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Künstliche Intelligenz (KI) trug die Börsen jahrelang und lieferte Renditen, mit denen nur wenig mithalten konnte. Der Abstand zu Bitcoin (BTC) wurde im vergangenen Jahr enorm.
Der Bitcoin-Kurs geriet stark unter Druck, weil bei KI schlicht mehr zu holen war. Dennoch gibt es Gründe für die Annahme, dass dieselbe Technologie der Kryptowährung bald Rückenwind geben könnte. In der vergangenen Woche zeigte sich dafür ein erstes Signal.
Es begann Ende 2025, als agentenbasierte KI aus der Ankündigungsphase in den Praxiseinsatz kam. Gemeint sind Systeme, die Aufgaben eigenständig ausführen, statt nur Antworten zu liefern.
Zunächst gerieten Softwareaktien unter Druck. Anleger setzten darauf, dass KI deren Geschäftsmodell untergräbt. Danach schossen die Investitionspläne nach oben, denn all diese Agenten benötigen Rechenleistung.
Dann verlagerten sich Geld, Aufmerksamkeit und die Führungsrolle an der Börse auf die physische Seite der KI: Halbleiter, Strom, Kühlung, Rechenzentren und Elektrotechnik.
Diese letzte Verschiebung traf den Bitcoin-Kurs am härtesten. Warum sollte man etwas kaufen, das seit Jahresbeginn um Dutzende Prozent gefallen ist, wenn sich mit Aktien aus dem KI-Komplex viel Geld verdienen lässt?
Gleichzeitig bekam die Zinsdebatte von zwei Seiten neuen Schub, und die KI-Ausgaben waren selbst eine davon.
Investitionen in Rechenzentrumstechnik und Software steuerten im ersten Quartal rund 74 Prozent zum US-Wirtschaftswachstum bei. Beth Hammack, Präsidentin der Fed von Cleveland, brachte deshalb Zinserhöhungen wieder ins Gespräch.
Inzwischen rechnen neun Fed-Mitglieder mit einem höheren Zinsniveau zum Jahresende, während nur ein Mitglied eine Senkung erwartet. Im März hatte noch niemand eine Erhöhung auf dem Schirm.
Hinzu kam der Krieg mit Iran. Der Ölpreis schoss nach oben und ist mittlerweile der wichtigste Grund, warum Anleger mit Zinserhöhungen rechnen.
Bitcoin bekam die volle Wucht zu spüren. Die Folgen trafen ausgerechnet den Vermögenswert, der selbst keinen Anlass geliefert hatte.
Denn die KI-Aktien selbst litten kaum unter dieser Zinsangst. Tech-Aktien lieferten in diesem Jahr 85 Prozent der Gewinne des S&P 500.
Der Unterschied liegt in den Gewinnen. Chiphersteller wie Micron und SanDisk verdreifachten sich auf Basis realer Umsätze, und ein solches Wachstum wiegt schwerer als ein paar Zehntelpunkte mehr Zins.
Bitcoin hat dem wenig entgegenzusetzen. Höhere Zinsen senken die Risikobereitschaft, weil sich mit sicheren Staatsanleihen mehr verdienen lässt. Darunter hat der digitale Coin deutlich gelitten.
Unter KI-Investitionen fällt eine enorme Menge Hardware: Chips, Server, Rechenzentren, Stromversorgung, Kühlung und Netzwerktechnik. Alphabet, Amazon, Microsoft und Meta wollen dafür in diesem Jahr zusammen rund 724 Milliarden Dollar ausgeben.
Jahrelang reichte eine solche Ankündigung aus, um eine Aktie nach oben zu treiben. Das scheint vorbei zu sein.
Am 23. Juli verloren die sieben größten Tech-Konzerne rund 797 Milliarden Dollar an Börsenwert. Es war der schlechteste Tag seit April 2025.
Alphabet verlor 6 Prozent, obwohl die Zahlen von Google solide ausfielen. Anleger verschreckte vor allem die Ankündigung, noch mehr Geld in KI-Infrastruktur zu stecken.
Darin liegt die Wende. Ein Investitionsplan gilt nicht mehr automatisch als Beleg für Ambition, sondern als Rechnung, die sich erst verdienen muss.
Anleger werden daher kritischer und wollen zunächst klare Renditen sehen. Genau das könnte der Moment sein, in dem Kapital nach anderen Zielen sucht, etwa Bitcoin.
Hinter dem gesamten Rückgang steht eine einfache Rechnung. KI-Investitionen treiben das nominale Wachstum, der Ölpreis verstärkt den Effekt, und eine Zentralbank, die das sieht, hält die Zinsen hoch.
Hohe Zinsen bedeuten einen stärkeren Dollar. Das ist in der Regel eine schlechte Nachricht für Bitcoin, Gold und Aktien.
Doch die Rechnung ist unvollständig.
KI bedeutet nicht nur zusätzliche Nachfrage nach Chips und Strom, sondern auf längere Sicht auch zusätzliches Angebot. Agenten, die Code schreiben, Kundenanfragen bearbeiten oder Forschung übernehmen, sind die erste sichtbare Form digitaler Arbeit.
Kevin Warsh, der neue Vorsitzende der US-Notenbank, machte diesen Unterschied am 15. Juli selbst im Senat deutlich.
„Eine einmalige Preisverschiebung ist für mich nicht zwangsläufig inflationär, weil darauf auch eine Reaktion auf der Angebotsseite folgen kann“, sagte Warsh.
Teurer bedeutet also nicht automatisch dauerhaft teurer. Kurzfristig rechnet er allerdings mit höheren Preisen: „Werden die gemessenen Preise in den kommenden zwölf Monaten steigen? Ich gehe davon aus“, sagte er den Senatoren.
Genau darum geht es für den Bitcoin-Kurs. Der Markt hat die Nachfrageseite der KI sauber eingepreist, die Angebotsseite dagegen noch nicht.
Innerhalb der Fed ist diese Debatte noch nicht entschieden. Warsh bezeichnete die Uneinigkeit nach der Juli-Sitzung als Familienstreit und setzte fünf Arbeitsgruppen ein, darunter eine zu den Folgen von KI für Produktivität und Beschäftigung.
Für eine Erholung des Bitcoin-Kurses muss die Notenbank gar keinen Kurswechsel vollziehen. Es reicht bereits, wenn die Zinserwartungen nicht weiter Gegenwind liefern.
Schon zuvor zeigte sich, wie schnell Öl wieder fallen kann, nachdem Iran und die USA eine vorläufige Einigung erzielt hatten. Sollte Warsh seine Kollegen noch von der Produktivitätsstory überzeugen, wäre der Weg für Bitcoin plötzlich deutlich freier.
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