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Donald Trump ist erneut verärgert über die US-Notenbank Fed, weil sie gestern Abend die Zinsen angehoben hat. Fed-Chef Kevin Warsh, den Trump selbst mit der Erwartung nominiert hatte, die Zinsen zu senken, nimmt er dabei aus der Kritik.
Das Fed-Gremium bezeichnete er als „sehr feindselig“ und „sehr politisch“. Da weitere Zinserhöhungen wahrscheinlich sind, stellt sich die Frage, wann auch Warsh ins Visier solcher Vorwürfe gerät.
Kurz nach der Zinsentscheidung schrieb Trump auf Truth Social in Großbuchstaben: „Senkt die Zinsen für die Vereinigten Staaten von Amerika, und zwar schnell.“

Nach Ansicht des Präsidenten sollte der Zinssatz bei „1 Prozent oder darunter“ liegen, weil die USA „mit großem Abstand die beste Bonität der Welt“ hätten.
Das stimmt allerdings nicht: Die Ratingagentur S&P bewertet die Vereinigten Staaten mit AA+, eine Stufe unter der Bestnote. Deutschland und Kanada etwa verfügen dagegen über das höchste Rating AAA.
Diese Bewertung steht zudem nicht in direktem Zusammenhang mit dem Leitzins der Fed. Die Notenbank richtet ihre Zinsentscheidungen vor allem an Inflation und Beschäftigung aus. Die Kreditwürdigkeit des Staates spielt erst bei den Renditen eine Rolle, die Anleger für US-Staatsanleihen verlangen.
Später fragten Reporter, ob Trump weiterhin Vertrauen in Warsh habe. Trump bejahte das. Warsh habe es allerdings mit einem schwierigen Gremium zu tun, das andere hinterlassen hätten.
Dieses Gremium stelle sich ihm bewusst in den Weg. „Sie erhöhen die Zinsen, damit Trump so schlecht dasteht wie nur irgend möglich“, sagte er.
Er habe Warsh deshalb geraten, sich schlicht der Mehrheit anzuschließen. „Ich habe mit Kevin gesprochen und gesagt: Du kannst genauso gut mit dem Gremium stimmen. Es wird keinen Unterschied machen.“
Der Zinsausschuss beschloss gestern einstimmig, die Zinsen zu erhöhen. Historisch ist das der Normalfall, in den vergangenen anderthalb Jahren war es jedoch nicht vorgekommen.
Auf die Frage, ob Warsh auf seinen Rat hin entschieden habe, sagte Trump: „Nein, das glaube ich nicht.“ Er fügte hinzu: „Ich will, dass er unabhängig ist.“
Vor gestern lag der Zinssatz bei 3,50 bis 3,75 Prozent, nun beträgt er 3,75 bis 4 Prozent. Um auf 1 Prozent zu kommen, müsste die obere Spanne also um 3 Prozentpunkte sinken.
Die größte Zinssenkung in einem einzelnen Schritt betrug bislang 1 Prozentpunkt. Dazu kam es im Dezember 2008 nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Ein weiteres Mal geschah es im März 2020 in einer außerplanmäßigen Notsitzung, als Corona die Weltwirtschaft zum Stillstand brachte.
Derzeit steckt die Welt in einer Energiekrise. Die Preise für Öl und Gas sind deutlich gestiegen, wodurch die Inflation zu einem noch größeren Problem geworden ist.
Warsh zufolge haben sich seit Juli drei Dinge verändert: Die Wirtschaft ist stärker geworden, die Inflation ist nicht zurückgegangen, und die globalen Spannungen haben zugenommen. „An den Krisenherden überall auf der Welt kommt niemand vorbei“, sagte er.
Eine Zinserhöhung sorgt natürlich nicht dafür, dass plötzlich mehr Öl durch die Straße von Hormus fließt. Die Notenbank will jedoch verhindern, dass teure Energie auf Löhne und die Preise anderer Produkte durchschlägt.
Eine erste Zinserhöhung ist meist der Auftakt zu einer Serie. Zudem rechnen 16 der 18 geldpolitischen Entscheidungsträger in diesem Jahr mit mindestens einer weiteren Zinserhöhung, vier von ihnen sogar mit zwei.
Wie schnell sich der Ton ändern kann, bekam Warshs Vorgänger Jerome Powell zu spüren. Weil Powell die Zinsen aus Trumps Sicht nicht stark genug senkte, nannte Trump ihn unter anderem „Mr. Too Late“, „einen kompletten Idioten“ und „Versager“. Er hätte ihn nur zu gern entlassen, doch das liegt nicht in seiner Macht.
Warsh schien der perfekte Kandidat zu sein. In den vergangenen Jahren hatte er sich für niedrigere Zinsen ausgesprochen, weil künstliche Intelligenz seiner Ansicht nach die Inflation dämpfen würde. Nach der Ernennung scherzte Trump sogar, er werde Warsh verklagen, falls dieser die Zinsen nicht senke.
Im Februar sagte der Präsident allerdings, Warsh wäre nie ausgewählt worden, wenn er Zinserhöhungen bevorzugt hätte. Bevor der Krieg zwischen Iran und den Vereinigten Staaten begann, rechnete der Markt zudem noch mit mehreren Zinssenkungen in diesem Jahr.
Ende Oktober tagt die Fed erneut, eine Woche vor den Zwischenwahlen. Sollte dann eine zweite Zinserhöhung folgen, steht das Verhältnis zwischen Trump und Warsh vor seiner ersten echten Belastungsprobe.
Im Januar, noch bevor er sich für Warsh entschied, hatte Trump das Risiko selbst benannt: „Das Problem ist, dass sie sich verändern, sobald sie den Job haben.“
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