis Vuitton und Dior konzentrieren. Marken, die zurückbleiben oder viel Managementaufmerksamkeit erfordern, könnten verkauft werden.
Marc Jacobs und Fenty möglicherweise auf dem Prüfstand
Eine der auffälligsten Namen ist Marc Jacobs. LVMH soll fortgeschrittene Gespräche mit der Authentic Brands Group über einen Verkauf von etwa 1 Milliarde Dollar geführt haben, jedoch scheiterten diese Verhandlungen.
Auch im Bereich Beauty werden mögliche Verkäufe geprüft. Make Up Forever und Fresh sollen auf der Liste stehen, ebenso wie LVMHs 50-prozentiger Anteil an Fenty Beauty, der Marke von Rihanna. JPMorgan bewertet diesen Anteil auf etwa 1,5 bis 2,5 Milliarden Euro.
Durch solche Verkäufe kann LVMH Kapital mobilisieren und den Fokus auf stärkere Luxusmarken wie Dior Beauty und Guerlain verlagern.
Divison für Spirituosen unter Druck
Auch bei Moët Hennessy, der Sparte für Spirituosen von LVMH, werden Verkaufskandidaten geprüft. Dieser Zweig hat in den vergangenen Jahren schwach abgeschnitten. Marken wie Eminente Rum und Joseph Phelps Weine könnten möglicherweise verkauft werden.
LVMH hat in den letzten 18 Monaten bereits mehrere Teile abgestoßen, darunter Off-White, den Anteil an Stella McCartney und die Greater China-Aktivitäten des Reiseeinzelhändlers DFS.
Das zeigt eine breitere Bewegung innerhalb des Unternehmens. LVMH will offenbar nicht mehr jede Marke um jeden Preis behalten. Zuerst versucht der Konzern, schwache Marken aufzupolieren, aber wenn ein anderer Eigentümer besser geeignet ist, kommt ein Verkauf in Betracht.
Bruch mit Arnaults Linie
Für Bernard Arnault ist dies ein deutlicher Stilbruch. Schließlich hat er LVMH gerade dadurch aufgebaut, dass er Marken aufgekauft, gestärkt und im Konzern gehalten hat. Nun steht erstmals die Verschlankung im Mittelpunkt.
Trotzdem steht LVMH nicht unter akutem finanziellem Druck. Das Unternehmen hat geringe Schulden und erwirtschaftete im vergangenen Jahr mehr als 11 Milliarden Euro an freiem Cashflow. Daher muss der Konzern nicht überstürzt verkaufen.
LVMH schaut sogar nach neuen Akquisitionsmöglichkeiten. So erwägt der Konzern ein Angebot für eine Minderheitsbeteiligung an Armani, nachdem er im Testament von Giorgio Armani als einer der bevorzugten Käufer genannt wurde. Intern gibt es dazu noch keine Einigkeit, da Armani ein großes und kostspieliges Restrukturierungsprojekt werden könnte.
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