In den meisten Ländern wird Krypto als Vermögen oder Eigentum eingestuft, was bedeutet, dass darauf Steuern zu zahlen sind. In den USA zeigt sich jedoch, dass mehr als die Hälfte aller Krypto-Investoren nicht versteht, wann sie ihre digitalen Coins versteuern müssen. Die Unklarheiten sind größer, als man erwarten würde, und können Anleger finanziell erheblich belasten.

Nur die Hälfte weiß, wann das Finanzamt anklopft

Das geht aus einer groß angelegten Studie der Kryptobörse Coinbase und der Steuerplattform CoinTracker hervor. Die Ergebnisse werden im 2026 Crypto Tax Readiness Report präsentiert.

Ende letzten Jahres wurden 3.000 US-amerikanische Coinbase-Nutzer befragt, und nur 49 Prozent wussten, dass Kryptowährungen steuerpflichtig sind, sobald sie verkauft werden.

Die meisten Länder arbeiten übrigens mit diesem System, das auch als Kapitalertragsteuer bezeichnet wird. Die Niederlande sind eine der Ausnahmen, wo die Steuerbehörde derzeit mit einer fiktiven Rendite rechnet. Ab 2028 werden Steuern auf die Buchgewinne erhoben, was zu viel Kritik führt, doch letztendlich will die Regierung auch Steuern auf realisierte Gewinne erheben.

Ein weiteres Problem für Amerikaner ist die sogenannte Cost Basis, also der ursprüngliche Kaufpreis einer Kryptowährung. Diese ist notwendig, um Gewinne oder Verluste korrekt bei der Steuererklärung anzugeben. Nur 35 Prozent der Befragten gaben an, jemals ihre Cost Basis angepasst zu haben.

Das stellt ein Problem dar, da der durchschnittliche Nutzer 2,5 Plattformen oder Wallets verwendet und 83 Prozent eine eigene Wallet betreiben. Wer Krypto auf einer Börse kauft, auf eine eigene Wallet überträgt und auf einer anderen Plattform verkauft, verliert den Überblick. Der Kaufpreis wird nämlich nicht mit übertragen. Coinbase berichtet, dass mehr als 60 Prozent seiner Kunden unvollständige Daten haben.

Neue Steuerregeln machen es nicht einfacher

In den USA müssen Kryptobörsen künftig sogenannte 1099-DA-Formulare versenden, ähnlich den Formularen, die Aktienbörsen seit Jahren nutzen. Coinbase rechnet damit, über vier Millionen dieser Formulare an Kunden mit Erträgen unter 600 Dollar zu versenden.

Alltägliche Vorgänge wie Zahlungen mit Stablecoins und Transaktionsgebühren im Ethereum-Netzwerk gelten technisch gesehen als steuerpflichtige Ereignisse. Laut Coinbase bringt dies kaum Steuereinnahmen, belastet aber normale Nutzer enorm. Die Kryptobörse bezeichnet dies sogar als „direkte Bedrohung für die Akzeptanz und Innovation“, die die neue Gesetzgebung eigentlich fördern will.

Wenn sie es können, kann es die Industrie auch

Matt Price, Forschungsdirektor beim Blockchain-Analyseunternehmen Elliptic und ehemaliger IRS-Agent, sieht jedoch einen Lichtblick. Die Standardisierung ermöglicht es der Steuerbehörde, gezielter vorzugehen, statt aufwändige manuelle Prüfungen durchzuführen.

Price kennt die Komplexität aus eigener Erfahrung. Bei seinem früheren Arbeitgeber Binance wurde er teilweise in Krypto bezahlt. „Wie gibt man das überhaupt an? Ich hatte nicht einmal ein 1099-Formular, also musste ich meine gesamte Buchhaltung selbst übernehmen, um eine korrekte Steuererklärung abzugeben,“ sagte er.

Er erkennt an, dass es komplizierter ist als bei Aktien. Doch laut Price gibt es vergleichbare Herausforderungen auch in der traditionellen Investmentwelt. „Wenn sie das lösen können, denke ich, dass die Branche das wahrscheinlich auch kann.“

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