Die Krypto-Börse Crypto.com streicht rund 12 Prozent ihrer Belegschaft, was etwa 180 Arbeitsplätzen entspricht. Das in Singapur ansässige Unternehmen nennt die zunehmende Rolle von künstlicher Intelligenz als Hauptgrund. Immer mehr Aufgaben können automatisiert werden. Dennoch zweifeln Analysten, ob dies die einzige Erklärung ist.
„Wer nicht auf KI setzt, riskiert seine Zukunft“
CEO Kris Marszalek lässt keinen Zweifel offen. Seiner Aussage nach wird KI in rasantem Tempo in die Geschäftsprozesse von Crypto.com integriert. Dadurch lässt sich dieselbe Arbeit mit weniger Personal erledigen.
Unternehmen, die diesen Schritt nicht schnell genug gehen, laufen Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten oder gar vollständig zu verschwinden. Diese Botschaft mag hart klingen, steht aber nicht isoliert da.
Auch andere große Player verweisen bei Umstrukturierungen auf KI. So strich Block, das Unternehmen von Jack Dorsey, kürzlich einen erheblichen Teil seiner Belegschaft. Auch die Krypto-Börse Gemini führte bereits eine Entlassungsrunde durch, bei der ein Viertel der Arbeitsplätze wegfiel.
Schwacher Markt erhöht Druck auf Krypto-Unternehmen
Dennoch spielt mehr mit als nur die Technologie. Der Zeitpunkt der Entlassungen ist auffällig. Seit der Bitcoin (BTC)-Höchstmarke von über 120.000 Dollar im vergangenen Jahr hat der Kurs erheblich nachgegeben.
Niedrigere Kurse führen in der Regel zu weniger Handelsaktivität. Dies wirkt sich direkt auf die Einnahmen der Börsen aus. Gleichzeitig bleiben die Kosten bestehen, insbesondere bei Unternehmen, die in den letzten Jahren aggressiv in Wachstum und Marketing investiert haben, wie Crypto.com.
So stellt sich die Frage, ob KI tatsächlich der treibende Faktor ist oder eher eine naheliegende Erklärung für umfassendere Kostensenkungen.
Zweifel an ‚AI-Washing‘
Zunehmend wird Kritik laut an dem, was als ‚AI-Washing‘ bezeichnet wird. Kritiker zielen auf Unternehmen, die künstliche Intelligenz als Grund für Entlassungen anführen, während der wahre Grund finanzielle Zwänge sind.
Es klingt innovativer, auf KI zu verweisen, als schlicht zuzugeben, dass gekürzt werden muss.
Gleichzeitig lässt sich die Wirkung von KI kaum leugnen. Prozesse wie Kundenservice, Compliance und Datenanalyse werden rasch automatisiert. Dadurch können Unternehmen tatsächlich mit weniger Personal arbeiten.
Die Realität liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. KI ermöglicht effizienteres Arbeiten, während der schwache Markt die Unternehmen dazu zwingt, diesen Schritt jetzt schon zu gehen.
Crypto.com gibt an, weltweit rund 150 Millionen Nutzer zu haben. Ob diese Umstrukturierung zu einem stärkeren Unternehmen oder vor allem zu einer kleineren Organisation führt, hängt davon ab, wie schnell sich der Markt erholt und ob der Einsatz von KI tatsächlich den Unterschied ausmacht.
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