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Bitcoin (BTC) hat seit Oktober die Hälfte seines Werts verloren. Nach Einschätzung des weltgrößten Vermögensverwalters hat sich am zugrunde liegenden Wertversprechen jedoch nichts geändert. BlackRock erklärt den Rückgang mit Problemen im Marktumfeld.

Schuldenberg macht knappe Anlagen attraktiver

Anleger müssen sich nach Einschätzung von BlackRock, das mehr als 15 Billionen Dollar verwaltet, wegen des Kursrückgangs von Bitcoin keine Sorgen machen. Der Coin spiele weiter eine Rolle als „globale monetäre Alternative“ und als „einzigartiger Baustein zur Portfoliodiversifizierung“, schreiben Robert Mitchnick und Will Su, die bei BlackRock den Bereich digitale Vermögenswerte leiten.

Seit der Aufgabe des Goldstandards ist Geld letztlich vor allem durch Vertrauen gedeckt. Staaten auf der ganzen Welt geben mehr aus, als sie einnehmen, und ihre Schulden steigen. Entscheidend ist dabei der US-Kapitalmarkt. Dort schrillen inzwischen die Alarmglocken.

Die Staatsverschuldung ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen und liegt inzwischen bei 40 Billionen Dollar. Die Zinslasten verschlingen einen immer größeren Teil des Haushalts, wodurch der Schuldenberg noch schneller wächst.

Anleger verlangen dafür zunehmend eine höhere Entschädigung. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen liegt inzwischen auf dem höchsten Niveau seit 2007.

„Da kein glaubwürdiger Weg zu einer Haushaltskonsolidierung erkennbar ist, stärken diese fiskalischen Entwicklungen die strategischen Argumente für Vermögenswerte mit begrenztem Angebot, die außerhalb des Einflussbereichs von Zentralbanken liegen – bei Gold bestimmt durch Geologie, bei Bitcoin durch Mathematik und Code“, heißt es in dem Bericht.

Bitcoin (BTC) ist davon vollständig unabhängig. Der Coin ist an keine Regierung, keine Zentralbank und kein Unternehmen gebunden; niemand kann das Angebot ausweiten.

Seit 2009 läuft das Netzwerk auf einer Software, die von Tausenden Computern gemeinsam gepflegt wird. Die Obergrenze liegt bei 21 Millionen Coins.

Genau diese Unabhängigkeit machte Gold so bedeutend. Jede Währung eines Industrielandes hat im vergangenen Jahrhundert gegenüber dem Edelmetall mehr als 99 Prozent an Wert verloren, rechnet der Bericht vor.

Das zweite Argument ist Diversifizierung. Die Korrelation von Bitcoin mit dem S&P 500 liegt über zehn Jahre bei 0,18, bei Gold sind es 0,06.

Die Autoren haben das durchgerechnet: Wer in den vergangenen zehn Jahren ein klassisches Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen um ein bis zwei Prozent Bitcoin ergänzt hätte, hätte pro Risikoeinheit besser abgeschnitten.

Der wichtigste Unterschied zu Gold: Das Edelmetall hat sich über Jahrhunderte bewährt und war lange ein Anker des Finanzsystems. Bitcoin ist in dieser Hinsicht noch ein junges Phänomen und muss seine Rolle als sicherer Hafen erst beweisen.

Warum sich der Bitcoin-Kurs halbierte

Für den Einbruch macht BlackRock nicht Bitcoin selbst verantwortlich, sondern die Hebelpositionen am Markt. Anfang Oktober hatten Anleger Futurespositionen von mehr als 90 Milliarden Dollar offen. Als Washington am 10. Oktober zusätzliche Importzölle gegen China ankündigte, kippte diese Positionierung in Zwangsverkäufe.

Rund 80 Prozent davon entfielen auf Perpetual Futures: Kontrakte ohne Laufzeitende, mit denen Anleger bis zum 125-Fachen ihres Einsatzes handeln können. An einem einzigen Tag verschwanden 20 Milliarden Dollar, der größte jemals gemessene Rückgang.

Im Februar und Juni folgten weitere Wellen. Am 1. Juli erreichte Bitcoin seinen Tiefstand von 57.800 Dollar, 54 Prozent unter dem Allzeithoch von 126.200 Dollar.

Gebremst wurde die Erholung ausgerechnet durch die Käuferseite. Bitcoinfonds sammelten bis Oktober 60 Milliarden Dollar ein und verzeichneten seither Abflüsse von 5 Milliarden Dollar, während KI-Fonds 46 Milliarden Dollar anzogen. BlackRock selbst kontrolliert mit IBIT den größten Bitcoinfonds der Welt.

Noch keine zehn Prozent der Zuflüsse sind wieder abgeflossen. Doch der stetige Käufer ist aus dem Markt verschwunden. Laut BlackRock geht es um Kapitalströme, nicht um eine strukturelle Wende.

Die Forscher sehen die Ausschläge allerdings kleiner werden. „Bitcoin bleibt zwar von Natur aus volatil. Im vergangenen Jahrzehnt ist die Volatilität jedoch zurückgegangen, weil die Marktstruktur reifer geworden ist, gestützt durch das Wachstum der Derivatemärkte und den Ausbau börsengehandelter Produkte“, schreiben sie.

Bitcoin schwankte im vergangenen Jahr annualisiert um 40 Prozent, verglichen mit 26 Prozent bei Gold und 20 Prozent bei den sieben größten Technologiewerten.

Während die Börsen ein starkes Jahr verzeichnen, vor allem dank KI, folgt Bitcoin weiter seinem Vierjahreszyklus, in dem der Markt etwa alle vier Jahre deutliche Rückschläge erlebt. Sollte sich die Geschichte wiederholen, wäre der Boden des Krypto-Winters nun nicht mehr weit.

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