Der Kryptomarkt musste heute einen deutlichen Rückschlag verkraften. Hauptgrund dafür ist ein sprunghafter Anstieg der japanischen Anleiherenditen. Diese kräftige Zinsbewegung löst derzeit eine weltweite Flucht aus riskanten Anlagen aus. Am Kryptomarkt führte das zu einer der größten Liquidationswellen der vergangenen Wochen.

Japanische Zinswende setzt gehebelte Trader unter Druck

Durch den Kursrückgang wurden Kryptopositionen im Wert von mehr als 600 Millionen Dollar liquidiert. Damit zeigt der Markt einmal mehr, wie empfindlich digitale Vermögenswerte auf globale Verschiebungen in der Liquidität reagieren.

Laut Daten von Coinglass wurden über 217.000 Händler liquidiert – insgesamt fast 640 Millionen Dollar.

Was sind Liquidationen?

Liquidationen entstehen, wenn Trader mit Leverage (geliehenem Kapital) ihre Position nicht mehr ausreichend besichern können. Besonders Long-Positionen – also Wetten auf steigende Kurse – traf es hart. Sobald der Preis zu stark fällt, schließt die Börse diese Positionen automatisch und verkauft die hinterlegten Sicherheiten. Das erzeugt zusätzlichen Verkaufsdruck, wodurch der Kurs weiter abrutscht. So kommt eine Kettenreaktion in Gang.

Die gesamte Marktkapitalisierung des Kryptosektors sank dabei um rund 5 Prozent, und die Schwergewichte Bitcoin (BTC) und Ethereum (ETH) verloren jeweils mehr als 5 Prozent. Doch warum haben die japanischen Anleiherenditen einen so großen Einfluss auf die Märkte?

Die Rendite der zehnjährigen japanischen Staatsanleihe stieg auf 1,84 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit April 2008. Allein in einer Handelssitzung legte sie um mehr als 11 Prozent zu. Analysten werten diese Bewegung als Wendepunkt in einer Politik, die jahrzehntelang extrem niedrige Zinsen in Japan ermöglicht hat.

Die steigenden Zinsen setzen den sogenannten Yen Carry Trade unter Druck. In den vergangenen rund 30 Jahren konnten Anleger günstig in Yen Kredite aufnehmen, um in ausländische Vermögenswerte zu investieren – darunter auch Krypto. Mit der Zinsanhebung in Japan wird das Leihen von Yen teurer, und der weltweite Fluss dieses billigen Kapitals droht zu versiegen.

Globale Liquidität unter Druck

Ein Nutzer auf X bringt die Lage auf den Punkt:

„Wenn Japan die Zinsen anhebt, entzieht es dem globalen System Liquidität. Der Treibstoff, der die Aktienrally angetrieben hat, wird abgezogen. Wir können erhöhte Volatilität bei Wachstumsaktien erwarten, da die Ära des billigen Geldes zu Ende geht.“

Der Anstieg der japanischen Zinsen ist kein kurzfristiges Phänomen. Die niedrigen Zinsen in Japan fungierten jahrzehntelang als Finanzierungsquelle für die globalen Aktienmärkte. Auch der Kryptomarkt profitierte spürbar von dieser Liquidität. Nun scheint dieser japanische Geldstrom sehr schnell abzureißen – mit potenziell drastischen Folgen.

Doch die steigenden japanischen Anleiherenditen sind kein isoliertes Ereignis. Marktbeobachter verweisen auf breitere Anzeichen für eine sich zuspitzende Liquiditätslage: steigende Zinslasten in den USA und eine nachlassende Nachfrage aus China und Japan nach US-Staatsanleihen.

Gleichzeitig sehen wir, dass die US-Notenbank Federal Reserve nach einer langen Phase der quantitativen Straffung die Geldschleusen wieder etwas öffnet. Es sind zweifellos spannende Zeiten – doch das globale makroökonomische Umfeld wird dadurch keineswegs einfacher.

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