Der DAX konsolidiert am Dienstagvormittag bei rund 22.429 Punkten. Nach der Erholung zum Wochenstart, gestützt durch eine vorübergehende Entspannung im Iran-Konflikt, prägen heute frische Konjunkturdaten und die Bilanz der Deutschen Bank das Geschehen an der Börse.
Industrie auf Höchststand seit 45 Monaten, Dienstleister bremsen
Die heute veröffentlichten Flash-PMI-Daten für März zeichnen ein gespaltenes Bild. Der PMI (Einkaufsmanagerindex) misst monatlich die Stimmung in Unternehmen. (Ein Wert über 50 bedeutet Wachstum, ein Wert darunter Kontraktion)
Der Industrie-PMI kletterte auf 51,7 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit 45 Monaten. Der Produktionsindex legte auf 53,7 zu und erreichte damit ein 49-Monats-Hoch.
Der Chart verdeutlicht die aktuelle Spaltung: Die Industrieproduktion ist auf den höchsten Stand seit vier Jahren geklettert, während der Dienstleistungssektor spürbar an Schwung verliert.

Der Dienstleistungssektor gab um 51,2 Punkte nach und erreichte damit den schwächsten Wert seit sieben Monaten. Belastend wirkten sich rückläufige Neuaufträge und steigende Kosten aus.
Die Einkaufspreise legten so stark zu wie seit über drei Jahren nicht mehr. Im Verarbeitenden Gewerbe war es der stärkste Kostenanstieg seit Oktober 2022.
S&P-Ökonom Phil Smith warnte, der Wachstumsschub in der Industrie werde „wahrscheinlich nur von kurzer Dauer sein”, was zyklische Werte wie BASF oder Volkswagen kurzfristig unter Druck setzen könnte.
DAX Ein-Jahres-Chart: Unter dem Support von November 2025
Der Ein-Jahres-Chart verdeutlicht das Ausmaß des jüngsten Rücksetzers. Nach dem Allzeithoch im Februar 2026 bei rund 25.600 Punkten hat der Iran-Konflikt den DAX um mehr als 12 Prozent nach unten gedrückt. Seit der vergangenen Woche notiert der Index unter der Unterstützungszone von November 2025, die zuvor mehrfach als Boden gehalten hatte. Solange der DAX dieses Niveau nicht zurückerobert, bleibt die technische Lage angeschlagen.

Deutsche Bank: 26 Milliarden Euro in Private Credit
Die Deutsche Bank legte in ihrem Jahresbericht ein Private-Credit-Engagement von rund 26 Milliarden Euro offen, was etwa 5 Prozent des gesamten Kreditbuchs entspricht. Private Credit bezeichnet Kredite, die nicht über öffentliche Märkte, sondern direkt zwischen Bank und Unternehmen vergeben werden, oft mit höheren Renditen aber geringerer Transparenz einhergehen.
Beunruhigender für Investoren: Rund 30 Prozent der gesamten Kreditvergabe und Wertpapierpositionen der Bank entfallen auf Investmentfirmen und Fonds, verglichen mit einem europäischen Branchendurchschnitt von nur 8 Prozent. Die Aktie hat seit der Offenlegung Anfang März rund 27 Prozent an Wert verloren.
CEO Christian Sewing betonte, das Thema sei zwar laut, aber kein systemisches Risiko, und die Bank habe in diesem Segment bislang keinen einzigen Cent verloren. Die strukturellen Risiken im DAX-Finanzsektor hatten wir bereits Anfang März beleuchtet.
Das 2022-Trauma der EZB
Der aktuelle Ölpreisschock wird von ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski als vergleichbar mit dem Energiepreisschock von 2022 beschrieben, auf den seiner Meinung nach zu spät reagiert wurde.
Damals kletterte die Inflation in Deutschland auf 6,9 Prozent, was den Verbrauchern Kaufkraft kostete und der EZB Glaubwürdigkeit. Die EZB hatte den Inflationsanstieg lange als „vorübergehend” betrachtet und somit zu spät mit Zinserhöhungen reagiert.
Lagarde betonte, die Ausgangslage sei heute günstiger und signalisierte, dass die EZB bereit sei, die Geldpolitik notfalls zu straffen. Ob das ausreicht, hängt davon ab, wie lange der Iran-Konflikt anhält.
Nächste Impulse für den DAX
Die nächste Sitzung der EZB findet am 30. April statt. Bis dahin sind die PCE-Inflationsdaten am Freitag der wichtigste Datenpunkt. (PCE steht für „Personal Consumption Expenditures“, das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß.)
Der Kern-PCE lag zuletzt bei 3,1 Prozent und damit deutlich über dem Ziel der Fed von 2 Prozent. Ein weiterer Anstieg dämpft die Hoffnungen auf Zinssenkungen und belastet den DAX. Zusätzlich veröffentlicht die EU-Kommission ihre Schätzung zum Verbrauchervertrauen im Euroraum für den Monat März, die angesichts steigender Energiepreise weiter nachgeben dürfte.
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Laut Goldman Sachs könnte der Ölpreis in beide Richtungen schwanken. Der Iran-Konflikt treibt den Preis nach oben, aber die schwache Nachfrage drückt ihn nach unten.
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