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Die massive Abhängigkeit der deutschen Schlüsselindustrien von chinesischen Rohstoff-Exporten – insbesondere bei Permanentmagneten und Silber – rückt verstärkt in den Fokus der Marktteilnehmer. Neben den bekannten geopolitischen Risiken im Nahen Osten verschärft sich die Lieferketten-Problematik für die exportorientierte deutsche Industrie zunehmend.
Besonders kritisch bleibt die Lage bei Permanentmagneten (Neodym-Eisen-Bor), die für Elektromotoren, Windkraftanlagen und Medizintechnik unverzichtbar sind. China kontrolliert derzeit rund 90 % der weltweiten Produktion dieser Hochleistungsmagnete und über 92 % der Verarbeitung Seltener Erden. Für Deutschland bedeutet dies eine Importabhängigkeit von bis zu 98 % bei verarbeiteten Magneten.
Betroffen sind primär die Automobilwerte im DAX sowie der Maschinenbau. Unternehmen wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz sind für ihre E-Mobilitätsstrategien massiv auf chinesische Lieferungen angewiesen. Auch Siemens ist in den Bereichen Energie und Antriebstechnik direkt betroffen. Eine Analyse von McKinsey beziffert das Gesamtrisiko für die deutsche Wertschöpfung auf bis zu 370 Milliarden Euro, was etwa 9 % des Bruttoinlandsprodukts entspricht.
Die seit April 2025 geltenden Exportkontrollen führen weiterhin zu volatilen Preisen und gedrosselten Liefermengen. Zwar wurden einige Maßnahmen im Herbst 2025 vorübergehend ausgesetzt, doch die strategischen Lizenzpflichten für schwere Seltene Erden bleiben bestehen und sorgen für Unsicherheit in der Industrie.
Die zunehmende Rohstoff-Verknappung spiegelt sich unmittelbar in der Performance der betroffenen DAX-Titel wider. Marktbeobachter registrieren seit Beginn der Exportkontrollen ein deutliches Risk-off-Stimmung bei den Automobil- und Industriewerten. Während der Gesamtindex teilweise durch die Stärke des Rüstungssektors gestützt wird, kämpfen exportlastige Titel mit einer erhöhten Volatilität. Analysten warnen, dass die drohenden Margenverluste durch teurere Ersatzbeschaffungen die Gewinnprognosen für 2026 massiv gefährden könnten, was die KGVs der betroffenen Konzerne unter Druck setzt.

Zusätzliche Signale kommen vom Silbermarkt. Seit dem 1. Januar 2026 hat Peking ein neues Lizenzsystem eingeführt, das den Export von raffiniertem Silber auf 44 staatlich autorisierte Firmen begrenzt. Da China jährlich rund 21.000 Tonnen Silber raffiniert und bisher etwa 4.000 Tonnen exportierte, wird im Westen mit einem Rückgang der verfügbaren Mengen um bis zu 50 % gerechnet. Silber ist eine Schlüsselkomponente für die Photovoltaik-Industrie, die Halbleiterfertigung und moderne Batterietechnologien. Im Gegensatz zu Seltenen Erden ist die globale Marktstellung Chinas hier jedoch weniger dominant, da Länder wie Mexiko und Peru ebenfalls über bedeutende Förderkapazitäten verfügen.
Um die Risiken zu minimieren, forcieren europäische Unternehmen Diversifizierungsstrategien und Recycling-Projekte. Der „Raw Materials Act“ sieht vor, bis 2030 mindestens 25 % des Bedarfs durch Recycling innerhalb Europas zu decken. Erste industrielle Ansätze, wie das Projekt HyProMag, sollen noch im Winter 2025/26 den Betrieb aufnehmen.
Trotz dieser Ansätze belasten die potenziellen Lieferstopps die kurzfristigen Ausblicke für energieintensive und rohstoffabhängige Sektoren. Marktteilnehmer beobachten nun genau, ob die geopolitischen Spannungen zu weiteren Handelsbeschränkungen führen, die die Produktion in Deutschland unmittelbar gefährden könnten.
Während der Industriesektor durch die Rohstoff-Thematik belastet bleibt, zeigt der Verteidigungssektor aufgrund der veränderten Sicherheitslage weiterhin eine deutliche relative Stärke.
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