Russland arbeitet an Gesetzgebung, die es privaten Investoren erstmals ermöglicht, reguliert in Kryptowährungen zu investieren.
Der Gesetzentwurf ist abgeschlossen und soll voraussichtlich im Frühjahr im Parlament diskutiert werden. Damit vollzieht Moskau nach Jahren der Ablehnung einen klaren Kurswechsel: Bitcoin und Krypto werden nicht länger nur als Risiko betrachtet, sondern auch als vollwertige Anlageklasse anerkannt.
Laut Anatoly Aksakov, Vorsitzender der Finanzausschusses der Staatsduma, strebt die Regierung an, spätestens bis zum 1. Juli 2026 einen rechtlichen Rahmen zu schaffen, der digitale Vermögenswerte als Anlageklasse anerkennt.
Zwei Arten von Anlegern
Die neuen Regeln unterscheiden strikt zwischen qualifizierten und nicht qualifizierten Anlegern. Private Investoren dürfen künftig bis zu maximal 300.000 Rubel pro Jahr (etwa 3.800 Dollar) investieren, sofern sie einen Wissenstest über Risiken bestehen. Professionelle Marktteilnehmer unterliegen keiner Volumenbegrenzung, müssen jedoch eine Risikoanalyse durchlaufen.
Welche Kryptowährungen genau für Privatpersonen verfügbar sein werden, muss noch festgelegt werden. Nur die liquidesten Coins kommen in Betracht. Anonyme Kryptowährungen, wie Privacy Coins, bleiben für alle Investoren verboten.
Vom Verbot zur Integration
Die Kursänderung ist bemerkenswert. 2022 bezeichnete die Zentralbank Krypto noch als Schneeballsystem und plädierte für ein totales Verbot. Jetzt setzt die Bank von Russland auf eine kontrollierte Integration. Gleichzeitig warnt sie, dass Krypto volatil ist, der Staat keine Garantien geben kann und Investoren ihr gesamtes Kapital verlieren könnten.
Die Wende steht im Zusammenhang mit der wachsenden Rolle von Krypto im internationalen Handel. Durch westliche Sanktionen nutzen russische Unternehmen zunehmend digitale Assets für grenzüberschreitende Zahlungen. Daten von Chainalysis zeigen, dass Russland im Zeitraum Juli 2024 bis Juni 2025 Kryptotransaktionen im Wert von über 376 Milliarden Dollar registrierte, mehr als jedes andere europäische Land.
Börsen bereiten sich vor
Die Moscow Exchange und die St. Petersburg Stock Exchange planen, ab Mitte 2026 regulierten Kryptohandel anzubieten. Die Börse in Moskau entwickelt ein eigenes Handels- und Abwicklungssystem, während die Börse in St. Petersburg angibt, technisch bereits bereit zu sein.
Auf dem Derivatemarkt ist die Aktivität bereits sichtbar: Das Handelsvolumen von Krypto-Futures an der Moscow Exchange erreichte kürzlich ein Rekordniveau von 636 Millionen Dollar.
Spekulation eindämmen, aber Unternehmen Freiraum geben
Krypto bleibt als Zahlungsmittel innerhalb Russlands verboten, aber die grenzüberschreitende Nutzung wird ausdrücklich erlaubt. Russische Bürger dürfen über Auslandskonten Krypto kaufen und diese über russische Intermediäre ins Ausland transferieren, sofern sie dies bei der Steuerbehörde melden.
Laut Aksakov passt der Ansatz zu einer pragmatischen Strategie. Beschränkungen für Privatpersonen sollen Spekulation und Kapitalflucht eindämmen, während professionelle Akteure und der Staat die Möglichkeit erhalten, Krypto strategisch im Handel mit unter anderem anderen BRICS-Ländern zu nutzen.
Ob diese kontrollierte Öffnung Russland tatsächlich in einem zersplitterten globalen Finanzsystem stärkt, wird sich erst nach Inkrafttreten der Gesetzgebung zeigen. Klar ist jedoch, dass Krypto in Russland nicht länger als Randerscheinung gilt, sondern als ein Instrument, das unter strengen Auflagen einen festen Platz im Finanzwesen erhält.
Das ist interessant, da es in den vergangenen Jahren ganz anders war. Dies zeigt, dass Bitcoin und die gesamte Branche beginnen, wirklich erwachsen zu werden.
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