Die wichtigsten Zentralbanken der Welt scheinen diese Woche auf die Pause-Taste zu drücken. Die US-Notenbank, die Europäische Zentralbank, die Bank of Japan, die Bank of Canada und die Bank of England treffen alle eine Zinsentscheidung, aber die Wahrscheinlichkeit unmittelbarer Zinserhöhungen scheint gering.
Unsicherheit setzt Zentralbanken unter Druck
Der Grund dafür ist die große Unsicherheit rund um den Krieg in der Golfregion. Die Energiepreise schwanken stark, unter anderem durch Beiträge von Donald Trump auf Truth Social und Reaktionen aus dem Iran. Dadurch wird es für Zentralbanker schwierig einzuschätzen, wie groß der Einfluss auf Inflation und Wirtschaftswachstum letztlich sein wird.
Ökonomen halten es daher für logisch, dass die Zentralbanken vorerst abwarten. Ein höherer Ölpreis könnte die Inflation erneut anheizen, gleichzeitig aber auch das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen. Das macht die Situation komplex. Zentralbanken wollen die Inflation bekämpfen, gleichzeitig aber nicht unnötig stark bremsen, wenn die Wirtschaft bereits geschwächt ist.
Erinnerung an 2021 und 2022 wirkt nach
Die aktuelle Lage weckt schmerzhafte Erinnerungen an 2021 und 2022. Damals gingen viele Zentralbanken zunächst davon aus, dass die Inflation vorübergehend sein würde, doch der Preisdruck erwies sich als viel hartnäckiger als erwartet. Im Nachhinein wurde ihnen vorgeworfen, zu spät gehandelt zu haben.
Diese Erfahrung lastet nun auf dem Markt. Zentralbanken wollen vermeiden, erneut zu langsam auf einen Inflationsschock zu reagieren. Gleichzeitig ist noch unklar, ob der derzeitige Anstieg der Energiepreise vorübergehend ist oder der Beginn eines größeren wirtschaftlichen Schocks.
Deshalb blicken die Entscheidungsträger weniger auf eine zentrale Erwartung und mehr auf verschiedene Szenarien. In einem Szenario bleibt der Krieg begrenzt und die Öl- und Gaspreise sinken wieder. In einem anderen Szenario bleibt Energie teuer, die Inflation steigt weiter an und Verbraucher und Unternehmen stellen sich erneut auf höhere Preissteigerungen ein.
EZB scheint relativ stark aufgestellt
Für die Europäische Zentralbank ist die Lage besonders heikel. Europa ist empfindlich gegenüber höheren Energiepreisen, da es relativ stark von Importen abhängig ist. Gleichzeitig steht die EZB laut einigen Ökonomen besser da als andere Zentralbanken, weil die Inflation im Euroraum bereits früher in Richtung 2 Prozent gesenkt wurde.
Dennoch preisen die Finanzmärkte inzwischen zwei Zinserhöhungen durch die EZB für dieses Jahr ein. Das zeigt, wie schnell die Stimmung gedreht hat. Wo Anleger zuvor eher über Zinssenkungen nachdachten, rückt nun erneut das Inflationsrisiko in den Fokus.
Die EZB selbst scheint jedoch keine Eile zu haben. Solange unklar ist, wie lange der Krieg andauert und wie groß der Energieschock wird, will die Zentralbank wahrscheinlich erst mehr Daten sehen. Ein ernsthaftes Urteil über die Notwendigkeit zusätzlicher Zinserhöhungen dürfte womöglich erst im Juni oder später erfolgen.
Fed hält Zinsen wahrscheinlich stabil
Auch in den USA wird eine Zinspause erwartet. Die Federal Reserve entscheidet am Mittwoch und der Markt rechnet nahezu vollständig mit einem unveränderten Leitzins von 3,50 bis 3,75 Prozent.
Für die Fed ist die Situation schwierig. Die amerikanische Inflation liegt immer noch über dem 2-Prozent-Ziel, während der Arbeitsmarkt bereits Anzeichen einer Schwäche zeigte. Ein neuer Energieschock könnte die Inflation weiter anheizen, doch eine zu strenge geldpolitische Reaktion könnte der Wirtschaft zusätzlichen Schaden zufügen.
Einige Fed-Direktoren warnen inzwischen davor, dass wiederholte Preisschocks gefährlich werden können. Dabei spielt nicht nur der Krieg eine Rolle, sondern auch Trumps Handelspolitik. Wenn Haushalte und Unternehmen glauben, dass hohe Inflation dauerhaft ist, könnte diese Erwartung sich selbst verstärken.
Japan und Vereinigtes Königreich ebenfalls vorsichtiger
In Japan war der Markt bis vor kurzem noch auf eine mögliche Zinserhöhung durch die Bank of Japan vorbereitet. Inzwischen ist diese Wahrscheinlichkeit stark gesunken. Japan ist als großer Energieimporteur anfällig für höhere Öl- und Rohstoffpreise, insbesondere weil diese auch für die japanische Industrie wichtig sind.
Es wird erwartet, dass die Bank of Japan die Inflationsprognose anhebt, gleichzeitig aber die Wachstumsprognose senkt. Das passt zum klassischen Problem eines Energieschocks. Die Preise steigen, während die Wirtschaft unter Druck gerät.
Auch die Bank of England scheint vorsichtiger geworden zu sein. Im März schien eine Zinserhöhung noch möglich, doch nach jüngsten Signalen von Gouverneur Andrew Bailey rechnen Händler kaum noch damit. Auch hier wollen die Entscheidungsträger zuerst wissen, ob die aktuelle Situation 2022 ähnelt oder ob es sich um einen vorübergehenden Schock handelt.
Prinzipiell ist das günstig für Bitcoin und andere risikobehaftete Anlagen. Der Anstieg der Inflation sorgt nämlich für eine niedrigere reale Rendite, solange die Zentralbanken nicht eingreifen.
Die reale Rendite erhält man, indem man die Inflationserwartungen von den Marktzinsen auf Staatsanleihen abzieht. Wenn die Inflation steigt und die Zinsen stabil bleiben, wie es derzeit der Fall zu sein scheint, sinkt die reale Rendite.
Im Grunde bedeutet dieser Rückgang, dass Investoren weniger mit Staatsanleihen verdienen und gezwungen sind, mehr Risiko einzugehen, um Rendite zu erzielen.
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