Der Euro hat im vergangenen Monat eine bemerkenswert starke Leistung auf dem Devisenmarkt erbracht. Im Juni stieg der Kurs des Euros gegenüber dem US-Dollar um fast 4% auf 1,1786 Dollar. Damit übertraf der Euro sogar die Performance der Bitcoin-Kurs, der im gleichen Zeitraum um 2,4% stieg.
Deutschland dreht den Schuldenhahn auf
Wahrscheinlich verdankt der Euro seinen hohen Kurs teilweise der Unsicherheit über die Politik von Donald Trump. Gleichzeitig lockert auch Deutschland die Zügel mit einem umfangreichen Investitionspaket unter anderem für die Verteidigung.
Zu Beginn dieses Jahres kündigte die deutsche Regierung an, dass Verteidigungsausgaben fortan außerhalb der sogenannten Schuldenbremse fallen. Zusätzlich wird ein Infrastrukturfonds von 500 Milliarden Euro eingerichtet, von denen 100 Milliarden sofort für das Klima-Transitionsfonds eingesetzt werden. Der Rest ist für breitere Infrastrukturinvestitionen vorgesehen, verteilt über Bundes- und Landesbudgets.
Nach Ansicht von Ökonomen wird der Effekt dieses Impulses ab dem nächsten Jahr in der deutschen Wirtschaft sichtbar werden. Das Paket ist darauf ausgelegt, langfristiges Wachstum zu fördern und scheint das Vertrauen in den Euro zu stärken.
Unsicherheit über amerikanische Haushaltspläne
Auf der anderen Seite des Atlantiks beginnt sich das Bild zu wenden. Während der Dollar jahrelang von der Ausnahmestellung der amerikanischen Wirtschaft profitierte, wachsen die Sorgen über steigende Defizite und Zinslasten. Investoren sprechen mittlerweile von einer ‚fiskalischen Schreckreaktion‘ in den Vereinigten Staaten.
Obwohl die Zinsen in den USA relativ hoch bleiben, resultiert dies vor allem aus der Notwendigkeit, das Haushaltsdefizit zu finanzieren. Die traditionelle Verbindung zwischen höheren Zinsen und einem starken Dollar scheint dadurch zu verblassen.
Währungsstrategen weisen darauf hin, dass der Unterschied in den Zinserwartungen zwischen den USA und der Eurozone nun zugunsten des Euros ausfällt. Die Europäische Zentralbank scheint fast fertig mit Zinssenkungen, während die amerikanische Zentralbank in den nächsten zwölf bis achtzehn Monaten möglicherweise noch mehrmals die Zinsen senken wird, wenn das wirtschaftliche Wachstum weiter nachlässt.
Gleichzeitig erhöhen europäische Pensionsfonds ihre Absicherung gegen Währungsrisiken. Da viele ihrer Anlagen in Dollar notiert sind, kaufen sie mehr Euros, um Kursschwankungen abzufangen. Das setzt zusätzlichen Druck auf den Dollar.
Bitcoin leistet stark, aber der Euro schließt auf
Obwohl Bitcoin weiterhin attraktiv für viele Investoren bleibt, ist es bemerkenswert, dass ein Währungspaar wie EUR/USD nun eine vergleichbare Kursleistung zeigt. Beide stehen dieses Jahr um über 13 Prozent im Plus.
Während Bitcoin für seine Volatilität bekannt ist, ist der Euro traditionell eine viel stabilere Währung. Dass EUR/USD nun in der Liste der am besten performenden Assets mitspielt, ist für viele Marktkenner daher unerwartet.
In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob der Euro diesen Aufschwung beibehalten kann. Vieles wird von der Politik in Frankfurt und Washington abhängen und wie Investoren auf den sich ändernden globalen Wachstumspfad reagieren.
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