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Der finanzielle Gesamtschaden durch Cyberangriffe auf die Blockchain-Branche ist in der ersten Hälfte des Jahres 2026 um 46,8 Prozent auf 1,31 Milliarden Dollar gesunken. Nach Einschätzung des Sicherheitsunternehmens CertiK bedeutet das jedoch nicht, dass der Sektor sicherer geworden ist: Die Zahl der Angriffe erreichte vielmehr einen Rekordstand, zugleich gehen die Täter immer professioneller vor.

Phishing und Angriffe auf Wallets verursachen die größten Schäden

Aus dem Halbjahresbericht von CertiK geht hervor, dass Phishing im ersten Quartal die wichtigste Ursache der Verluste war. Dabei werden Nutzer dazu verleitet, sensible Daten oder Zugangscodes preiszugeben. Der Schaden belief sich auf 508,2 Millionen Dollar. Im zweiten Quartal waren Angriffe auf digitale Wallets der größte Kostenfaktor, mit Verlusten von insgesamt 807,5 Millionen Dollar.

Mehr als 70 Prozent des Schadens im zweiten Quartal entfielen auf zwei große Hacks bei KelpDAO und Drift Protocol. Nach Angaben von CertiK dürften die Angriffe von Hackergruppen ausgeführt worden sein, die Verbindungen zum nordkoreanischen Staat haben.

Auch das Analysehaus TRM Labs zählt Nordkorea zu den größten Bedrohungen für die Branche: Nach seinen Schätzungen haben nordkoreanische Hacker seit 2017 digitale Vermögenswerte im Wert von mehr als 6 Milliarden Dollar gestohlen.

Die Angriffe waren für die USA, Japan und Südkorea Ende vergangenen Monats Anlass für gemeinsame Beratungen über den Umgang mit nordkoreanischer Cyberkriminalität. Dabei ging es auch um den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz durch die Täter. KI hilft ihnen Experten zufolge, Schwachstellen schneller zu finden und überzeugendere Phishing-Angriffe vorzubereiten.

Warum der Rückgang ein verzerrtes Bild zeichnet

Der Vergleich mit dem Vorjahr lässt die Zahlen besser aussehen, als sie sind – das räumen auch die Forscher ein. Die erste Hälfte des Jahres 2025 war vom Hack der Handelsplattform Bybit geprägt, bei dem rund 1,4 Milliarden Dollar erbeutet wurden, der größte bislang erfasste Angriff. Ohne einen neuen Megahack dieser Größenordnung wirkt dieses Halbjahr automatisch besser. „Ein Rückgang der Gesamtverluste um fast 50 Prozent legt ein deutlich sichereres Ökosystem nahe. Unsere Daten stützen diese Schlussfolgerung jedoch nicht“, erklärte CertiK.

Die zugrunde liegenden Zahlen weisen tatsächlich in die andere Richtung. TRM Labs registrierte in den ersten sechs Monaten 207 Angriffe, nach 83 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das ist der höchste Halbjahreswert, den das Unternehmen je erfasst hat. Es wird also häufiger angegriffen als je zuvor; lediglich ein einzelner Schlag von der Größenordnung des Bybit-Hacks blieb aus. Rund 60 Prozent aller registrierten Angriffe gingen auf Schwachstellen in Smart Contracts zurück, also Programme auf einer Blockchain, die Transaktionen automatisch ausführen und deren Programmierfehler ausgenutzt werden können.

Der Privatschlüssel bleibt die schwächste Stelle

Nach Einschätzung von CertiK bleiben Privatschlüssel, also die geheimen Codes für den Zugriff auf Wallets, der zentrale Punkt in der Sicherheitsarchitektur. Das Unternehmen rät Organisationen mit großen Kryptobeständen, in Hardware-Sicherheit, strenges Schlüsselmanagement und eine geografische Verteilung der Personen zu investieren, die Transaktionen freigeben dürfen – etwa über Wallets, bei denen für eine Transaktion mehrere Genehmigungen erforderlich sind.

Für Privatanleger gilt der bekannte Rat unter anderem des Wallet-Herstellers Ledger: Die Wiederherstellungsphrase einer Wallet sollte ausschließlich offline aufbewahrt und niemals weitergegeben werden. So lässt sich ein großer Teil der Phishing-Angriffe verhindern.

Die Lehre aus diesem Halbjahr ist damit dieselbe, die sich in der vergangenen Woche bereits in mehreren Fällen zeigte, von irischen Wallets bis zu Phishing-Netzwerken in Belgien: Die Kryptografie selbst wird selten geknackt, der Mensch und das Schlüsselmanagement dagegen umso häufiger.

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