Der aktuelle Markt wirkt auf viele Anleger widersprüchlich. Verbraucher stehen unter Druck, die Stimmung ist schwach und die Zinsen bleiben hoch. Dennoch steigen die großen Börsenindizes weiter. Laut Market Radar ist das kein Zeichen dafür, dass die Börse „lügt“, sondern dass wir auf die falschen Indikatoren schauen.
Der wahre Gegensatz besteht nicht zwischen Börse und Wirtschaft, sondern zwischen Unternehmen und Verbrauchern.
Unternehmen kurbeln die Wirtschaft selbst an
Üblicherweise kommt wirtschaftliche Anregung von der Regierung oder der Zentralbank. Der Staat gibt mehr Geld aus oder die Fed senkt die Zinsen. Ersteres geschieht derzeit. Das US-Haushaltsdefizit liegt bei rund 6 Prozent des BIP, doch die Fed kontert dies teilweise mit hohen Zinsen.
Was als Wachstumsmotor bleibt, ist der private Sektor, insbesondere die großen Hyperscaler. Amazon, Microsoft, Alphabet, Meta und Oracle investieren hunderte Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur. Bis 2026 könnten es schätzungsweise 725 bis 800 Milliarden Dollar in Capex sein. 2027 könnte diese Zahl auf 1 Billion Dollar steigen.

Dieses Geld fließt in Chips, Rechenzentren, Bauunternehmen, Energieinfrastruktur und industrielle Zulieferer. Innerhalb dieser AI-Schleife läuft die Wirtschaft auf Hochtouren.
Wer sich innerhalb der Schleife befindet, profitiert
Nvidia, Micron, AMD und Broadcom profitieren direkt. Sie liefern die essenziellen Güter für die KI-Revolution. Ihre Margen sind extrem hoch, da die Nachfrage das Angebot übersteigt.
Auch Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, befindet sich in einer günstigen Position, da es mit seinen eigenen TPU-Chips teilweise auf beiden Seiten der Schleife steht. Es investiert in KI, verdient aber auch an der Cloud-Kapazität, die andere benötigen.
Meta hingegen gibt viel Geld aus, sieht jedoch einen größeren Teil davon zu externen Lieferanten abfließen. Das erklärt, warum nicht alle großen Tech-Unternehmen gleich belohnt werden.

Verbraucher stehen außerhalb der Schleife
Die Verbraucher tragen vor allem die Kosten. Energiepreise sind gestiegen, Zinsen bleiben hoch und Kredite werden teurer. Hypotheken, Autokredite und Kreditkarten belasten die Haushalte weiterhin stark.
Unternehmen wie Nike, Lululemon und Home Depot profitieren nicht von der KI-Schleife. Sie verkaufen an Verbraucher, die weniger Spielraum haben. Deshalb bleiben viele Konsumaktien zurück, während KI-bezogene Unternehmen steigen.
Bitcoin erzählt dieselbe Geschichte
Laut Market Radar ist Bitcoin (BTC) vielleicht der deutlichste Beweis. Halbleiter stiegen stark, während Bitcoin zurückblieb. Das ist ungewöhnlich in einem klassischen Risk-On-Markt.
Die Erklärung von Market Radar ist, dass Bitcoin Retailkapital benötigt. Frühere Bullenmärkte kamen in Gang, wenn Haushalte genügend überschüssiges Kapital hatten, um in risikoreichere Anlagen zu investieren. Dieses Kapital fehlt derzeit. Die aktuelle Rallye wird von Unternehmen getragen, nicht von Verbrauchern.
Keine Dotcom-Blase, sondern Rotation
Market Radar sieht dies nicht als einfache Wiederholung der Dotcom-Blase. Nvidia ist teuer, aber nicht wie Cisco im Jahr 2000. Die Nachfrage ist real und die Auftragsbücher sind bis 2027 gefüllt. In dieser Hinsicht unterscheidet sich dieser Zyklus deutlich von der Dotcom-Blase des Jahres 2000.
Wahrscheinlicher ist, dass die KI-Blase nicht platzt, sondern sich verlagert. Zuerst in Chips, dann möglicherweise in Robotik, industrielle Automatisierung und physische KI-Anwendungen.
Die Börse kann also weiter steigen, jedoch immer schmaler und volatiler. Solange die KI-Investitionsschleife läuft, bleibt dies der dominierende Motor. Erst wenn diese abkühlt und sich die Verbraucher nicht erholen, entsteht echte Gefahr.
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