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BitMart scheint bei der Rückzahlung an Kunden endlich voranzukommen. Die Handelsplattform bearbeitet inzwischen im Schnitt rund 300 Auszahlungsanträge pro Stunde, nachdem Nutzer wochenlang mit Verzögerungen und zeitweisen Aussetzungen konfrontiert waren.
Für Kunden ist das ein positives Signal. Die entscheidende Frage bleibt jedoch offen: BitMart hat nicht offengelegt, wie viel Geld den Nutzern insgesamt noch zusteht. Damit ist weiter unklar, ob die Plattform über genügend Mittel verfügt, um am Ende alle auszuzahlen.
Die Probleme ziehen sich inzwischen seit fast drei Wochen hin. BitMart kündigte am 26. Juli an, den Betrieb einzustellen. Seitdem versuchen Kunden, ihre Bitcoin (BTC), Ethereum (ETH) und andere Kryptowährungen von der Plattform abzuziehen.
Rund um die Schließung kamen Vorwürfe auf, Kundengelder seien unterschlagen oder kurz vor der Ankündigung von BitMart abgezogen worden. Gründer Sheldon Xia weist diese Anschuldigungen zurück.
Xia bestreitet zudem, seine Verantwortung bei der Handelsplattform niedergelegt zu haben. Nutzer sollten sich seinen Angaben zufolge ausschließlich auf Informationen aus offiziellen Kanälen stützen. Unbestätigte Aussagen aktueller oder ehemaliger Mitarbeiter seien nicht als Fakten zu werten.
Für Kunden zählen vor allem die tatsächlichen Auszahlungen. Solange BitMart Auszahlungen in größerem Umfang weiter bearbeitet, steigt die Chance, dass immer mehr Nutzer ihr Geld zurückerhalten. Ohne Einblick in die gesamten Verbindlichkeiten der Plattform sagt das aktuelle Tempo jedoch wenig über den endgültigen Ausgang aus.
Auch auf der Blockchain sind größere Bewegungen zu sehen. Kurz nach der Ankündigung der Schließung registrierte die Blockchain-Analyseplattform Lookonchain 58 Wallets, die zusammen rund 805.000 Dollar abzogen.
Etwa im selben Zeitraum wurden rund acht Stunden lang überhaupt keine Auszahlungen registriert. Das sorgte für zusätzliche Unruhe unter Nutzern, die weiter auf Zugang zu ihrem Geld warteten.
Unterdessen ist auch der Wert der BitMart zugerechneten Vermögenswerte deutlich gesunken. Den verfügbaren Daten zufolge fiel er von rund 102 Millionen Dollar auf 69 bis 71 Millionen Dollar.
Das bedeutet nicht automatisch, dass mehr als 30 Millionen Dollar an Kundengeldern verschwunden sind. BitMart könnte Kryptowährungen etwa zwischen eigenen Wallets verschoben haben. Auch Kursbewegungen können den Gesamtwert beeinflussen. Allein auf Basis von Blockchain-Daten lässt sich daher nicht feststellen, wie viel Vermögen tatsächlich für Rückzahlungen an Kunden verfügbar ist.
Genau das ist entscheidend. Eine Plattform kann über Vermögenswerte in zweistelliger Millionenhöhe verfügen und dennoch in Schwierigkeiten geraten, wenn Kunden und andere Gläubiger zusammen höhere Forderungen haben.
Bei der Bearbeitung der Auszahlungen ist inzwischen eine deutliche Verbesserung erkennbar.
Anfang August wurden noch vergleichsweise wenige Ethereum-Auszahlungen abgewickelt. Ab dem 7. August zog das Tempo plötzlich auf mehr als 200 Transaktionen pro Stunde an. Zeitweise wurden sogar fast 400 Auszahlungen pro Stunde verarbeitet. Der jüngste Durchschnitt liegt bei rund 300.
Für Kunden, die seit Wochen warten, ist das eine wichtige Entwicklung. BitMart scheint den Rückstand inzwischen in deutlich größerem Umfang abzubauen.
Unklar bleibt allerdings, wie groß der tatsächliche Fortschritt ist. BitMart legt nicht offen, wie viele Auszahlungsanträge noch offen sind und um welche Summe es dabei geht. Ohne diese Zahlen lässt sich nicht sagen, ob die Plattform den Rückstand nahezu aufgearbeitet hat oder erst am Anfang steht.
Zudem muss sich zeigen, ob sich das höhere Tempo auch bei anderen Kryptowährungen halten lässt. Am Ende muss BitMart genügend Bitcoin, Ethereum und andere digitale Vermögenswerte verfügbar haben, um alle verbleibenden Kunden auszuzahlen.
Damit verlagert sich der Fokus zunehmend von der Geschwindigkeit der Auszahlungen auf die finanzielle Lage von BitMart.
Hinzu kommen Berichte, wonach auch Gehälter nicht gezahlt worden sein sollen. Sollten diese Meldungen zutreffen, wären Kunden möglicherweise nicht die einzige Partei mit offenen Forderungen. Auch Mitarbeiter und andere Gläubiger könnten dann Anspruch auf die verbleibenden Mittel erheben.
Dabei zählt nicht nur, wie viel die Vermögenswerte von BitMart auf dem Papier wert sind. Manche Kryptowährungen lassen sich in großem Umfang nur schwer verkaufen, ohne den Preis zu belasten. Ein Bestand im Wert von mehreren Dutzend Millionen Dollar bedeutet daher nicht automatisch, dass derselbe Betrag unmittelbar für Auszahlungen verfügbar ist.
Mehr finanzielle Transparenz müsste zeigen, wie groß das Problem tatsächlich ist. Xia hat eine mögliche Einbindung von Gerichten und unabhängigen externen Prüfern ins Gespräch gebracht. Eine solche Prüfung könnte Aufschluss über zwei bislang fehlende Zahlen geben: wie viel BitMart tatsächlich besitzt und wie viel das Unternehmen Kunden und anderen Gläubigern noch schuldet.
Das höhere Auszahlungstempo ist für Kunden vorerst ein ermutigendes Signal. Der eigentliche Test folgt, wenn sich zeigt, ob BitMart dieses Tempo halten kann, bis auch der letzte offene Auszahlungsantrag bearbeitet ist.
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