Der jüngste Kapitalabfluss aus den US-ETFs bedeutet nicht das Ende des Bullenmarkts für Bitcoin. Im Gegenteil: Eric Jackson, Gründer von EMJ Capital, sieht darin vielmehr eine „Bereinigung“ des Investmentcases.
Jackson zufolge hat Bitcoin als Anlage nicht versagt, sondern ist als ETF-Produkt zu erfolgreich geworden.
Bitcoin entwickelt sich wie ein Tech-Aktie
Seit der Einführung der US-ETFs hat sich das Profil von Bitcoin verändert. Institutionelle Investoren sind in diesem Zyklus die sogenannten „marginal buyers“ geworden: Sie bestimmen maßgeblich die Richtung des Marktes.
Jackson weist darauf hin, dass Bitcoin derzeit stark mit dem iShares Expanded Tech-Software Sector ETF (IGV) von BlackRock korreliert. Derselbe Vermögensverwalter managt auch den weltweit größten Bitcoin ETF, die iShares Bitcoin Trust (IBIT).
Laut Jackson ist das Problem offensichtlich: Wenn Tech-Aktien fallen, fällt Bitcoin mit. Vom Hoch bei etwa 126.000 Dollar auf jetzt rund 63.000 Dollar: Jedes Mal, wenn IGV korrigiert, folgt Bitcoin. Das entspricht nicht dem klassischen Narrativ von „digitalem Gold“ oder Wertaufbewahrung, sondern eher einer High-Beta-Tech-Position mit anderem Logo.
Institutionelle Abflüsse erhöhen Verkaufsdruck
Die US-amerikanischen ETFs verzeichnen seit geraumer Zeit einen Nettoabfluss. Nach Angaben von Farside Investors belief sich der Abfluss am Montag auf über 200 Millionen Dollar.

Das verstärkt die schwache Preisentwicklung, die seit Oktober 2025 zu beobachten ist. Der Bitcoin-Kurs liegt mittlerweile wieder unter 63.000 Dollar und testet Niveaus, die Anfang des Jahres als lokaler Tiefpunkt fungierten.
Während 2017 vor allem private Anleger bei etwa 20.000 Dollar verkauften und 2021 Hedgefonds bei rund 69.000 Dollar ausstiegen, sieht Jackson nun, dass ETF-Allocator bei etwa 63.000 Dollar Gewinne mitnehmen.
Seiner Meinung nach handelt es sich dabei nicht um ein strukturelles Schwächeangebot, sondern um ein wiederkehrendes Muster: Jeder Zyklus filtert „schwache Hände” aus dem Markt heraus.
Was kommt als Nächstes?
Jackson erwartet, dass eine nächste Phase der institutionellen Adoption grundlegend anders verlaufen wird. Er nennt Staatsfonds, Unternehmensbilanzen und Pensionskassen als potenzielle Käufer.
Dieses Kapital hat in der Regel einen längeren Anlagehorizont und balanciert weniger häufig neu. Es ist weniger anfällig für Quartalsergebnisse oder Korrelationen mit Tech-ETFs wie IGV.
Seiner Ansicht nach wird Bitcoin letztlich von einer taktischen Allokation innerhalb von Tech-Portfolios zu einer strategischen, langfristigen Position innerhalb globaler Bilanzen übergehen.
Liquidität bleibt Schlüsselfaktor
Dennoch ist kurzfristig eine entscheidende Voraussetzung für eine Erholung die Zunahme der Stablecoin-Liquidität. Solange der Stablecoin-Bestand an Börsen nicht wächst, bleibt die zugrunde liegende Kaufkraft eingeschränkt.
Eine erneute Ausweitung der Stablecoins könnte laut Jackson einen entscheidenden bullischen Impuls darstellen. Ohne neue Liquidität bleibt der Markt anfällig für weitere Rückgänge.
Einige Marktteilnehmer rechnen inzwischen mit makroökonomischen Bodenbildungsszenarien um 50.000 Dollar. Die aktuelle Korrektur hat die Stimmung deutlich beeinträchtigt, insbesondere jetzt, wo Gold neue Rekordstände erreicht, während Bitcoin zurückbleibt.
Doch Jackson ist der Ansicht, dass der aktuelle institutionelle Abfluss nicht als das Ende der Bitcoin-These betrachtet werden sollte. „Der institutionelle Ausstieg ist nicht das Ende”, sagt er. „Es ist die Bereinigung.”
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