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Die US-Notenbank steht möglicherweise kurz vor einer weiteren Zinserhöhung. Fed-Vorsitzender Kevin Warsh warnte am Freitag in seiner Rede in Jackson Hole, dass die Inflation weiterhin nicht schnell genug zurückgeht. Anleger beziffern die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September inzwischen auf mehr als 50 Prozent.

Warsh kündigte zwar keine Zinserhöhung an, machte aber deutlich, dass die Federal Reserve zum Handeln bereit ist, falls die Inflation hoch bleibt. Damit gewinnen die US-Inflationsdaten vom 11. September zusätzlich an Bedeutung.

Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung steigt auf über 50 Prozent

Warsh setzte in seiner Rede eine klare Messlatte. Die Fed müsse ausreichend Vertrauen haben, dass sich die zugrunde liegende Inflation deutlich und schnell genug in Richtung des Zielwerts bewegt.

„Wenn das nicht geschieht, ist unsere Arbeit noch nicht getan“, sagte Warsh. Gemeint ist: Kühlt die Inflation nicht rasch genug ab, muss die Fed nachlegen.

Die Finanzmärkte werteten diese Botschaft als Warnsignal für eine Zinserhöhung. Vor der Rede lag die Wahrscheinlichkeit eines Schritts im September bei rund 35 Prozent. Anschließend stieg sie laut Handel mit Zinsfutures auf über 50 Prozent.

Analysten von Barclays und Société Générale halten es für möglich, dass die Fed den Leitzins auf der Sitzung am 15. und 16. September um 0,25 Prozentpunkte anhebt. Im Dezember könnte ihrer Einschätzung nach eine zweite Erhöhung folgen.

Viel hängt von den Inflationsdaten für August ab, die am 11. September veröffentlicht werden. Fällt die Inflation überraschend deutlich zurück, dürfte der Druck auf die Fed, die Zinsen zu erhöhen, nachlassen.

Warsh: Zinsen bremsen Inflation noch nicht ausreichend

Eine zentrale Botschaft aus Warshs Rede lautet, dass die aktuelle Zinspolitik aus seiner Sicht noch nicht genug Druck auf die Wirtschaft ausübt. Die Finanzierungsbedingungen seien derzeit nicht restriktiv, so der Fed-Vorsitzende.

Anders gesagt: Warsh hält die Zinsen noch nicht für hoch genug, um die Wirtschaft so weit abzubremsen, dass die Inflation überzeugend in Richtung zwei Prozent sinkt. Damit lässt er die Tür für weitere Zinserhöhungen ausdrücklich offen.

Der Inflationsdruck bleibt unterdessen hoch. Höhere Energiepreise spielen dabei eine Rolle, während die massiven Investitionen in künstliche Intelligenz zusätzliche Nachfrage nach Chips, Rechenzentren und Energie erzeugen.

Zugleich stellte Warsh eines unmissverständlich klar: Das Inflationsziel von zwei Prozent steht nicht zur Debatte. Damit grenzt er sich von der Unsicherheit ab, die im Juli entstanden war, als seine Äußerungen den Eindruck erweckten, dieses Ziel könne möglicherweise angepasst werden.

Trump drängt dagegen auf niedrigere Zinsen

Eine weitere Zinserhöhung könnte Warsh auch in Konflikt mit Donald Trump bringen. Der US-Präsident ernannte Warsh, setzt sich aber für niedrigere Zinsen und günstigere Finanzierungskosten ein.

Der Zeitpunkt macht die Lage zusätzlich heikel. Die nächste Zinssitzung findet am 15. und 16. September statt, weniger als zwei Monate vor den US-Zwischenwahlen.

International erhielt Warsh für seine Botschaft dennoch Rückendeckung. Andrew Bailey, Gouverneur der Bank of England, sprach von einer inhaltlich starken Rede. Auch IWF-Chefin Kristalina Georgieva verwies auf Warshs klares Bekenntnis, die Inflation wieder auf zwei Prozent zurückzuführen.

Innerhalb der Fed gibt es unterdessen noch keine vollständige Einigkeit. Auf der Zinssitzung im Juli stimmten bereits mehrere Währungshüter für eine Zinserhöhung. Andere signalisierten, dass ein solcher Schritt notwendig werden könnte, falls die Inflation nicht ausreichend sinkt.

Damit rückt der 11. September immer stärker in den Fokus. Die neuen Inflationsdaten könnten darüber entscheiden, ob Warsh wenige Tage später tatsächlich genügend Unterstützung für seine erste Zinserhöhung als Fed-Vorsitzender erhält.

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Kevin Warsh

Fed-Spitzenmann Warsh warnt: Inflation sinkt nicht schnell genug

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