Die globalen Anleihemärkte stehen erneut unter Druck. Die Renditen von langfristigen Staatsanleihen steigen stark in den USA, Großbritannien, Deutschland und Japan. Damit senden Anleiheinvestoren eine deutliche Warnung aus. Die Märkte sind besorgt über steigende Ölpreise, hartnäckige Inflation und wachsende Staatsschulden.
In Großbritannien stieg die Rendite für 30-jährige Staatsanleihen auf 5,82 Prozent, den höchsten Stand seit 1998. In Japan überschritt die 30-Jahres-Rendite erstmals seit 1999 die 4-Prozent-Marke. Auch in den USA zogen die Renditen weiter an, mit einer 10-Jahres-Rendite um 4,54 Prozent und einer 30-Jahres-Rendite über 5 Prozent.
Ölpreis treibt Zinsen nach oben
Mohamed El-Erian von Allianz sieht den Anstieg vor allem durch den höheren Ölpreis getrieben. Aufgrund des Konflikts rund um den Iran und der Störungen in der Straße von Hormus befürchten Investoren, dass die Energiepreise erneut die Inflation anheizen.
Dies ist bedeutsam, da die Zentralbanken gehofft hatten, dass die Inflation langsam nachlassen würde. Bleibt der Ölpreis um 100 Dollar oder steigt weiter, beeinträchtigt das die Transportkosten, Lebensmittelpreise, Produktion und Verbraucherpreise.
Das erschwert es den Zentralbanken, die Zinsen zu senken. Vielmehr beginnen die Anleihemärkte, ein Szenario in Betracht zu ziehen, in dem die Zinsen länger hoch bleiben oder gar weiter steigen müssen.
Aktien ignorieren die Warnung vorerst
Bemerkenswerterweise zeigen sich die Aktienmärkte wenig beeindruckt von der Anleihe-Stresssituation. Der S&P 500 bewegt sich weiterhin nahe an Rekordständen, vor allem dank Optimismus über KI und starken Gewinnen großer Technologieunternehmen.
Das führt zu einer auffälligen Kluft. Aktien signalisieren, dass KI-Wachstum und Ertragskraft wichtiger sind als makroökonomische Sorgen. Anleihen hingegen warnen, dass Inflation, Schulden und Ölpreise noch lange nicht unter Kontrolle sind.
Laut einigen Marktbeobachtern können nicht beide Szenarien auf Dauer gleichzeitig bestehen. Steigen die Zinsen weiter, wird es schwieriger, die hohen Aktienbewertungen zu rechtfertigen. Besonders, wenn sich das Gewinnwachstum außerhalb der großen KI-Unternehmen als weniger stark erweist.
China-Faktor bleibt unsicher
Auch China spielt eine Rolle. Aktienanleger scheinen zu hoffen, dass die Gespräche zwischen Trump und Xi zu mehr Stabilität führen, insbesondere in Bezug auf Handel und Ölversorgung. Anleiheinvestoren hingegen sind weniger überzeugt.
Es gibt noch keine konkreten Vereinbarungen, die die Öl- und Handelsspannungen strukturell lösen. Daher bleibt die Möglichkeit langfristiger Störungen, höherer Energiekosten und eingeschränkterer Handlungsspielräume für Zentralbanken bestehen.
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