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Das Blockchain-Analyseunternehmen Chainalysis verklagt die US-Regierung wegen eines millionenschweren Auftrags, der an den Konkurrenten TRM Labs ging. Die US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE vergab den Auftrag direkt, ohne andere Unternehmen in einem regulären Ausschreibungsverfahren zu berücksichtigen.
Das Vertragsvolumen wird auf 94,6 Millionen Dollar geschätzt. Chainalysis argumentiert, die geforderten Leistungen ebenfalls erbringen zu können, und hält die Begründung von ICE für unzureichend, warum der Auftrag direkt an den Wettbewerber vergeben wurde.
Bei dem Vertrag geht es um forensische Software und unterstützende Dienstleistungen für Ermittlungen der Homeland Security Task Force. Die Vereinbarung läuft ein Jahr, vom 1. Juli 2026 bis zum 30. Juni 2027.
Die Software von TRM Labs dient der Analyse von Transaktionen auf der Blockchain. Ermittler können damit etwa nachvollziehen, wie Krypto zwischen verschiedenen Adressen bewegt wird. Das unterstützt Behörden bei der Untersuchung verdächtiger Geldströme und Finanzkriminalität.
ICE entschied sich, den Auftrag direkt an TRM Labs zu vergeben. Andere Unternehmen erhielten dadurch keine Möglichkeit, sich in einem regulären Ausschreibungsverfahren zu bewerben.
Chainalysis Government Solutions zog am 27. Juli vor den US Court of Federal Claims. Öffentlich wurde der Fall am vergangenen Sonntag über das RECAP-Archiv von CourtListener, in dem US-Gerichtsunterlagen gesammelt werden.
Chainalysis ist mit dem Vorgehen von ICE nicht einverstanden. In der Klage bezeichnet das Unternehmen die Entscheidung als „willkürlich, launisch und unangemessen“.
Nach Darstellung von Chainalysis hätte das Unternehmen den Auftrag ebenfalls ausführen können. Nachdem ICE bekannt gegeben hatte, Software und Unterstützung von TRM Labs beziehen zu wollen, reichte Chainalysis eine Erklärung ein, wonach es über die erforderlichen Fähigkeiten verfüge.
Das macht den Fall besonders brisant, weil Chainalysis und TRM Labs direkte Wettbewerber sind. Beide Unternehmen entwickeln Technologien, mit denen Behörden Kryptotransaktionen verfolgen und digitale Geldströme untersuchen können.
Welche Einwände Chainalysis im Detail gegen die Entscheidung von ICE erhebt, ist vorerst nicht bekannt. Die Klage wurde unter Verschluss eingereicht, weil sie nach Angaben des Unternehmens vertrauliche Geschäftsinformationen, proprietäre Daten und Geschäftsgeheimnisse enthält.
Das Gericht erlaubte Chainalysis am 31. Juli, diese Informationen geheim zu halten. Aus den öffentlich zugänglichen Dokumenten geht daher bislang nicht hervor, welche konkreten Vorwürfe das Unternehmen erhebt und welche Entscheidung es vom Gericht verlangt.
TRM Labs hat sich inzwischen selbst in das Verfahren eingeschaltet. Das Unternehmen trat am 28. Juli als beigeladene Partei bei und kann damit sein Interesse an dem Auftrag unmittelbar verteidigen.
Das Verfahren schreitet zügig voran. Die US-Regierung und TRM Labs müssen ihre Stellungnahmen bis Freitag einreichen. Für den 2. September ist anschließend eine mündliche Verhandlung angesetzt.
Die US-Regierung hat das Gericht gebeten, bis zum 10. September eine Entscheidung zu treffen.
Für Chainalysis und TRM Labs steht damit ein Auftrag im Volumen von mehreren zehn Millionen Dollar auf dem Spiel. Zugleich geht es in dem Verfahren um eine weiterreichende Frage: Wann darf eine US-Behörde einen derart großen Auftrag direkt an einen einzelnen Anbieter vergeben, ohne Wettbewerbern über eine reguläre Ausschreibung eine Chance zu geben?
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