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Die Inflation in der Eurozone scheint erneut an Fahrt zu gewinnen. Neue Daten aus Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland zeigen, dass die Preissteigerungen hartnäckiger sind als von den politischen Entscheidungsträgern erhofft. Besonders für die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Lage zunehmend komplizierter, da die Inflation deutlich über dem Ziel von zwei Prozent liegt und der Druck auf eine Zinserhöhung wächst.

Inflation steigt in Frankreich, Spanien und Italien

Frankreich meldete am Freitag eine Inflation von 2,4 Prozent im Jahresvergleich. Das liegt über dem Ziel der EZB und fällt in eine Phase, in der die französische Wirtschaft Anzeichen der Schwäche zeigt.

Das französische Statistikamt Insee gab bekannt, dass die Wirtschaft im ersten Quartal um 0,1 Prozent geschrumpft ist. Der Rückgang wird vor allem auf schwächere Exporte, geringeren Konsum und sinkende Investitionen von Unternehmen zurückgeführt.

In Spanien und Italien stieg die Inflation im Mai sogar auf 3,2 Prozent. Damit gehören beide Länder zu den größten Inflationstreibern innerhalb der Eurozone. Besonders die gestiegenen Energiepreise bleiben ein wesentlicher Faktor für die Preissteigerungen.

Der französische Finanzminister Roland Lescure betonte, dass die Inflation in Frankreich im Vergleich zu anderen europäischen Ländern relativ begrenzt bleibt. Auch er verwies auf den Energiemarkt als Hauptursache für den Preisdruck.

Deutsche Inflation sinkt leicht, doch Kerninflation steigt

Deutschland stellt vorerst die Ausnahme dar. Die größte Volkswirtschaft Europas verzeichnete im Mai einen Rückgang der Inflation von 2,9 auf 2,6 Prozent. Dies ist zum Teil auf gesunkene Kraftstoffpreise nach einer vorübergehenden Senkung der Benzin- und Dieselsteuern zurückzuführen.

Dennoch gibt es auch in Deutschland wenig Grund zum Optimismus. Die Kerninflation, die die stark schwankenden Preise für Lebensmittel und Energie ausklammert, stieg hingegen von 2,3 auf 2,5 Prozent.

Das ist ein wichtiges Signal für die EZB. Zentralbanken betrachten die Kerninflation häufig als besseren Indikator für den zugrunde liegenden Preisdruck in der Wirtschaft. Eine steigende Kerninflation deutet darauf hin, dass sich die Inflation weiter verbreitet.

Hinzu kommt, dass Untersuchungen des deutschen Ifo-Instituts zeigen, dass viele Unternehmen nach wie vor planen, höhere Kosten an die Verbraucher weiterzugeben.

EZB wartet auf entscheidende Inflationsdaten

Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf Dienstag, wenn die Inflationsrate für die gesamte Eurozone veröffentlicht wird. Ökonomen erwarten, dass die Inflation auf etwa 3,3 Prozent steigt, gegenüber 3,0 Prozent im Vormonat.

Das würde den Druck auf die EZB weiter erhöhen. Bei der Sitzung im April hielt die Zentralbank den Leitzins trotz der anhaltenden Preissteigerungen unverändert bei zwei Prozent.

Mehrere Entscheidungsträger, darunter Isabel Schnabel und Philip Lane, haben inzwischen angedeutet, dass eine Zinserhöhung wahrscheinlich näher rückt. An den Finanzmärkten rechnen Anleger mittlerweile damit, dass die EZB bei der nächsten Sitzung den Leitzins auf 2,25 Prozent anheben wird.

Für Verbraucher und Anleger werden die Zahlen daher genau beobachtet. Ein höherer Leitzins kann helfen, die Inflation zu bremsen, macht jedoch das Kreditwesen zugleich teurer und könnte das Wirtschaftswachstum weiter belasten.

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