Die Vorhersageplattform Polymarket hat ohne offizielle Ankündigung eine Änderung der Handelsbedingungen vorgenommen. Laut einer Aktualisierung der Dokumentation erhebt das Plattform nun Transaktionsgebühren auf Kryptomärkte mit einer Laufzeit von 15 Minuten, bekannt als Up-Down-Märkte.

Gebühren nur für kurzfristige Kryptovorhersagen

Polymarket war jahrelang für den Verzicht auf Transaktionsgebühren bekannt. Mit der Änderung tritt nun eine Begrenzung ein. Die neuen Gebühren gelten ausschließlich für sogenannte Taker: Nutzer, die bestehende Orders direkt aus dem Markt nehmen. Nur kurzfristige Märkte mit einer Laufzeit von 15 Minuten fallen unter die neue Regelung.

Alle anderen Märkte – darunter Langzeitvorhersagen, politische Ereignisse und nicht-krypto-relevante Märkte – bleiben vorerst vollständig gebührenfrei.

Einnahmen zugunsten der Liquiditätsanbieter

Auffällig ist, dass Polymarket die neuen Gebühren nicht selbst einbehält. Die Einnahmen werden täglich in USDC an die Nutzer ausgezahlt, die dem Markt Liquidität bereitstellen. Diese sogenannten Market Maker sorgen dafür, dass ständig Kauf- und Verkaufsaufträge verfügbar sind.

Laut der offiziellen Dokumentation zielt die Maßnahme darauf ab, die Liquidität zu verbessern und die Handelsumgebung stabiler zu machen. Besonders der Spread zwischen Kauf- und Verkaufspreisen soll dadurch verringert werden.

Höchste Kosten bei größter Unsicherheit

Die Transaktionsgebühren sind dynamisch und hängen von der Wahrscheinlichkeit des Ergebnisses ab. Bei einer Wahrscheinlichkeit von fünfzig Prozent, dem Punkt maximaler Unsicherheit, sind die Kosten am höchsten. Nähert sich die Wahrscheinlichkeit null oder hundert Prozent, sinken die Kosten schnell. In Märkten mit nahezu sicherem Ausgang entfallen die Gebühren sogar vollständig.

Ein Beispiel in der Dokumentation zeigt, dass eine Transaktion von 100 Aktien zu 0,50 Dollar etwa 1,56 Dollar an Gebühren verursacht, was etwas mehr als drei Prozent des Transaktionswertes entspricht.

Reaktionen: Schutz vor Bots und Wash Trading

Obwohl keine offizielle Erklärung folgte, sorgte die Änderung für Diskussionen innerhalb der Community. Mehrere Händler in sozialen Medien sahen die Maßnahme als eine Möglichkeit zur Verbesserung der Marktstruktur, nicht als traditionelle Gebührenerhöhung.

Der Nutzer 0x_opus äußerte, dass die neue Gebührenstruktur Schutz vor Wash Trading bietet, bei dem künstliches Handelsvolumen erzeugt wird. Da der Ertrag vollständig an die Liquiditätsanbieter geht, handelt es sich seiner Ansicht nach nicht um eine klassische Gebühr.

Der Nutzer kiruwaaaaaa betonte, dass vor allem Handelsbots von der Maßnahme betroffen sind. Er erwartet, dass das neue Modell zu kleineren Spreads und stabileren Handelsbedingungen führt. Auch der Nutzer Tawer955 meinte, dass die Änderung vor allem den Missbrauch kostenloser Liquidität eindämmt und ein nachhaltiges Belohnungssystem für aktive Marktteilnehmer schafft.

Privathändler kaum betroffen

Für die meisten Nutzer von Polymarket bleibt die Auswirkung begrenzt. Die Transaktionsgebühren gelten nur für einen kleinen Teil der Kryptovorhersagen, und selbst innerhalb dieser Märkte bleiben die Kosten niedrig. Kleine Transaktionen werden abgerundet und bei extremen Wahrscheinlichkeiten entfallen die Gebühren.

Polymarket scheint damit einen subtilen Kurswechsel vorzunehmen. Der kostenfreie Charakter der Plattform bleibt weitgehend erhalten, jedoch mit einer neuen Struktur, die Missbrauch entmutigt und Marktliquidität belohnt.

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