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Die Inflation in den USA geht nach Einschätzung von Federal-Reserve-Chef Kevin Warsh noch nicht überzeugend genug zurück. In seiner mit Spannung erwarteten Rede in Jackson Hole betonte er, die Notenbank halte an ihrem Inflationsziel von zwei Prozent fest.
Warsh sendet damit ein klares Signal in einer Phase, in der Anleger über den nächsten Zinsschritt der Fed rätseln. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September ist in den vergangenen Wochen deutlich gesunken. Warsh hält die Tür für eine weitere Straffung der Geldpolitik dennoch ausdrücklich offen.
Warsh sagte, die Fed könne erst zufrieden sein, wenn klar erkennbar sei, dass sich die zugrunde liegende Inflation schnell genug in Richtung zwei Prozent bewege.
„Für mich ist entscheidend, dass wir überzeugt sein können: Die zugrunde liegende Inflation bewegt sich klar und rasch genug auf unser Ziel zu. Ist das nicht der Fall, bleibt für uns Handlungsbedarf. Genau das ist unser Auftrag“, sagte Warsh.
Zwar fielen die jüngsten US-Inflationsdaten besser aus als erwartet. Für Warsh reicht das jedoch noch nicht als Beleg dafür, dass sich der grundlegende Trend tatsächlich verbessert hat.
„Die PCE- und CPI-Daten dieses Sommers waren besser als erwartet. Sie zeigen mir aber nicht, dass sich die zugrunde liegenden Trends spürbar verbessert haben“, so der Fed-Chef.
Warsh betonte zudem, die Finanzierungsbedingungen seien derzeit nicht restriktiv. Der Zins bleibe aus seiner Sicht das wichtigste Instrument, mit dem die Fed ihre Ziele erreichen wolle.
Da die Inflation weiterhin über zwei Prozent liegt, muss Preisstabilität nach Ansicht von Warsh vorerst oberste Priorität behalten.
Die Aussagen sind bedeutsam, weil innerhalb der Fed Uneinigkeit über den nächsten Zinsschritt besteht. Auf der geldpolitischen Sitzung im Juli ließ die Notenbank den Leitzins zum fünften Mal in Folge unverändert. Zuvor hatte sie den Zins Ende 2025 dreimal gesenkt.
Mehrere Währungshüter hatten im Juli bereits eine Zinserhöhung befürwortet. Aus dem Protokoll ging zudem hervor, dass viele Fed-Vertreter eine weitere Straffung für notwendig halten, sollte die Inflation nicht ausreichend nachlassen.
Seitdem mehren sich jedoch die Hinweise auf eine Abkühlung der US-Wirtschaft. Die Einzelhandelsumsätze sanken im Juli so stark wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr, Arbeitgeber strichen überraschend Stellen. Auch frühere Beschäftigungszahlen wurden nach unten revidiert.
Das erschwert die Abwägung für die Fed. Höhere Zinsen können die Inflation weiter bremsen, erhöhen zugleich aber den Druck auf Wachstum und Arbeitsmarkt.
Die Finanzmärkte sind in den vergangenen Wochen skeptischer geworden, was eine Zinserhöhung im September betrifft. Der Quelle zufolge lag die über Zinsfutures eingepreiste Wahrscheinlichkeit am Freitagmorgen bei rund 36 Prozent. Ende Juli waren es noch mehr als 70 Prozent.
Warsh machte in Jackson Hole jedoch deutlich, dass der Kampf gegen die Inflation noch nicht gewonnen ist. Preisstabilität kehre nicht von selbst zurück, betonte er. Es sei Aufgabe der Fed, sie sicherzustellen.
Die Rede war auch eine Antwort auf Kritik an seiner Kommunikation seit seinem Amtsantritt im Mai. Anleger und Ökonomen hatten Warsh vorgeworfen, nicht klar genug zu erklären, wie er die Wirtschaft und die künftige Zinspolitik einschätzt.
Diese Unsicherheit trug nach der Fed-Sitzung im Juli dazu bei, dass die langfristigen US-Zinsen auf den höchsten Stand seit fast zwanzig Jahren stiegen. Mit seiner Botschaft in Jackson Hole stellt Warsh nun ausdrücklich klar, dass das Inflationsziel von zwei Prozent nicht zur Disposition steht.
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