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Zuerst versetzte das neue KI-Modell Mythos von Anthropic Banken und Techunternehmen in Schrecken, nun ist die Kryptobranche an der Reihe. Das Modell sucht nicht nach bekannten Schwachstellen, sondern zeigt auf, wie Protokolle gemeinsam scheitern können. DeFi-Plattformen werden gezwungen, ihre Sicherheit von Grund auf neu zu gestalten, während Hacker im vergangenen Monat bereits 606 Millionen Dollar erbeuteten.
Mythos ist ein KI-Modell, das darauf trainiert ist, wie ein digitaler Angreifer zu denken. Während herkömmliche Sicherheitstools nach bekannten Schwachstellen suchen, fahndet Mythos nach Kombinationen. Das Modell untersucht, wie verschiedene Systeme ineinandergreifen, und testet, ob kleine Schwachstellen zusammen zu einem großen Einbruch führen können.
Seit der Einführung durch Anthropic herrscht Unruhe in der Finanzwelt. Banken befürchten, dass Kriminelle mit solchen Modellen schneller zuschlagen können, als Verteidiger reagieren können. Gleichzeitig sehen dieselben Banken darin eine Chance, ihre eigenen Systeme einem Stresstest zu unterziehen.
Die Großbank JPMorgan betrachtet KI-Angriffe inzwischen als systemisches Risiko und prüft aktiv Tools wie Mythos. Kryptobörsen wie Coinbase und Binance sollen Anthropic bereits in diesem Monat kontaktiert haben, um das Modell auszuprobieren.
Jahrelang konzentrierte sich die Sicherheit im Bereich der dezentralen Finanzen (DeFi) auf ein zentrales Element: Smart Contracts. Das sind Code-Schnipsel, die automatisch Deals auf einer Blockchain ausführen. Der Code wurde überprüft, bekannte Schwachstellen katalogisiert und die meisten klassischen Angriffe waren dokumentiert.
Mythos stellt diesen Ansatz auf den Kopf. Das Modell richtet seinen Fokus auf die umgebende Infrastruktur.
„Die größten Risiken liegen in der Infrastruktur“, erklärt Paul Vijender, Leiter der Sicherheit beim Risikomanagementunternehmen Gauntlet, gegenüber CoinDesk. Er bezieht sich dabei auf Aspekte wie Schlüsselverwaltung, Bridges und Oracle-Netzwerke – Komponenten, die in der Regel nicht Teil einer normalen Prüfung sind.
DeFi ist auf dem Papier geradezu für blitzschnelle Angriffe gebaut, meint Stani Kulechov, Gründer von Aave Labs. „Web3 ist keine Unbekannte für gut finanzierte und motivierte Gegner. KI-Modelle sind eine Weiterentwicklung im Werkzeugkasten, der für Angriffe genutzt wird.“
Aave setzt bereits selbst KI für Simulationen und Code-Prüfungen ein, zusätzlich zu menschlichen Prüfern. Laut Kulechov ergänzt KI die Arbeit, ersetzt jedoch nicht den Menschen.
Die Warnung kommt zu einem katastrophalen Zeitpunkt. In den ersten achtzehn Tagen des Aprils wurden bereits über 606 Millionen Dollar bei Krypto-Hacks erbeutet, vor allem bei DeFi-Plattformen. Das ist fast viermal so viel wie im gesamten ersten Quartal 2026 und zugleich der schlechteste Monat für Krypto-Hacks seit Februar 2025.
Zwei Angriffe stechen besonders hervor: KelpDAO und Drift Protocol tragen zusammen etwa 95 Prozent des Schadens. Der Angreifer bei KelpDAO schlug über eine Cross-Chain-Bridge zu, eine Art Tunnel, der Token zwischen Blockchains verschiebt.
„Fortdauernde Sicherheitslücken und ein stagnierender TVL begrenzen weiterhin die institutionelle Attraktivität von DeFi“, schrieb JPMorgan in einem Bericht vom Mittwoch.
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In den letzten zehn Jahren haben Kryptohacker bei 518 Vorfällen über 17 Milliarden Dollar erbeutet.
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