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Die Präsidentschaftswahl in Brasilien ist zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und seinem Herausforderer Flávio Bolsonaro geworden. Größere Turbulenzen an den Finanzmärkten blieben jedoch aus. Brasilianische Anlagen erhielten sogar kräftigen Auftrieb, nachdem Bolsonaro überraschend als stärkster Kandidat aus dem ersten Wahlgang hervorgegangen war.
Nach dem Ergebnis richtet sich der Blick nun auf die Stichwahl. Für Anleger geht es dabei nicht nur um Politik. Im Mittelpunkt stehen vor allem die hohe Staatsverschuldung, das hohe Zinsniveau und die künftigen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten.
Flávio Bolsonaro erhielt im ersten Wahlgang 47,03 Prozent der gültigen Stimmen. Lula kam auf 45,16 Prozent. Damit erreichte keiner der beiden Kandidaten die erforderliche Mehrheit. Die Stichwahl findet am 25. Oktober statt.
Der Abstand ist gering. Zudem blieben gut 21 Prozent der Wahlberechtigten den Urnen fern. Diese Gruppe könnte in der Stichwahl entscheidend sein. Lula wird versuchen, einen Teil der bisherigen Nichtwähler zur Stimmabgabe zu bewegen.
Bereits im Vorfeld war mit einem engen Wahlkampf gerechnet worden. Die Finanzmärkte reagierten letztlich deutlich positiv auf Bolsonaros starkes Abschneiden. Der brasilianische Real legte nach der Wahl gegenüber dem Dollar zu. Auch brasilianische Aktien verzeichneten kräftige Kursanstiege.
Diese Reaktion ist bemerkenswert. Vor der Wahl hatten sich große Investoren gegenüber beiden Kandidaten skeptisch gezeigt. Ihre Sorgen gelten vor allem den brasilianischen Staatsfinanzen.
Die brasilianische Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren mehrfach positive Signale geliefert. Die Haushaltslage bleibt jedoch eine Schwachstelle.
Die Bruttostaatsverschuldung war im Laufe dieses Jahres auf mehr als 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen. Nach Einschätzung von Ökonomen sind erhebliche Konsolidierungsmaßnahmen nötig, um die Schuldenquote langfristig zu stabilisieren. Zugleich ist ein großer Teil der brasilianischen Staatsausgaben gesetzlich gebunden. Eine neue Regierung kann deshalb nicht ohne Weiteres umfangreiche Kürzungen vornehmen.
Die hohe Verschuldung wirkt sich auch auf das Zinsniveau aus. Zwar begann die brasilianische Zentralbank in diesem Jahr mit Zinssenkungen. Der Leitzins lag im vergangenen Sommer mit 14 Prozent aber weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau.

Sowohl Lula als auch Bolsonaro wollen nach eigenen Angaben die Staatsfinanzen verbessern. Ihre Ansätze unterscheiden sich jedoch.
Lula setzt seinem Wirtschaftsteam zufolge auf eine schrittweise Haushaltskonsolidierung. Sein Wahlprogramm sieht für 2030 einen Primärüberschuss von rund 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vor.
Bolsonaros Team will schneller handeln. Seine Berater sprachen vor der Wahl von einer Haushaltskonsolidierung im Umfang von rund 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts innerhalb der ersten 18 Monate einer neuen Regierung. Keines der beiden Lager hat jedoch im Detail dargelegt, welche politisch heiklen Maßnahmen dafür nötig wären.
Das erklärt die Zurückhaltung der Anleger. Eine glaubwürdige Haushaltspolitik könnte Spielraum für niedrigere Zinsen schaffen und damit Investitionen und Wirtschaftswachstum stützen. Ohne strukturelle Reformen droht die Staatsverschuldung dagegen weiter zu steigen.
Auch außerhalb Brasiliens wird die Wahl aufmerksam verfolgt. Bolsonaro gehört zum rechten politischen Lager und unterhält engere Verbindungen zur Bewegung um US-Präsident Donald Trump. Lula geriet dagegen unter anderem in Handelsfragen und in der Außenpolitik wiederholt in Konflikt mit Washington.
Eine Präsidentschaft Bolsonaros könnte sich daher auf die Beziehungen zwischen Brasilien und den Vereinigten Staaten auswirken. Wirtschaftlich ist das von Bedeutung, da Handelsbeschränkungen zwischen beiden Ländern brasilianische Unternehmen treffen können.
Für die Finanzmärkte steht vorerst die Haushaltspolitik im Mittelpunkt. Analysten warnten bereits vor der Wahl, dass keiner der beiden Kandidaten eine einfache Lösung für die wachsende Verschuldung habe. Selbst in Szenarien, die Reformen vorsehen, könnte Brasiliens Staatsverschuldung in den kommenden Jahren weiter steigen.
Die Stichwahl findet am 25. Oktober statt. Bolsonaro geht mit 56,1 Millionen Stimmen aus dem ersten Wahlgang in die Entscheidung. Lula erhielt knapp 53,9 Millionen Stimmen.
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