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Laut einem aktuellen Bericht von Coinbase ist die entscheidende Kluft im globalen Finanzsystem nicht mehr die zwischen Arm und Reich, sondern die zwischen Menschen mit und ohne direkten Zugang zu den Kapitalmärkten.
Nicht das Gehalt oder gar das Bankkonto entscheidet darüber, ob man Vermögen aufbauen kann, sondern die Möglichkeit, an Märkten teilzunehmen, auf denen Aktien, Anleihen und andere produktive Vermögenswerte gehandelt werden.
Coinbase bezeichnet diesen Unterschied als den zwischen „brokered“ und „unbrokered“. Erstere Gruppe hat Zugang zu Börsen, Fonds und Anlageprodukten über Broker und Finanzinstitute. Die zweite Gruppe, geschätzt rund vier Milliarden Menschen weltweit, bleibt größtenteils außen vor und kann kaum Vermögen über Kapitalmärkte aufbauen.

Der Bericht weist auf ein auffälliges Muster in den USA hin. In den letzten vierzig Jahren stiegen die Kapitalerträge, wie Aktien und Investitionen, um 136 Prozent. Die Arbeitseinkommen wuchsen hingegen nur um 57 Prozent. Dies zeigt laut Coinbase, dass jene ohne Zugang zu den Kapitalmärkten strukturell zurückbleiben, selbst bei einem stabilen Einkommen.
Traditionelle Finanzsysteme sind laut Bericht auf große Akteure ausgerichtet. Sie bestehen aus Schichten von Brokern, Verwahrstellen und Clearinghäusern. Für kleine Anleger oder Unternehmen ist es dadurch oft zu teuer oder schlichtweg unmöglich, direkt teilzunehmen. Das schafft, was Coinbase als „Kapitaalkluft“ bezeichnet.
Coinbase sieht in der Tokenisierung, dem digital handelbaren Machen von Finanzwerten auf einer Blockchain, eine mögliche Lösung. Allerdings sollte dies auf offenen, sogenannten permissionless Netzwerken erfolgen. In geschlossenen Systemen, in denen ein begrenztes Konsortium bestimmt, wer teilnehmen darf, bleiben die bestehenden Machtverhältnisse bestehen, so der Bericht.
Coinbase vergleicht offene Blockchains mit Internetprotokollen wie TCP/IP: Jeder kann darauf aufbauen, und der Zugang kann nicht einfach entzogen werden. Das würde die Schwelle sowohl für Investoren als auch für Unternehmen, die Kapital anziehen wollen, senken.
Dass Tokenisierung längst keine Theorie mehr ist, zeigen Initiativen großer Finanzakteure. So bietet Franklin Templeton tokenisierte Anteile an Geldmarktfonds auf öffentlichen Blockchains an. JPMorgan nutzt Blockchain-Technologie, um Sicherheiten effizienter zwischen institutionellen Kunden zu bewegen.
Auch die New Yorker Börse arbeitet an Plänen für eine 24/7-Handelsplattform für tokenisierte Aktien und ETFs, mit Blockchain-Abwicklung und Stablecoins für Zahlungen.
Der Bericht wurde zeitgleich mit dem jährlichen Weltwirtschaftsforum in Davos veröffentlicht. Coinbase-CEO Brian Armstrong bekundete, dort mit Entscheidungsträgern über Marktstrukturen, Tokenisierung und das, was er als „wirtschaftliche Freiheit durch moderne Finanzsysteme“ bezeichnet, sprechen zu wollen.
Für die Kryptobranche fügt sich dieses Thema in eine breitere Vision ein, in der Bitcoin und andere digitale Assets nicht nur spekulative Anlagen sind, sondern Teil eines neuen finanziellen Fundaments. Ob Tokenisierung tatsächlich die Kapitaalkluft schließen kann, hängt von Regulierung und Akzeptanz ab. Laut Coinbase steht jedoch fest: Wer keinen Zugang zu den Kapitalmärkten hat, verpasst zunehmend die Chance, Vermögen aufzubauen.
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