Der Bitcoin-Kurs nähert sich seit Wochen der 80.000-Dollar-Marke, doch ein überzeugender Durchbruch bleibt aus. Analysten sehen die Ursache nicht nur in Angebot und Nachfrage, sondern auch in einem weniger sichtbaren Mechanismus auf dem Derivatemarkt.
An der größten Krypto-Optionsbörse Deribit hat sich eine große Menge Call-Optionen um die 80.000 Dollar angesammelt. Diese Verträge bringen Gewinn, wenn der Kurs über dieses Niveau steigt. Gerade diese Konzentration bremst aktuell den Anstieg.
Die „elektrische Barriere“ bei 80.000 Dollar
Die große Menge an Call-Optionen um 80.000 Dollar führt zu einem besonderen Effekt auf dem Markt. Market Maker, die diese Verträge verkauft haben, müssen ihr Risiko absichern. Dies tun sie, indem sie Bitcoin verkaufen, sobald der Kurs steigt.
Dieser Mechanismus, bekannt als Long Gamma, sorgt dafür, dass der Verkaufsdruck automatisch zunimmt, je näher Bitcoin der 80.000-Dollar-Marke kommt. Das Ergebnis ist eine Art unsichtbare Barriere. Je höher der Kurs steigt, desto mehr Angebot kommt auf den Markt. Dadurch wird der Optionsmarkt faktisch zu einem Deckel für weitere Anstiege.
„Viele Spekulanten verkaufen Calls bei 80.000 Dollar, weil sie das als sicheres Niveau für die Prämienannahme sehen,“ sagt Andy Baehr von GSR. „Die Gegenparteien kaufen diese Optionen und sichern sich ab, indem sie Bitcoin verkaufen. Das schafft eine Art elektrische Barriere um dieses Niveau.“
Diese Dynamik erklärt, warum der Bitcoin-Kurs trotz eines Anstiegs von über zwölf Prozent seit Ende März unter 80.000 Dollar stecken bleibt. Laut Händlern wird es schwierig, diese Marke zu durchbrechen, solange diese Optionen noch laufen, es sei denn, es entsteht plötzlich ein starker Kaufdruck auf dem Spotmarkt.
Keine Euphorie, aber Unterstützung großer Akteure
Das technische Hindernis um 80.000 Dollar trifft den Markt in einer schwierigen Stimmungslage. Die Euphorie, die Bitcoin Ende letzten Jahres noch Richtung 120.000 Dollar trieb, ist verschwunden. Private Anleger bleiben größtenteils an der Seitenlinie. On-Chain-Daten und Zahlen von Handelsplattformen zeigen, dass diese Gruppe abwartet. Einige stehen noch im Minus, andere warten auf klarere Signale.
Was bleibt, ist die Nachfrage von großen Akteuren. Wall-Street-Unternehmen bauen weiter an Krypto-Infrastrukturen, tokenisierte Fonds wachsen stetig, und Unternehmen wie Strategy Inc. kaufen kontinuierlich Bitcoin auf.
Das sorgt für ein solides Fundament unter dem Markt, es fehlt jedoch die Kraft einer breiten Rally. Ohne Enthusiasmus der Kleinanleger bleibt 80.000 Dollar eher eine Obergrenze als ein Sprungbrett.
Große Verfallsdaten stehen bevor: 1. Mai und 29. Mai
Die schwache Nachfrage am Spotmarkt und das negative Sentiment am Futuresmarkt führen dazu, dass viele Händler weiterhin auf einen Kurs unter 80.000 Dollar setzen. Sie tun dies, indem sie Call-Optionen verkaufen und so Prämien verdienen, in der Erwartung, dass diese Verträge wertlos verfallen.
Rund um die 80.000 Dollar liegt derzeit die größte Menge offener Optionen. Vor allem die Verträge mit Verfallsdaten im Mai und Juni wiegen schwer. Laut Daten von Kaiko geht es um insgesamt 1,5 Milliarden Dollar an Call-Optionen, von denen 160 Millionen am 1. Mai und weitere 566 Millionen am 29. Mai verfallen. Der Bitcoin-Kurs liegt derzeit bei etwa 76.000 Dollar.
Laut Thomas Erdösi von CF Benchmarks weist dies auf anhaltenden Verkauf von Call-Optionen und das Weiterrollen von Positionen in spätere Monate hin. Gleichzeitig betont er, dass dies nicht die ganze Geschichte ist. „Wir sehen auch, dass Anleger Gewinne mitnehmen, sobald Bitcoin sich der 80.000-Dollar-Marke nähert.“
Auch der breitere Markt spielt eine Rolle. Die jüngsten Turbulenzen an den Aktienmärkten sorgen für zusätzliche Bewegung im Kryptobereich. Laut Händlern führt das zu stabilisierender Preisaktion um 80.000 Dollar. Bitcoin bewegt sich dabei zunehmend im Einklang mit Aktien, die in den letzten Tagen in alle Richtungen gingen.
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