Am 19. November legt Nvidia seine Zahlen für das dritte Quartal vor, und selten haben Anleger so gebannt auf ein Tech-Unternehmen geschaut. Nvidia ist der Motor hinter dem KI-Narrativ, das die laufende Hausse an den Aktien- und Kryptomärkten antreibt.
Die Frage ist simpel: Kann das Unternehmen erneut überraschen? Denn wenn Nvidia ins Stocken gerät, schlägt sich das unmittelbar in den Bewertungen all dessen nieder, was am KI-Sentiment hängt – vom S&P 500 bis zu Bitcoin (BTC).
Das musst du vorab zu Nvidias Zahlen wissen
- Wall Street rechnet mit 54,8 Milliarden US-Dollar Umsatz – ein Plus von 17 % gegenüber dem Vorquartal.
- Der Gewinn je Aktie wird auf 1,25 US-Dollar geschätzt, +19 % gegenüber dem Vorquartal.
- Das bedeutet eine weitere Margenausweitung – hin zu einer Nettomarge von 56 %. Nvidia operiert damit bereits auf dem Niveau eines Softwareunternehmens, obwohl es Hardware verkauft.
Warum die Margen weiter steigen
Die Datacenter-Sparte bleibt die Gewinnmaschine: High-End-KI-Chips, Netzwerkinfrastruktur und extrem lukrative Softwarelizenzen.
Vor allem die Softwarekomponente wird entscheidend. CUDA ist ein Ökosystem, an das Millionen Entwickler gebunden sind. Das verschafft Nvidia einen Apple-ähnlichen Lock-in-Effekt und ermöglicht hohe Preise.
Der Schatten über dem Erfolg: China
Bernstein erwartet, dass Nvidias Marktanteil in China von 66 % im Jahr 2024 auf 54 % im Jahr 2025 zurückgeht.
Dafür gibt es drei Gründe:
- US-Exportbeschränkungen bremsen die Lieferung von High-End-Chips.
- China fördert die eigene Chipentwicklung durch Subventionen, Auflagen und steuerliche Vorteile.
- Huawei und andere lokale Anbieter bringen in rasantem Tempo Alternativen auf den Markt, vor allem die Ascend-Serie.
Huaweis Chips sind Nvidias Blackwell-Generation technisch weiterhin unterlegen, doch mit massiven Clustern und Softwareentwicklung kann China die Leistungslücke quantitativ kompensieren.
Folge: Druck auf Nvidias künftige Preissetzungsmacht
Nvidia profitiert derzeit noch von quasi-monopolistischen Preisen (Bruttomargen von über 70 %). Doch wenn China ein eigenes Ökosystem aufbaut, könnte das:
- die Margen drücken,
- Exportmärkte in Richtung chinesischer Alternativen verschieben,
- und Nvidias künftige Dominanz in Frage stellen.
Bewertung bleibt hoch
Das Forward-KGV – der Aktienkurs dividiert durch den erwarteten Gewinn der kommenden 12 Monate – bleibt mit einem Verhältnis von 42 recht anspruchsvoll.
Das größte Risiko: Jede Enttäuschung schlägt härter durch als bei anderen Tech-Giganten. Von Nvidia wird erwartet, die Märkte fortlaufend mit Gewinnen zu überraschen, die über den Prognosen der Analysten liegen.
Warum diese Zahlen für Bitcoin so wichtig sind
Die Rally 2023–2025 – an den Aktienmärkten wie bei Bitcoin – ruht auf einer zentralen Säule: massiven Investitionen in KI-Infrastruktur, mit Nvidia als Taktgeber.
Enttäuscht Nvidia? Dann könnte der Markt daraus schließen, dass der Investitionszyklus für KI seinen Höhepunkt erreicht. Überrascht Nvidia erneut? Dann dürfte die KI-Manie weiter anschwellen.
Nvidia beeinflusst Bitcoin auf drei Arten:
1. Risikobereitschaft: Legt Nvidia starke Zahlen vor, steigt die Risikoneigung der Anleger. Das stärkt den Glauben an eine weitere Ausweitung des KI-Sektors. Schwache Zahlen bewirken das Gegenteil. Bitcoin ist letztlich eine Funktion von Liquidität und Risikoneigung – und Nvidia ist derzeit der wichtigste Trigger für dieses Sentiment.
2. KI als Makro-Narrativ: KI ist das Flaggschiff technologischen Fortschritts. Der Markt glaubt, dass KI deflationär wirkt und enorme Produktivitätsgewinne bringt. Bitcoin profitiert als makroökonomische Wette auf technologischen Wandel. Zeigt Nvidia, dass der KI-Hype noch lange nicht vorbei ist, dürfte Bitcoin weiter mitlaufen.
3. Kapitalströme: Gigantische KI-Investitionen verlangen nach Dollars. Kaufen Unternehmen weiterhin massenhaft Chips, bleibt Kapital im Tech-Sektor im Umlauf und die Liquidität steigt. Diese Überfülle sickert in die Krypto-Märkte durch, wie 2024–2025 zu sehen war. Verlangsamt sich die KI-CapEx, kann dagegen Liquiditätsdruck entstehen – das trifft Bitcoin unmittelbar.
Der 19. November kann für Bitcoin zum Wendepunkt werden
Nvidias Zahlen sind nicht nur ein Test für das Unternehmen selbst, sondern für die gesamte KI-Rally. Und von dieser Hausse ist auch Bitcoin stark abhängig.
Bei einer Enttäuschung könnte der Markt plötzlich an der Tragfähigkeit des KI-Zyklus zweifeln – mit womöglich deutlichen Folgen für alle Risikowerte.
Nvidia ist der Stimmungsanker dieser Hausse.
Am 19. November zeigt sich, ob dieser Anker noch fester sitzt – oder zu rutschen beginnt. Bitcoin könnte am kommenden Mittwoch starke Zahlen gut gebrauchen, denn der Bitcoin-Kurs tut sich derzeit äußerst schwer.
Krypto am Morgen: Bitcoin-Kurs nach Hormus-Durchbruch über 64.000
Bitcoin legt vorsichtig zu, nachdem die Vereinigten Staaten und Iran offenbar eine Einigung über die Straße von Hormus erzielt haben. Das müssen Anleger wissen.
Saylor kontert Kritik: „Ich habe selbst noch nie einen Bitcoin verkauft“
Michael Saylor weist nach dem Bitcoin-Verkauf von Strategy Kritik zurück. Sein Rat gelte nicht für börsennotierte Unternehmen.
Krypto am Morgen: Bitcoin-Kurs steigt trotz höherem Ölpreis
Der Bitcoin-Kurs ist in den vergangenen 24 Stunden um 2 Prozent gestiegen. Doch woher kommt der Kursanstieg? Am höheren Ölpreis liegt es jedenfalls nicht.
Meistgelesen
ChatGPT prognostiziert XRP-Kurs auf dieses Niveau bis Ende 2026
ChatGPT erwartet, dass der XRP-Kurs bis Ende 2026 auf 1,40 US-Dollar steigen kann, warnt aber zugleich vor anhaltendem Verkaufsdruck.
SWIFT greift Ripples Kernidee auf: Braucht es XRP noch?
SWIFT macht bei Blockchain-Zahlungen einen großen Schritt. Was bedeutet das für Ripple, und wird XRP für internationale Transaktionen noch gebraucht?
Kryptomarkt prognostiziert XRP-Kurs für den 31. August
Polymarket-Händler rechnen damit, dass XRP den August unter 1,20 Dollar beendet – trotz positiver Entwicklungen rund um den XRP Ledger.
