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Zum Ende der Handelswoche notiert der deutsche Leitindex schwächer und verliert im Intraday-Handel weiter an Boden. Drei Wochen Hormuz-Krise haben den deutschen Leitindex seit Jahresbeginn knapp 7 % gekostet, und eine Erholung ist vorerst nicht in Sicht.
Nach einem kurzen Aufschwung zum Handelsauftakt drehte der DAX am Freitagvormittag wieder ins Minus. Mit 22.839 Punkten wurde das Wochentief erreicht, der niedrigste Stand seit Dezember 2025.
Der VDAX, das deutsche Pendant zum bekannten VIX-Angstindex der Wall Street, stieg auf über 26 Punkte. Je höher der Wert, desto nervöser sind die Marktteilnehmer. Bereits am Dienstag hatte derZEW-Index dieses Bild vorweggenommen: Die monatliche Umfrage unter rund 350 Finanzexperten zu den Konjunkturerwartungen brach auf -0,5 Punkte ein.
Siemens Energy war bis Mitte Februar mit über 38 % der unangefochtene Spitzenreiter im DAX. Seitdem hat der Titel fast die Hälfte dieser Gewinne abgegeben und steht YTD noch bei knapp +20 %. Kein anderer Wert zeigt so deutlich, wie tief der Makroschock in den Index eingreift.
Auf der Verliererseite liegen Lufthansa und Commerzbank bei rund -12 % YTD. Lufthansa leidet direkt über den Kerosinpreis unter dem Ölschock. Bei der Commerzbank verpuffte der kurze Kursanstieg durch das UniCredit-Übernahmeangebot Mitte März schnell wieder.

Der Zusammenbruch des Versicherungsmarktes für Handelsschiffe in der Straße von Hormuz hat Brent auf über 110 Dollar getrieben, schneller als bei jedem vergleichbaren Konflikt der vergangenen 20 Jahre. Das US-Militär hat inzwischen über 40 iranische Minenlegerschiffe zerstört. Laut Pentagon sind es aber Raketenangriffe, nicht Seeminen, die aktuell den Schiffsverkehr am stärksten bedrohen.
Was diese Krise von 2011 und 2022 unterscheidet: Damals federte US-Fracking den Brent-Anstieg ab. Die USA pumpten WTI in den Markt und stabilisierten die Preise. Diesen Puffer gibt es heute schlicht nicht mehr.
Europa bezieht zwar über Norwegen, die USA und Kasachstan, aber mehrere EU-Länder hängen weiterhin direkt am Golf. Deutschland kommt dabei mit einem Gasspeicherstand von nur 20,6 % in diese Krise. Gaspreise haben mit knapp 60 Euro pro Megawattstunde ein Drei-Jahres-Hoch erreicht.
Die Fed hat am 18. März den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 % belassen. Jerome Powell betonte, dass steigende Energiekosten ein ernstes Inflationsrisiko darstellen.
Der sogenannte Dot-Plot, eine Übersicht der Zinserwartungen der einzelnen Fed-Mitglieder, signalisiert für den Rest des Jahres nur noch eine minimale Senkung um 25 Basispunkte. Ein Teil der Mitglieder sieht für 2026 gar keine Lockerung mehr vor. Für den Aktienmarkt bedeutet das: weniger Liquidität, mehr Gegenwind.
Ob sich der DAX in den kommenden Wochen stabilisiert, hängt vor allem an der Entwicklung des Ölpreises. Solange Brent oberhalb von 100 Dollar notiert, steigt der Kostendruck für energieintensive DAX-Konzerne weiter. Besonders Chemie, Logistik und Luftfahrt dürften als erste in den Quartalszahlen leiden.
Allerdings sind es die damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen für Lieferketten und Märkte, die das eigentliche Risiko darstellen. Erfahrungsgemäß passen Analysten ihre Gewinnschätzungen bei makroökonomischen Schocks nur langsam an. Der Markt hat die volle Wirkung des Ölpreisschocks auf die DAX-Gewinne also möglicherweise noch gar nicht eingepreist. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Marke von 23.000 Punkten hält oder lediglich eine Zwischenstation war.
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