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Bei Ondo Finance ist nach dem Tod von Gründer und CEO Nathan Allman ein Machtkampf entbrannt. Seine Mutter Kathleen Allman, die den Nachlass ihres Sohnes vertritt, hat Ian de Bode verklagt. Ihrer Darstellung nach hat De Bode nach dem Tod ihres Sohnes zu Unrecht die Kontrolle über das Unternehmen an sich gezogen.
Der Nachlass macht geltend, De Bode habe noch vor Abschluss der Nachlassabwicklung behauptet, er sei auf Grundlage der Satzung automatisch zum CEO aufgerückt. Über eine Stimmrechtsvereinbarung habe er sich anschließend eigenmächtig zum alleinigen Verwaltungsratsmitglied ernannt.
Danach traf De Bode der Klage zufolge mehrere Unternehmensentscheidungen. Dazu gehörten die Beauftragung von Beratern, die Genehmigung leistungsabhängiger Vergütungen und der Versuch, ein weiteres Verwaltungsratsmitglied zu ernennen.
Nach Ansicht von Kathleen Allman war das unzulässig. Die Satzung von Ondo sehe vor, dass der Verwaltungsrat selbst tätig werden müsse, um die freie CEO-Position zu besetzen. Damit könnten die Ernennung De Bodes und mehrere spätere Beschlüsse unwirksam sein.
Allman versuchte den Gerichtsunterlagen zufolge zunächst, eine gemeinsame Übergabe zu organisieren. Sie bestätigte De Bode erneut als President und forderte unter anderem das Aktionärsregister sowie weitere Unternehmensinformationen an.
Als De Bode und die Rechtsberater von Ondo ihre Beschlüsse nach Darstellung des Nachlasses nicht anerkannten und die angeforderten Unterlagen nicht herausgaben, eskalierte der Konflikt. Am 24. Juli beschloss Allman, De Bode aus allen Funktionen abzuberufen. Anschließend ernannte sie sich selbst zur Vorsitzenden und Interims-CEO.
Der Klage zufolge ist ihre Führung nur vorübergehend angelegt. Ziel sei es, die Unternehmensführung zu stabilisieren und einen dauerhaften Nachfolger für Nathan Allman zu finden.
De Bode bezeichnet die Klage als „bedauerlich“ und hält die Vorwürfe von Kathleen Allman für unbegründet. Nach seiner Darstellung steht das derzeitige Management weiterhin hinter wichtigen Interessengruppen, darunter große Investoren und die Ondo Foundation.
Der Nachlass fordert vom Gericht eine schnelle Klärung, wer rechtlich die Kontrolle über Ondo ausübt. Die Unsicherheit könnte Folgen für Verträge, Ausgaben, Aktienemissionen und andere wichtige Unternehmensentscheidungen haben.
Das Gericht hat noch keine Entscheidung getroffen. Die eingereichten Unterlagen geben bislang lediglich die Darstellung des Nachlasses wieder.
Der Machtkampf kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Ondo hatte zuletzt mehrere wichtige Schritte im Markt für Tokenisierung gemacht. Der interne Konflikt überschattet damit die jüngsten Erfolge.
Im vergangenen Monat legte der ONDO-Kurs deutlich zu, nachdem das Unternehmen tokenisierte Aktien auf den Markt gebracht hatte, die direkt an bei der Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC) verwahrte Wertpapiere gekoppelt sind. Die DTCC wickelt nahezu den gesamten US-Aktienhandel ab.
Zudem ging Ondo eine Partnerschaft mit dem japanischen Finanzkonzern SBI Group ein. Die Unternehmen wollen den Markt für digitale Aktien ausbauen und traditionelle Finanzprodukte über Blockchain-Technologie leichter zugänglich machen.
Darüber hinaus ergänzte Ondo bestimmte digitale Aktien um Stimmrechte. Damit erhalten diese tokenisierten Wertpapiere zunehmend Eigenschaften, die Anleger auch von klassischen Aktien kennen.
Gerade wegen dieses Momentums ist der Machtkampf heikel. Solange unklar bleibt, wer letztlich befugt ist, im Namen von Ondo Entscheidungen zu treffen, lastet Unsicherheit auf einem Projekt, das sich rasch zu einem wichtigen Akteur im Tokenisierungsmarkt entwickeln will.
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