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Die Wirtschaft der Eurozone verliert rapide an Schwung, während die Inflation erneut stark ansteigt. Neuen Zahlen zufolge stieg die Inflation im April auf drei Prozent, und Ökonomen erwarten, dass sie in den kommenden Monaten sogar Richtung vier Prozent gehen könnte. Gleichzeitig schwächt sich das Wirtschaftswachstum weiter ab. Damit entsteht eine Situation, vor der Zentralbanken besonders fürchten: stagnierendes Wachstum kombiniert mit hartnäckiger Inflation.
Laut Peter Vanden Houte, dem Chefvolkswirt von ING, scheint eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juni nahezu unvermeidlich. Auch eine zweite Erhöhung später im Jahr wird nicht ausgeschlossen.
Vorläufigen Zahlen zufolge wuchs die Wirtschaft der Eurozone im ersten Quartal nur um 0,1 Prozent, was bedeutet, dass sie sich nur sehr langsam erholt. Insbesondere der schwache Monat März belastete die Zahlen. Die Konsumenten hielten ihr Geld zurück und die Unternehmen investierten weniger.
So sanken die Einzelhandelsumsätze im März erneut. Auch die Nachfrage nach Unternehmenskrediten ging zurück. Laut ING weist dies darauf hin, dass Unternehmen angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit vorsichtiger werden.
Auch die ersten Signale für das zweite Quartal sind kaum besser. So fiel der Einkaufsmanagerindex (PMI), ein wichtiger Indikator für die Wirtschaft, unter die Schwelle von 50 Punkten. Dies deutet auf eine Schrumpfung im privaten Sektor hin.
Vor allem der Dienstleistungssektor zeigt Schwäche. Die Industrie bleibt vorerst etwas stabiler, unter anderem, weil Unternehmen aus Angst vor neuen Störungen in globalen Lieferketten zusätzliche Lagerbestände anlegen. Ökonomen warnen jedoch, dass dies nur vorübergehend Unterstützung bieten könnte.
ING erwartet daher, dass die Wirtschaft der Eurozone im laufenden Quartal fast vollständig zum Stillstand kommt.
Trotz der schwachen Wirtschaft bleibt die Inflation hoch. Der Hauptgrund dafür sind gestiegene Energiepreise. Die Gesamtinflation lag im April bei drei Prozent im Jahresvergleich, verglichen mit 2,6 Prozent im Vormonat.
Die Kerninflation, die Energie und Lebensmittel außen vor lässt, sank leicht auf 2,2 Prozent. Doch machen sich Ökonomen Sorgen, da auch die Inflationserwartungen steigen.
Aktuelle Umfragen zeigen, dass sowohl Verbraucher als auch Unternehmen mit höheren Preisen in den kommenden Jahren rechnen. Vor allem Unternehmen erwarten, ihre Verkaufspreise weiter anzuheben.
ING prognostiziert, dass die Inflation in den kommenden Monaten Richtung vier Prozent steigen wird. Für das Gesamtjahr 2026 wird nun mit einer durchschnittlichen Inflation von 3,3 Prozent gerechnet.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde sprach das Wort „Stagflation“ nicht explizit aus, doch Ökonomen warnen, dass die Eurozone diesem Szenario gefährlich nahekommt.
Auf ihrer Pressekonferenz im April deutete Lagarde an, dass die Zentralbank im Juni voraussichtlich genug Informationen haben wird, um eine neue Zinsentscheidung zu treffen. Die Finanzmärkte gehen inzwischen klar von zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr aus.
Laut Vanden Houte erscheint ein erster Schritt im Juni daher „sehr wahrscheinlich“. Eine zweite Zinserhöhung im September bleibt ebenfalls möglich, auch wenn ING derzeit nicht erwartet, dass die EZB in diesem Jahr dreimal die Zinsen erhöhen wird.
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