Tech-Milliardär Elon Musk hat seine lang erwartete Wikipedia-Alternative gestartet: Grokipedia. Die neue Enzyklopädie baut vollständig auf seinem KI-Assistenten Grok auf und präsentiert sich als die Plattform für „die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit“.
KI am Ruder
Auf X kündigte Musk gestern an, dass Grokipedia ab sofort frei zugänglich ist. Die Plattform ist vollständig Open Source, das heißt, Quellcode und Inhalte sind öffentlich verfügbar. Jede und jeder darf Grokipedia kostenlos nutzen, anpassen und teilen, solange die Lizenzregeln respektiert werden.
Grokipedia ist eine KI-gesteuerte Enzyklopädie, die sich gegen die menschliche Moderation von Wikipedia abgrenzt. Während Wikipedia auf Freiwillige setzt, die Artikel verfassen und prüfen, vertraut Grokipedia vollständig auf Grok. Das ist das KI-Modell von Musks Unternehmen xAI.
Laut Musk soll das zu objektiveren Informationen führen, weil „KI keine Ideologie hat“. In der Praxis bedeutet das, dass Grok festlegt, was als Tatsache präsentiert wird.
Nutzerinnen und Nutzer dürfen weiterhin Vorschläge einreichen, doch das letzte Wort hat Grok. Die KI entscheidet, was stehen bleibt und was im Papierkorb landet. Genau die Vorstellung, dass ein einziger Algorithmus die Wahrheit bestimmen darf, sorgt für jede Menge hochgezogene Augenbrauen.
Die erste Version umfasst bereits über 885.000 Artikel – noch immer nur ein Bruchteil der 7 Millionen englischsprachigen Wikipedia-Seiten. Musk nennt das lediglich Version 0.1 und verspricht, dass Version 1.0 „zehnmal besser“ sein werde. Seiner Ansicht nach ist aber schon diese erste Version besser als Wikipedia.
Der Start verlief nicht reibungslos: Kurz nach dem Start hatte Grokipedia mit technischen Problemen zu kämpfen, inzwischen läuft die Plattform jedoch stabil.
Alternative zur „woken Wikipedia“
Der Start folgt auf Musks jahrelange Kritik an Wikipedia. Aus seiner Sicht ist die Seite „zu links“ und „von Aktivisten dominiert“. 2024 rief er seine Anhänger bereits dazu auf, nicht länger an die Wikimedia Foundation zu spenden. Damals bot er sogar 1 Milliarde Dollar, um die Seite in „Dickipedia“ umzubenennen.
Auf Grokipedia ist diese Kritik deutlich spürbar. Artikel zu sensiblen Themen wie George Floyd oder Black Lives Matter unterscheiden sich auffällig von ihren Wikipedia-Pendants.
Grokipedia betont beispielsweise Floyds Vorstrafen, während Wikipedia die Polizeigewalt in den Mittelpunkt stellt. Auch Themen wie Gender, Zensur und Universitäten passen stark zu Musks Weltbild. Kritiker nennen es daher keine neutrale Alternative, sondern eine „rechte Antwort auf Wikipedia“.
Streben nach Perfektion
Im Gegensatz zu Wikipedia basiert Grokipedia nicht auf Spenden oder Ehrenamt. Die KI entscheidet – nicht die Community.
„Wir werden nie perfekt sein, aber wir streben danach“, schrieb der Chef von Tesla und SpaceX.
Auffällig ist allerdings, dass ein Teil der Inhalte offenbar noch aus Wikipedia stammt. Unter Artikeln, etwa über das MacBook Air, findet sich der Hinweis „angepasst von Wikipedia“. Manche Seiten, beispielsweise zur PlayStation 5, sind sogar nahezu identisch.
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