Der US-amerikanische Vermögensverwalter Strive, mitbegründet von Unternehmer und ehemaligem Präsidentschaftskandidaten Vivek Ramaswamy, plant, bis zu 150 Millionen Dollar aufzunehmen, um seine Bilanz zu stärken und seine Bitcoin-Exponierung weiter auszubauen.

Das Unternehmen kündigte die Ausgabe von Vorzugsaktien an, deren Erlöse teilweise zur Schuldentilgung und möglicherweise für neue Bitcoin-Käufe verwendet werden sollen.

Zuerst die Bilanz bereinigen

Strive plant den Verkauf von sogenannten Variable Rate Series A Perpetual Preferred Stock mit dem Tickersymbol SATA. Diese Vorzugsaktien zahlen eine jährliche Dividendenrendite von 12,25 Prozent, die monatlich in bar ausgeschüttet wird. Der Dividendenprozentsatz ist variabel und passt sich den Marktbedingungen und kurzfristigen Zinsen an.

Das primäre Ziel der Kapitalrunde ist nicht Wachstum, sondern Stabilität. Strive will Schulden bei der Tochtergesellschaft Semler Scientific tilgen, die kürzlich vollständig von Strive übernommen wurde. Dazu gehört unter anderem der Rückkauf von wandelbaren Anleihen mit einem Zinssatz von 4,25 Prozent und ausstehende Kredite bei Coinbase Credit.

Strive sieht diesen Schritt als Teil einer umfassenderen Restrukturierung hin zu einem sogenannten „perpetual-preferred only amplification model“: weniger komplexe Schulden, vorhersehbarere Finanzierung und eine vereinfachte Bilanz.

Darüber hinaus prüft das Unternehmen private Schuld-gegen-Aktientausche mit Inhabern der Semler-Anleihen. Dadurch könnte ein Teil der Schulden ohne neues Bargeldkapital verschwinden, jedoch auf Kosten von Verwässerung. Das letztendliche öffentliche Angebot könnte dadurch kleiner ausfallen.

Bitcoin bleibt Kern der Strategie

Sobald die Bilanz bereinigt ist, plant Strive, einen Teil des verbleibenden Kapitals für den Kauf von Bitcoin und Bitcoin-bezogenen Produkten einzusetzen. Dies entspricht der Positionierung des Unternehmens als sogenannte Bitcoin Treasury Company.

Bereits zu Beginn des Monats schloss Strive die Übernahme von Semler Scientific ab, einschließlich deren Bitcoin-Bestand von über 5.000 BTC. Damit beläuft sich der gesamte Bitcoin-Bestand von Strive auf fast 12.800 BTC, womit es sich in die wachsende Gruppe börsennotierter Unternehmen einreiht, die Bitcoin als strategische Reserve halten.

Gesamte Bitcoin-Bestände von Strive. Quelle: BitcoinTreasuries

Strive hat bereits 2025 mehrfach Kapital aufgenommen, um Bitcoin zu kaufen, darunter ein Programm über 750 Millionen Dollar und später noch einmal 500 Millionen Dollar durch Aktienemissionen. Diese aggressive Expansion fand in einer Phase steigender Bitcoin-Kurse und Optimismus bezüglich institutioneller Adoption statt.

Herausforderndes Umfeld für Bitcoin-Treasury-Unternehmen

Der Zeitpunkt dieser neuen Kapitalrunde ist bemerkenswert. Während 2024 und 2025 von einer Explosion der Bitcoin-Treasury-Strategien geprägt waren, warnen immer mehr Marktteilnehmer, dass 2026 weitaus schwieriger wird. Sinkende Kurse, höhere Finanzierungskosten und Druck auf Aktienbewertungen erschweren ein Überleben mit einer bloßen „Kauf und Halten“-Strategie.

Verschiedene Branchenanalysten prognostizieren, dass insbesondere Treasury-Unternehmen, die sich auf Altcoins wie Ethereum, Solana oder XRP fokussieren, zuerst in Schwierigkeiten geraten werden. Aber auch Bitcoin-orientierte Unternehmen entkommen diesem Druck nicht vollständig, vor allem, wenn ihr Aktienkurs dauerhaft unter dem inneren Wert notiert.

Strive wählt einen vorsichtigen Kurs

Vor diesem Hintergrund erscheint Strives Schritt logisch. Durch den Abbau von Schulden und die Vereinfachung der Bilanz schafft das Unternehmen Raum für die nächste Entwicklungsphase. Nicht einfach weiter blind kaufen, sondern sicherstellen, dass die Finanzstruktur widerstandsfähig gegenüber Volatilität ist.

Für Bitcoin selbst ist dies ein gemischtes Signal. Einerseits bestätigt es, dass große Akteure Bitcoin weiterhin als strategisches Gut betrachten. Andererseits zeigt es, dass die einfache Phase vorbei ist. Der Markt verlangt jetzt nach Disziplin, Cashflows und Risikomanagement.

Strive scheint dies zu verstehen. In einem reifer werdenden Markt ist das möglicherweise wichtiger als ein weiterer großer Bitcoin-Kauf.

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