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Christine Lagarde wird ihre Amtszeit als Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) wahrscheinlich nicht vollenden. Das ergab eine Umfrage von Bloomberg unter Ökonomen.
Mehr als die Hälfte erwartet, dass Lagarde noch in diesem Jahr zurücktritt. Weniger als 30 Prozent glauben, dass sie ihre volle achtjährige Amtszeit, die im Oktober nächsten Jahres endet, absolvieren wird.
Falls Lagarde vorzeitig aufhört, gilt der Niederländer Klaas Knot als der wichtigste Kandidat für ihre Nachfolge.
Etwa 57 Prozent der befragten Ökonomen sehen die größten Chancen für Knot, die Position zu übernehmen, sollte Lagarde vorher gehen. Knot war zuvor Präsident der Niederländischen Zentralbank.
Absolviert Lagarde ihre Amtszeit, wird Pablo Hernández de Cos, derzeit Leiter der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, am häufigsten als ihr Nachfolger genannt.
Die Spekulationen über Lagardes Zukunft nahmen zu, nachdem Berichte aufkamen, dass sie möglicherweise vor den französischen Wahlen zurücktreten möchte. Damit könnte Präsident Emmanuel Macron Einfluss auf die Wahl ihres Nachfolgers nehmen.
Eine Erklärung der EZB beseitigte die Gerüchte nicht. Auch Lagarde selbst konnte die Zweifel nicht zerstreuen, als sie sagte, dass das Verbleiben ihr „Basis-Szenario“ sei.
Ein mögliches frühes Ausscheiden Lagardes ist auch politisch brisant. Einige Beobachter sehen darin einen Weg, um zu verhindern, dass die extreme Rechte in Frankreich bei der Ernennung des neuen EZB-Präsidenten mitentscheidet.
Doch nicht alle sind überzeugt. Modupe Adegbembo, Ökonomin bei Jefferies, meint, dass Frankreich nicht allein einen eigenen Kandidaten durchsetzen kann. Ihrer Ansicht nach ist das Risiko größer, dass die gesamte Angelegenheit die Glaubwürdigkeit der EZB beschädigt, ohne dass es einen Nutzen bringt.
52 Prozent der Befragten glauben, dass die Zuverlässigkeit der EZB leidet, wenn Lagarde vorzeitig geht. Etwa ein Drittel ist auch besorgt über die Unabhängigkeit der Zentralbank.
Dennis Shen von der International School of Management in Berlin sagt, ein früher Rücktritt würde signalisieren, dass die EZB nicht völlig politisch unabhängig ist. Gleichzeitig merkt er an, dass die Beteiligung von Rechtsextremen bei der Nachfolgerwahl möglicherweise noch schädlicher wäre.
Um Verzögerungen zu vermeiden, könnten europäische Führungskräfte beschließen, Lagardes Nachfolger bereits vor dem Ende ihrer Amtszeit zu benennen.
Mehr als zwei Drittel der Befragten halten ein Szenario für möglich, bei dem vor den französischen Wahlen ein Kandidat benannt wird, während Lagarde im Amt bleibt. Die Hälfte denkt jedoch, dass ein solches Ergebnis ihre Position in der verbleibenden Zeit schwächen würde.
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