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Anleger starten diese Woche mit drei großen Themen.
Die US-Börsen schlossen am Freitag schwächer. Der S&P 500 verlor 1,2 Prozent und auch der Nasdaq gab um 1,5 Prozent nach. Über die gesamte Woche hinweg fielen die Verluste zwar begrenzt aus, doch die Stimmung wurde aufgrund geopolitischer Unsicherheiten, hartnäckiger Inflation und steigender Zinsen deutlich vorsichtiger.
Dabei spielt vor allem die US-10-Jahres-Rendite eine wichtige Rolle. Diese stieg am Freitag auf über 4,5 Prozent. Das setzt Aktien unter Druck, da höhere Zinsen zukünftige Gewinne weniger wert machen und Anleihen für Anleger eine attraktivere Alternative darstellen.
Das wichtigste Ereignis der Woche steht am Mittwoch an, wenn Nvidia seine Quartalszahlen vorlegt. Das Unternehmen hat mittlerweile einen Wert von über 5.700 Milliarden Dollar und gilt als wichtigster Gradmesser für die KI-Rallye.
Anleger schauen nicht nur auf Umsatz und Gewinn, sondern vor allem auf die Aussichten. Analysten erwarten einen bereinigten Gewinn von 1,78 Dollar je Aktie und einen Umsatz von 79,2 Milliarden Dollar.
Auch die Äußerungen von CEO Jensen Huang zu China werden wichtig sein. Huang reiste kürzlich mit Donald Trump nach Peking. Investoren wollen wissen, ob Nvidia mehr Spielraum erhält, um fortschrittliche H200-Chips an chinesische Unternehmen wie Alibaba, Tencent, ByteDance und JD.com zu verkaufen.
Zudem wird die Konkurrenz durch AMD, Broadcom und Newcomer wie Cerebras im Blick behalten. Nvidia bleibt dominant, aber der Markt will wissen, ob diese Dominanz angesichts des stetig wachsenden Marktes für KI-Chips aufrechterhalten werden kann.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die sogenannte K-förmige Wirtschaft. Höhere Energiepreise treffen die Haushalte nicht gleichermaßen. Geringere Einkommen geben einen größeren Teil ihres Einkommens für Benzin, Strom und andere notwendige Kosten aus.
Daher werden sie stärker durch den Krieg im Iran und den steigenden Ölpreis belastet. Laut Bank of America haben niedrigere Einkommen ihren Benzinverbrauch am stärksten reduziert. Höhere Einkommen geben weiterhin mehr aus, auch für Reisen.
Dieser Unterschied zeigt sich auch im Reisesektor. Nur ein kleiner Teil der Amerikaner storniert Reisen vollständig, aber viele entscheiden sich für weniger Reisen oder günstigere Unterkünfte. Höhere Einkommen konsumieren unterdessen weiterhin relativ stark.
Laut Energie-Experte Jeff Currie von Carlyle könnte der Markt am Beginn eines neuen Rohstoff-Superzyklus stehen. Seine Argumentation lautet, dass Investoren massiv in den KI-Trade investiert haben, aber der physischen Welt, die KI erst möglich macht, zu wenig Aufmerksamkeit schenken.
KI benötigt enorme Mengen an Energie, Metallen, Rechenzentren, Kühlung und Infrastruktur. Gleichzeitig hat der Iran-Krieg den größten Energieversorgungsschock seit Jahren verursacht. Laut Goldman Sachs hat der Ölmarkt mehr als 13 Millionen Barrel pro Tag verloren.
Currie nennt dies die „Rache der alten Wirtschaft“. Während Kapital in Software, Chips und KI fließt, werden harte Assets wie Öl, Gas, Kupfer, Stromnetze, Metalle und Düngemittel knapper.
Wenn Currie recht behält, verändert sich die Börsenstory. Dann geht es nicht mehr nur um Nvidia und die Magnificent Seven, sondern auch um Energieunternehmen, Bergbaugesellschaften, Infrastrukturplayer und industrielle Zulieferer.
Das passt zu einem breiteren Wandel von Globalisierung hin zu Lokalisierung. Länder wollen weniger abhängig von anfälligen globalen Lieferketten werden und investieren mehr in eigene Energie, Produktion und Infrastruktur.
Für Anleger wird diese Woche also ein Test. Nvidia muss beweisen, dass die KI-Rally noch ausreichend Gewinnpotenzial hat. Der Anleihemarkt testet, wie viel Zins die Aktienmärkte verkraften können. Und Rohstoffe können zeigen, ob der nächste große Markttrend nicht nur digital, sondern vor allem physisch ist.
Die Aktienfutures an der Wall Street legen heute erneut kräftig zu. Trotz steigender Anleiherenditen setzen Anleger auf eine Fortsetzung des Bullenmarktes.
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